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Unternehmen > Kampf um GLP-1-Therapien

Pfizer gegen Novo Nordisk: Milliardenpoker um Biotech-Hoffnung Metsera

| Thomas Behnke

Frau hält einen GLP 1 Injektionspen in den Händen.
Pfizer und Novo Nordisk liefern sich einen milliardenschweren Bieterkampf um das Biotech-Unternehmen Metsera. Im Mittelpunkt stehen neue GLP-1-Medikamente gegen Adipositas. (Foto: shutterstock)

Novo Nordisk hat das Angebot für Metsera erhöht, nun zieht Pfizer vor Gericht. Der milliardenschwere Bieterkampf um das Biotech-Unternehmen dreht sich um GLP-1-Therapien, Marktanteile und strategische Zukunftschancen.

Die Pharmariesen Pfizer (ISIN: US7170811035) und Novo Nordisk (ISIN: DK0062498333) liefern sich ein Übernahmeduell um das Biotech-Unternehmen Metsera (ISIN: US59267L1070). Nachdem Novo Nordisk das Angebot des US-Konzerns überboten hat, zieht Pfizer nun vor Gericht. Der Streit dreht sich nicht nur um Milliarden, sondern auch um die Kontrolle über eine mögliche Schlüsseltechnologie zur Behandlung von Adipositas und Stoffwechselerkrankungen. Was ist los und warum ist das Interesse an dem Übernahmeobjekt so groß?

Pfizer zieht vor Gericht: Streit um Vertragsbruch und Regulierung

Pfizer hatte am 22. September ein Übernahmeangebot für Metsera vorgelegt. Am 31. Oktober erhielt der Konzern von der US-Handelsaufsicht FTC die vorzeitige Genehmigung nach dem HSR Act (Hart-Scott-Rodino Antitrust Improvements Act), der eine wettbewerbsrechtliche Prüfung von Fusionen und Übernahmen in den USA regelt. Die Genehmigung galt als wichtiger Schritt für die geplante Transaktion. Einen Tag zuvor hatte jedoch Novo Nordisk mit einem höheren Angebot gekontert. Metsera bewertete den Vorschlag der Dänen als „überlegen“. Pfizer reagierte umgehend und reichte am 31. Oktober Klage in Delaware ein, sowohl gegen Metsera als auch gegen Novo Nordisk.

In der Klageschrift wirft Pfizer dem Management von Metsera Vertragsbruch und Pflichtverletzungen vor. Novo Nordisk soll nach Darstellung des US-Konzerns unzulässig in bestehende Vereinbarungen eingegriffen haben. Außerdem hält Pfizer das Angebot des Konkurrenten für „nicht realistisch umsetzbar“, da es erhebliche regulatorische Risiken enthalte. Hintergrund sind mögliche kartellrechtliche Hürden: Novo Nordisk hat mit seinen GLP-1-Medikamenten bereits eine dominierende Marktstellung, was bei einer Übernahme von Metsera zusätzlichen Druck seitens der Wettbewerbsbehörden auslösen könnte. Novo Nordisk weist die Vorwürfe zurück und betrachtet sein Gebot als faire Verbesserung im Sinne der Metsera-Aktionäre.

Warum Metsera so begehrt ist

Metsera ist ein junges Biotech-Unternehmen, das an der nächsten Generation von Medikamenten gegen Adipositas und kardiometabolische Erkrankungen arbeitet. Der Fokus liegt auf Therapien, die mit weniger Injektionen auskommen und gleichzeitig höhere Wirksamkeit und bessere Verträglichkeit bieten sollen. Das Portfolio umfasst vier Programme in der klinischen Entwicklung und mehrere weitere in Vorbereitung.

Besonders im Mittelpunkt stehen die Wirkstoffkandidaten MET-097i, ein wöchentlicher und monatlicher GLP-1-Rezeptoragonist in Phase 2, sowie MET-233i, ein Amylin-Analogon in Phase 1, das auch in Kombination geprüft wird. Darüber hinaus bereitet Metsera zwei orale GLP-1-Kandidaten auf den klinischen Start vor und arbeitet an zusätzlichen präklinischen Substanzen, die den Stoffwechsel über hormonelle Reize beeinflussen sollen. Damit positioniert sich das Unternehmen in einem der dynamischsten Segmente des Pharmamarkts.

Strategische Motive hinter dem Bieterkampf

Der Markt für GLP-1-basierte Therapien wird derzeit klar von Novo Nordisk und Eli Lilly dominiert, deren Medikamente Wegovy, Ozempic und Mounjaro weltweit Milliardenumsätze erzielen. Immer mehr Wettbewerber wollen auf diesen Zug aufspringen, darunter Amgen, AstraZeneca und auch Pfizer. Der US-Konzern gilt hier bislang als Nachzügler und sucht über gezielte Zukäufe Anschluss an die führenden Anbieter. Mit Metsera könnte Pfizer den entscheidenden Technologiesprung schaffen, um in diesem Wachstumsfeld wieder Boden gutzumachen.

Hinter den aggressiven Übernahmeplänen für Metsera scheint damit der strategische Versuch zu stehen, sich langfristig neue Umsatzquellen zu sichern. Die derzeit führenden GLP-1-Therapien stehen zwar erst am Anfang ihres Wachstumszyklus, doch Nachfolgeprodukte mit verbessertem Wirkprofil gelten als entscheidend, um Marktanteile zu verteidigen. Für Pfizer wäre Metsera damit eine Abkürzung in einen Milliardenmarkt, der in den nächsten Jahren weiter expandieren dürfte. 2024 wurde ein weltweites Marktvolumen für GLP-1-basierte Medikamente von über 53 Milliarden US-Dollar geschätzt. Prognosen gehen davon aus, dass es bis 2030 auf mehr als 100 Milliarden US-Dollar ansteigen könnte.

Metsera-Aktie: Vom Börsendebüt zum Milliardenobjekt

Als Metsera im Januar 2025 an die Nasdaq ging, galt der Börsengang in der Biotech-Szene als eines der spannendsten Ereignisse des Jahres. Die Nachfrage war groß, die Aktien waren zu 18 US-Dollar rasch vergriffen. Schon am ersten Handelstag stieg der Kurs zeitweise auf fast 29 Dollar, wodurch der Börsenwert aus dem Stand von anfänglich 1,89 auf über 3 Milliarden Dollar kletterte. Nach einer bewegten Kursentwicklung erreichte die Aktie im Juli mit 47,40 Dollar ihren bisherigen Höchststand, was einer Marktkapitalisierung von rund 5 Milliarden Dollar entsprach. Eine bemerkenswerte Bewertung für ein Unternehmen, das bislang weder Umsätze erzielt noch Gewinne schreibt. Danach bröckelte der Kurs bis zum Pfizer-Gebot wieder ab.

Der US-Konzern bot 47,50 US-Dollar je Aktie in bar und damit ein My mehr als das bisherige Allzeithoch, was einer Bewertung von rund 5 Milliarden US-Dollar entspricht. Zusätzlich sollten die Aktionäre über erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen in den nächsten Jahren bis zu 22,50 US-Dollar je Aktie erhalten. Novo Nordisk konterte und bot 56,50 US-Dollar je Aktie in bar zuzüglich eventueller Meilensteinzahlungen von bis zu 21,25 US-Dollar je Aktie in bar. Die Dänen bieten also zunächst mehr als 5,9 Milliarden US-Dollar.

Unsicherheit über Ausgang der Übernahmeschlacht

Der Kampf um Metsera verdeutlicht, dass die großen Pharmakonzerne weiterhin nach Gelegenheiten Ausschau halten, um durch Zukäufe ihr Entwicklungsportfolio zu ergänzen. Metsera scheint in dieser Hinsicht ein besonders aussichtsreiches Portfolio zu haben. Erst einmal herrscht nun aber Unsicherheit, und die Klage dürfte den Übernahmeprozess zunächst verzögern. Gleichzeitig ist offen, ob sich Pfizer in dem sich anbahnenden Rechtsstreit durchsetzen wird oder ob es vorab zu einer Einigung kommt.

Sollte Novo Nordisk den Zuschlag erhalten, dürfte der Deal eine neue kartellrechtliche Prüfung auslösen. Kommt dagegen Pfizer zum Zug, könnte der US-Konzern seine Pipeline schneller als erwartet stärken, was den Wettbewerb im GLP-1-Markt deutlich beleben würde. Auch die Pfizer-Aktie selbst könnte von einem erfolgreichen Abschluss profitieren, da Investoren die Pipeline-Erweiterung als langfristig wachstumsfördernd werten dürften. Voraussetzung wäre allerdings, dass der Markt den Kaufpreis als angemessen einstuft.

An der Börse war der Kurs der Metsera-Aktie nach dem Novo-Angebot am vergangenen Freitag deutlich in die Höhe geschossen und lag mit 63,04 US-Dollar deutlich über dem Novo-Nordisk-Angebot. Offenbar geht der Markt derzeit davon aus, dass die Angebote noch einmal erhöht werden könnten. Für Anleger bleibt der Fall damit weiter spannend.

Gleichwohl sollte der Hype um Adipositas-Medikamente kritisch betrachtet werden. Kritiker sprechen von einer „Pharmalösung für ein gesellschaftliches Problem“ und befürchten, dass wirtschaftliche Interessen den Blick auf Prävention und Lebensstilmaßnahmen verdrängen. Zwar gelten GLP-1-Wirkstoffe als wirksam, doch viele Patienten nehmen nach dem Absetzen der Mittel wieder zu. Hinzu kommen Nebenwirkungen, die teils erheblich sein können. Auch ethische Fragen stehen im Raum: Wie nachhaltig ist ein Milliardenmarkt, der auf dauerhafte Medikamenteneinnahme angewiesen ist? Trotz dieser Einwände dürfte das Segment ein zentrales Wachstumsfeld der Pharmabranche bleiben.

Häufig gestellte Fragen zur Übernahmeschlacht um Metsera

Was macht Metsera so interessant für Pfizer und Novo Nordisk?
Metsera entwickelt neue Wirkstoffe gegen Adipositas und Stoffwechselerkrankungen, die mit weniger Injektionen auskommen und zugleich höhere Wirksamkeit versprechen. Die Kandidaten MET-097i und MET-233i gelten als mögliche Weiterentwicklungen der bekannten GLP-1-Therapien. Für Pfizer und Novo Nordisk geht es um technologische Führung in einem Markt mit enormem Wachstumspotenzial.

Wie groß ist der Markt für Adipositas-Medikamente derzeit?
Der globale Markt für GLP-1-basierte Therapien wurde 2024 auf mehr als 50 Milliarden US-Dollar geschätzt. Analysten erwarten bis 2030 ein Volumen von über 100 Milliarden Dollar. Novo Nordisk und Eli Lilly dominieren aktuell das Geschäft, doch neue Wettbewerber wollen aufholen.

Warum klagt Pfizer gegen Metsera und Novo Nordisk?
Pfizer wirft Metsera Vertragsbruch und Novo Nordisk unzulässige Einmischung in bestehende Vereinbarungen vor. Der US-Konzern argumentiert, dass das Angebot von Novo Nordisk erhebliche regulatorische Risiken berge und kartellrechtlich problematisch sein könnte. Novo Nordisk weist die Vorwürfe zurück.

Welche Chancen und Risiken sehen Anleger in der Übernahmeschlacht?
Für Investoren bietet die Auseinandersetzung Potenzial, aber auch Unsicherheit. Ein erfolgreicher Abschluss könnte Pfizers Pipeline stärken und langfristig Wachstum sichern. Zugleich besteht das Risiko, dass der Kaufpreis zu hoch ausfällt oder regulatorische Auflagen den Zusammenschluss verzögern.

Warum sind GLP-1-Medikamente so umstritten?
Trotz nachgewiesener Wirksamkeit stehen die Mittel in der Kritik. Fachleute warnen vor Nebenwirkungen und einem möglichen Jo-Jo-Effekt nach dem Absetzen. Zudem wird befürchtet, dass die Fokussierung auf Medikamente die Ursachen von Übergewicht – etwa Ernährung und Bewegung – aus dem Blick geraten lässt. Kritiker sprechen von einer „Pharmalösung für ein gesellschaftliches Problem“.

Wie geht es im Übernahmekampf weiter?
Das Verfahren in Delaware steht noch am Anfang. Möglich ist sowohl eine außergerichtliche Einigung als auch eine Neuverhandlung der Angebote. Anleger beobachten vor allem, ob Pfizer nachlegt oder ob die Wettbewerbshüter einschreiten.

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