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Unternehmens-News > Mittelstand stark betroffen

Mehr Firmenpleiten als zur Finanzkrise 2008

| Redaktion Börse am Sonntag

Wir schließen steht auf einem Schaufenster.
Immer mehr kleine und mittelgroße Betriebe machen in Deutschland notgedrungen dicht. (Foto: Heiko Kueverling / Shutterstock)

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland steigt auf den höchsten Stand seit über zwei Jahrzehnten.

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland spitzt sich weiter zu: Im ersten Quartal 2026 ist die Zahl der Firmeninsolvenzen auf den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren gestiegen. Insgesamt wurden rund 4.573 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert – ein Niveau, das zuletzt Mitte der 2000er-Jahre erreicht wurde.

Besonders auffällig: Selbst während der Finanzkrise 2009 lagen die Werte niedriger. Allein im März schnellten die Insolvenzen deutlich nach oben und lagen rund 71 Prozent über dem Durchschnitt der Vor-Corona-Jahre.

Damit setzt sich ein Trend fort, der sich bereits seit 2024 abzeichnet: Die wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen nehmen kontinuierlich zu.

Vor allem kleine Unternehmen betroffen

Auffällig ist, dass aktuell vor allem kleinere Unternehmen in die Insolvenz rutschen. Die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze bleibt daher bislang vergleichsweise moderat – ein Hinweis darauf, dass die Pleitewelle bislang weniger Großkonzerne als vielmehr den Mittelstand trifft. Besonders stark betroffen sind Branchen wie das Baugewerbe, der Handel, der Dienstleistungssektor Auch regional zeigen sich Schwerpunkte: Vor allem wirtschaftsstarke Bundesländer wie Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen verzeichnen überdurchschnittlich viele Insolvenzen.

Ursachen: Kosten, Zinsen und schwache Konjunktur

Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig – und größtenteils strukturell.

Ein zentraler Faktor sind die gestiegenen Finanzierungskosten. Nach Jahren niedriger Zinsen haben viele Unternehmen Schwierigkeiten, Kredite zu verlängern oder neue Mittel zu beschaffen. Gleichzeitig drücken hohe Energiepreise und gestiegene Lohnkosten auf die Margen.

Hinzu kommt eine schwache Konjunktur, die sich in zurückhaltender Nachfrage und unsicheren Absatzperspektiven niederschlägt. Viele Betriebe kämpfen zudem noch mit den Nachwirkungen früherer Krisen – von der Pandemie bis zu Lieferkettenproblemen.

Bereits im Jahr 2025 hatte sich die Lage deutlich verschärft: Mit über 17.600 Unternehmensinsolvenzen wurde damals der höchste Stand seit 2005 erreicht.

Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass die Insolvenzzahlen auch in den kommenden Monaten hoch bleiben könnten. Frühindikatoren liefern bislang kaum Hinweise auf eine nachhaltige Verbesserung der Lage.

Auch Prognosen von Kreditversicherern und Wirtschaftsinstituten zeichnen ein ähnliches Bild: Selbst für das Gesamtjahr 2026 wird eher mit einem weiteren Anstieg oder zumindest einem Verharren auf hohem Niveau gerechnet.

Was die Pleitewelle für die Wirtschaft bedeutet

Die steigende Zahl an Insolvenzen ist mehr als nur eine Momentaufnahme – sie gilt als Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung.

  • Arbeitsmarkt: Zwar sind bislang weniger Jobs betroffen als in früheren Krisen, doch bei anhaltendem Trend könnte sich dies ändern.
  • Investitionen: Unternehmen agieren vorsichtiger, Investitionen werden verschoben oder gestrichen.
  • Bankensektor: Höhere Ausfallrisiken könnten die Kreditvergabe weiter erschweren.

Gleichzeitig zeigt die Entwicklung auch eine gewisse Marktbereinigung: Schwache Geschäftsmodelle verschwinden, während robuste Unternehmen langfristig profitieren könnten.

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