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Tops & Flops KW 23/2026: Marvell, Merck, Rheinmetall und Strategy im Fokus

| Thomas Behnke | Lesezeit: 6 Min.

Schriftzug „Tops & Flops“ zur Kennzeichnung der wöchentlichen Übersicht über auffällige Gewinner und Verlierer bei Aktien.
Tops & Flops KW 23/2026: KI-Infrastruktur, Prognoseanhebungen und charttechnische Signale bewegen die Gewinner. Bei Rheinmetall, Hensoldt und Strategy überwiegen Vertrauens- und Kursrisiken.

Tops & Flops KW 23/2026: Marvell profitiert vom KI-Boom, Merck bricht aus, während Rheinmetall, Hensoldt und Strategy unter Druck geraten.

KI-Boom, erhöhte Prognosen und Vertrauensfragen bewegen Einzelwerte

Tops und Flops der Börsenwoche 23/2026 zeigen Kursreaktionen auf konkrete Unternehmens- und Themenimpulse. Bei den Gewinnern stützten der KI-Infrastruktur-Boom, angehobene Jahresziele und charttechnische Signale. Bei den Verlierern verpufften erwartete oder positive Meldungen und der fallende Bitcoin nährt Zweifel am Krypto-Geschäftsmodell.

+++ Tops der Börsenwoche 23/2026 +++

Marvell-Aktie mit Kursexplosion: NVIDIA-Chef sieht Potenzial für 1 Billion US-Dollar Börsenwert

Der derzeit vorherrschende KI-Boom prägte auch in der vergangenen Woche Aktien, die als Profiteure des Auf- und Ausbaus der für Künstliche Intelligenz nötigen Infrastruktur gelten. Heraus ragt dabei das Wochenplus von mehr als 50 Prozent beim NASDAQ-100-Wert Marvell Technology (ISIN: US5738741041). Der Halbleiterkonzern hat nun eine Marktkapitalisierung von mehr als 260 Milliarden US-Dollar erreicht. Das muss aber noch längst nicht das Ende der Fahnenstange sein.

Kein Geringerer als NVIDIA-Chef Jensen Huang hatte sich optimistisch zu dem Unternehmen geäußert, das maßgeschneiderte Chips für die nächste Rechenzentrumsgeneration anbietet. Darunter versteht man speziell entwickelte Halbleiterchips, die exakt auf die Anforderungen moderner Cloud-Infrastrukturen zugeschnitten sind, insbesondere im Hinblick auf KI-, Big-Data- und Hochleistungs-Workloads. Nach Einschätzung von Huang könnte Marvell das nächste Halbleiterunternehmen sein, das eine Marktkapitalisierung von 1 Billion US-Dollar erreicht. Schon seit Längerem wird die Begeisterung der Anleger durch Marvells wachsende Rolle in der KI-Infrastruktur angeheizt, insbesondere durch die Einführung seines Teralynx T100-Netzwerkchips, der für KI-Anwendungen optimiert ist.

Marvell Technology

DAX-Wert Merck bricht aus

Unter den Gewinnern der vergangenen Woche im deutschen Leitindex DAX sticht die Aktie von Merck KGaA (ISIN: DE0006599905) heraus. Neuigkeiten vom Konzern mit den drei Schwerpunkten Healthcare, Life Science und Electronics gab es keine. Während Merck vor allem für seine Bereiche Healthcare (Medikamente) und Life Science (Laborchemikalien, Reagenzien, Filtrations-, Prozess- und Analytiklösungen) bekannt ist und dort auch den Großteil seiner Umsätze erzielt, bedient der Konzern im dritten Geschäftsfeld Electronics mit Spezialchemikalien auch diverse Halbleitermärkte. Hier liefen die Geschäfte zuletzt sehr gut.

Außerdem scheint das anhaltend positive Umfeld für die Halbleitertitel, die in der vergangenen Woche weitere Zuwächse verzeichneten, ein treibender Faktor für die Merck-Aktie gewesen zu sein. Bereits seit dem Korrekturtief im März dieses Jahres zeigt der Kurs ein schönes Aufwärtsmomentum. Dabei wurde nun auch das Zwischenhoch von Januar dieses Jahres bei 131,75 Euro überwunden. Durch diesen Ausbruch könnte der übergeordnete Abwärtstrend gebrochen worden sein. Die Aktie könnte sich damit für weitere charttechnisch motivierte Handelsansätze eignen.

Merck KGaA

Hewlett Packard Enterprise mit starkem Aufwärtsmomentum

Die Aktie des US-Technologiekonzerns Hewlett Packard Enterprise (ISIN: US42824C1099, Symbol: HPE) zeigt seit einiger Zeit ein starkes Aufwärtsmomentum. In der vergangenen Woche nahm die Dynamik noch einmal zu, und der IT-Infrastrukturanbieter gehörte zu den größten Gewinnern im S&P 500. Besonders positiv reagierte die Aktie auf die am Montag nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen. Das Unternehmen hatte die durchschnittlichen Analystenerwartungen übertroffen. Vor allem wurden aber die Prognosen für das Gesamtjahr deutlich angehoben. Bislang wurde ein Ergebnis je Aktie (EPS) von 2,30 bis 2,50 US-Dollar erwartet, nun sollen 3,35 bis 3,45 US-Dollar erreicht werden. Außerdem rechnet das Unternehmen jetzt mit einem Umsatzsprung von 33 Prozent statt der bislang anvisierten 29 Prozent.

Hewlett Packard Enterprise profitiert derzeit von einem positiven Geschäftsumfeld. Das Unternehmen hat sich auf IT-Infrastruktur spezialisiert und legt dabei den Fokus auf hybride Cloud, KI, Netzwerke, Server, Storage, High Performance Computing und IT-Services. HPE adressiert Firmen, öffentliche Auftraggeber, Telekommunikation und Forschung und damit Nutzer, die durch die zunehmende Durchdringung von KI und Digitalisierung ihre IT-Lösungen modernisieren müssen.

Trotz der positiven Kursreaktion in der vergangenen Woche fällt auf, dass das zwischenzeitlich erreichte neue Allzeithoch von 64,25 US-Dollar nicht gehalten werden konnte und deutlichere Gewinnmitnahmen einsetzten.

Hewlett Packard Enterprise

+++ Flops der Börsenwoche 23/2026 +++

Rheinmetall zählt zu den schwächsten DAX-Werten

Im deutschen Leitindex DAX gehörte die Aktie von Rheinmetall (ISIN: DE0007030009) in der Vorwoche zu den schwächsten Titeln und zählt damit im bisherigen Jahresverlauf 2026 weiterhin zu den größten Verlierern unter den Indexmitgliedern. Das Unternehmen hatte zwar gemeldet, einen Vertrag über den Verkauf des größten Teils seiner Kfz-Zuliefersparte an die Industrieholding Aequita unterzeichnet zu haben. Der Verkaufspreis liegt bei 350 Millionen Euro, die Transaktion soll im vierten Quartal abgeschlossen sein. Damit will sich der Konzern vollständig auf das margenstarke Rüstungsgeschäft konzentrieren. An der Börse nahm man diesen Schritt jedoch nur mit Achselzucken zur Kenntnis, weil er bereits seit Längerem erwartet war.

Aus charttechnischer Sicht sieht es nach dem jüngsten Kursrückgang nun danach aus, als habe die Aktie ein weiteres tieferes Hoch im derzeit vorherrschenden Abwärtstrend ausgebildet. Damit könnte bei weiteren Abgaben das bisherige Verlaufstief von Mai bei 1099,20 Euro als nächstes mögliches Ziel in den Fokus rücken. Ein Bruch dieser Marke würde den Abwärtstrend bestätigen.

Rheinmetall

Hensoldt-Aktie fällt nach Prognoseanhebung zurück

Auch der zweitgrößte deutsche Rüstungswert Hensoldt (ISIN: DE000HAG0005) verzeichnete in der vergangenen Woche Verluste und gehörte damit zu den größten Verlierern am deutschen Aktienmarkt. Die zu Wochenbeginn angehobene Prognose für den bereinigten Free Cashflow für das Geschäftsjahr 2026 konnte daran nichts ändern. Der Spezialist für Sensorlösungen für Verteidigungs- und Sicherheitsanwendungen, darunter Radar-, Wärmebild- und Avioniksysteme, erwartet nun, dass rund 50 Prozent des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (EBITDA) als Free Cashflow übrig bleiben. Bislang war das Unternehmen von rund 40 Prozent ausgegangen. Begründet wurde die Anhebung mit höheren Kundenanzahlungen sowie beschleunigten Beschaffungsprozessen in Deutschland. Das helfe dabei, die nötigen Investitionen zu tätigen, um die aktuelle und zukünftige Kundennachfrage zu bedienen. Außerdem bestätigte der Vorstand die übrigen Prognosen.

Aus charttechnischer Sicht ist die Hensoldt-Aktie mit dem jüngsten Kursrückgang unter die Zone von rund 82 bis 85 Euro zurückgefallen, die noch im Mai überwunden werden konnte. Damit sieht es nach einem Fehlausbruch aus, und das Szenario eines Anstiegs bis zum nächsten Hindernis bei 96,70 Euro scheint erst einmal vom Tisch.

Hensoldt

Strategy massiv unter Druck: Bitcoin-Verkäufe und hoher Buchverlust

Der Bitcoin (BTC) hat in der vergangenen Woche kräftig nachgegeben und damit die Korrektur seit dem Zwischenhoch Anfang Mai mit beschleunigtem Tempo fortgesetzt. Das markante Zwischentief von Anfang Februar dieses Jahres bei knapp unter 60.000 US-Dollar ist damit in greifbare Nähe gerückt. Angesichts der jüngsten Talfahrt hat auch das Bitcoin-Vehikel Strategy (ISIN: US5949724083, Symbol: MSTR) deutliche Kursverluste verzeichnet und gehörte in der vergangenen Woche zu den schwächsten Werten aus dem NASDAQ-100.

Der Bitcoin-Befürworter und Vorstandsvorsitzende Michael Saylor führte den jüngsten Kursrückgang der Kryptowährung auf eine Verlagerung von Anlegerkapital in den Bereich der künstlichen Intelligenz zurück und nicht auf eine Verschlechterung der langfristigen Fundamentaldaten des Bitcoin.

So plausibel diese Erklärung auch scheint, dürfte die jüngste Schwäche auch weitere Gründe haben. Vor Kurzem wurde bekannt, dass Strategy allen früheren Beteuerungen zum Trotz den ersten Bitcoin-Verkauf seit Jahren durchführte. In der Meldung vom 1. Juni teilte das Unternehmen demnach mit, zwischen dem 26. und 31. Mai 32 BTC zu einem Durchschnittspreis von 77.135 US-Dollar pro Coin verkauft zu haben, wodurch ein Nettoerlös von rund 2,5 Millionen US-Dollar erzielt wurde. Dieser soll zur Finanzierung der Dividendenzahlungen auf Vorzugsaktien dienen. Auch wenn die Zahl der verkauften Bitcoin marginal ist und Strategy mit rund 843.706 Bitcoin der größte Unternehmenshalter der Kryptowährung bleibt, nagt der Verkauf am Vertrauen. Daran ändert auch nichts, dass Saylor die langfristige Bitcoin-Strategie des Unternehmens bekräftigte.

Vielmehr ist der jüngste Verkauf Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die das Geschäftsmodell infrage stellen. Hintergrund ist, dass die aktuelle Bitcoin-Position von Strategy angesichts des Kursverfalls einen nicht realisierten Buchverlust von über 10 Milliarden US-Dollar aufweist. Das ist so lange kein Problem, wie Strategy die flüssigen Mittel hat, um seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen. 

Wenn Strategy wegen Dividenden-, Zins- oder sonstiger Zahlungsverpflichtungen aber weitere BTC verkaufen müsste und zugleich die Kapitalaufnahme über die Ausgabe neuer Aktien erschwert wäre, könnte dies zusätzlichen Druck auf Aktie und Bitcoin-Narrativ ausüben. Ein weiterer Rückgang des Bitcoin könnte daher zu einem ernsthaften Problem für Strategy werden.

Strategy

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