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SaaSpocalypse abgesagt: Jetzt auf Softwareaktien setzen?

| Thomas Behnke | Lesezeit: 6 Min.

Eine Hand hält ein Smartphone, auf dessen dunklem Display der Begriff SaaSpocalypse und ein fallender pinker Kurschart zu sehen sind.
Smartphone-Display mit dem Schriftzug SaaSpocalypse und einem fallenden Kurschart. Der Softwaresektor geriet in den vergangenen Monaten unter massiven Abgabedruck, zeigte zuletzt aber eine kräftige Erholung. (Foto: Shutterstock)

Softwareaktien erholen sich kräftig: Was hinter dem Comeback steckt, warum die SaaSpocalypse für viele Plattformen ausbleibt und welcher ETF den Sektor am reinsten abbildet.

Irgendwann im vergangenen Jahr beschloss die Börse, dass die Softwarebranche so gut wie erledigt ist. Ein effektvoller Begriff brachte die Stimmung auf den Punkt: SaaSpocalypse. Hintergrund war die Befürchtung, dass KI-Modelle klassische Softwareabonnements überflüssig machen und damit ein ganzes Geschäftsmodell ins Wanken bringen könnten. Das trieb die Kurse kräftig nach unten. Branchenriesen wie Microsoft, Oracle, Salesforce oder die deutsche SAP wurden abgestraft, manche Titel verloren mehr als die Hälfte ihres Börsenwertes. Inzwischen gibt es jedoch deutliche Erholungsbewegungen. Der Markt scheint nun auch stärker die andere Seite der Geschichte zu sehen: KI ist eine Bedrohung, ja. Aber eben nicht das Ende der Softwarebranche, sondern auch eine Chance, im angebrochenen KI-Zeitalter zu überleben.

Vom Ausverkauf zur Erholung: Wie stark einzelne Titel zugelegt haben

Die Dynamik der Erholung bei einzelnen Aktien aus dem Sektor spricht für sich. Heraus stechen dabei der Cloud-Monitoring-Spezialist Datadog, die Cloud-Datenplattform Snowflake und der Sicherheitssoftwareanbieter CrowdStrike, die seit ihren Tiefs im Februar um mehr als 180, 140 und 130 Prozent in die Höhe geschossen sind und sogar bereits neue Rekorde erreichen. Oracle hat sich von seinem Verlaufstief um mehr als 80 Prozent erholt. Microsoft und Salesforce jeweils knapp 30 Prozent. SAP, als europäischer Vertreter im ansonsten amerikanisch dominierten Sektor, kletterte seit dem Korrekturtief im Mai um rund 24 Prozent.

Angesichts dieser Zuwächse scheint die Erholung im Softwaresektor mehr als eine zaghafte Gegenbewegung und zeugt vielmehr von einer in Teilen schon beachtlichen Dynamik. Das spiegelt sich auch im iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) wider, dem größten ETF für die Branche. Vom Allzeithoch im September 2025 hatte der ETF bis zum Korrekturtief im April dieses Jahres zwischenzeitlich knapp über 37 Prozent verloren. Seitdem hat er rund 45 Prozent zugelegt und damit einen Großteil der Abwärtsbewegung wieder aufgeholt.

Darum wurde die Softwarebranche so hart abgestraft

Dass der Markt den Softwaresektor abstrafte, hatte plausible Gründe, auch wenn das Ausmaß der Befürchtungen womöglich übertrieben war. KI-Programmiertools haben die Eintrittsbarrieren in der Softwareentwicklung dramatisch gesenkt. Was früher einen erheblichen Zeit- und Kostenaufwand erforderte, lässt sich heute mit den richtigen Prompts in Claude, ChatGPT, Grok oder Gemini in einem Bruchteil der Zeit erledigen. Das stellt die strukturellen Schutzwälle der etablierten Anbieter infrage: Wenn neue Wettbewerber komplexe Software schneller und günstiger entwickeln können, und wenn KI-Agenten künftig sogar beim Wechsel von einem System zum anderen helfen, verliert der klassische Burggraben hoher Wechselkosten seine Relevanz. Das trübte die Wachstumserwartungen und führte zu entsprechenden Bewertungsanpassungen.

Doch der Markt hatte dabei eine Seite der Medaille übersehen. Dieselben Effizienzvorteile, die neue Wettbewerber begünstigen, stehen auch den etablierten Anbietern selbst zur Verfügung. Und vor allem: Proprietäre Datensätze, gewachsene Integrationen und tiefe Netzwerkeffekte lassen sich nicht einfach replizieren. Microsoft ist ein gutes Beispiel dafür. Unternehmen nutzen Office und Windows nicht nur aus Gewohnheit, sondern weil die gesamte Belegschaft damit vertraut ist und weil die Systeme tief in die eigene Infrastruktur eingewachsen sind. Noch ausgeprägter gilt das für ERP-Systeme, also jene Unternehmenssoftware, die Buchhaltung, Einkauf, Produktion und Personalwesen auf einer gemeinsamen Datenbasis zusammenführt. Wer solch essenzielle Nervensysteme einmal eingeführt hat, tauscht sie nicht leichtfertig aus.

Quartalszahlen befeuern die neue Zuversicht im Sektor

Die Erholung im Softwaresektor in den vergangenen Wochen scheint daher für ein Umdenken zu sprechen. Die simple Erkenntnis, die dabei gereift zu sein scheint: KI macht Softwareunternehmen nicht überflüssig, sondern verändert ihre Rolle. Das ist zweifelsohne mit Herausforderungen verbunden, die nicht jeder Anbieter gleich gut bewältigen wird. Für das Gros der etablierten Plattformen aber scheinen sie beherrschbar. Unterfüttert wurde die neue Zuversicht auch von einigen Quartalsergebnissen.

Snowflake meldete, dass seine Zahl der KI-Konten in einem einzigen Quartal von 9.100 auf 13.600 gestiegen ist. Oracle übertraf die Erwartungen mit einem Cloud-Infrastrukturwachstum von 84 Prozent und einem Auftragsbestand von inzwischen rund 553 Milliarden US-Dollar, befeuert durch KI-Deals unter anderem mit Meta und NVIDIA. Datadog steigerte seine Ergebnisse kräftig, übertraf die Markterwartungen und hob den Jahresausblick deutlich an. Und CrowdStrike profitiert davon, dass Sicherheitsbudgets zu den letzten Positionen gehören, bei denen Finanzvorstände den Rotstift ansetzen, während KI die Zahl und Raffinesse der Angriffe gleichzeitig erhöht.

Was sich in diesen Zahlen zeigt: Wer als Softwareanbieter im Zentrum von KI-Workflows steht, wird nicht verdrängt. Er wird gebraucht. Die Befürchtungen einer sogenannten SaaSpocalypse, also eines schleichenden Aussterbens klassischer Softwareabonnements durch KI, erweisen sich zumindest für die stärksten Plattformen als übertrieben. Der Markt beginnt, das einzupreisen.

IGV: Der einzige Pure-play-ETF mit einer Tücke für deutsche Anleger

Wer auf den Softwaresektor setzen will, kann das mit Einzelwerten tun. Eine weitere Möglichkeit bieten ETFs. Der mit Abstand größte ist der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF (IGV) von BlackRock, der bereits 2001 aufgelegt wurde und aktuell rund 18 Milliarden US-Dollar an Vermögen verwaltet. Der ETF bildet den S&P North American Expanded Technology Software Index nach, der Unternehmen aus der nordamerikanischen Softwarebranche sowie ausgewählte Titel aus den Bereichen interaktive Unterhaltung und digitale Medien umfasst. Insgesamt enthält er derzeit 111 Einzelpositionen, gewichtet nach modifizierter Marktkapitalisierung mit Positionsobergrenzen. Die fünf größten Aktien sind aktuell Oracle mit 10,4 Prozent, Microsoft mit 7,7 Prozent, Palo Alto Networks mit 7,6 Prozent, Palantir mit 7,2 Prozent und CrowdStrike mit 6,3 Prozent.

Für deutsche Anleger gibt es jedoch einen Haken: Den IGV können sie nicht direkt erwerben, da er als US-amerikanisches Produkt nicht den europäischen UCITS-Anforderungen entspricht. Als Alternativen kämen der iShares S&P 500 Information Technology Sector UCITS ETF sowie der First Trust Cloud Computing ETF in Frage, wobei letzterer neben Cloud-Infrastruktur auch eine Reihe von Softwarewerten enthält, darunter neben US-Werten auch internationale Vertreter wie den deutschen ERP-Anbieter SAP oder den kanadischen E-Commerce-Spezialisten Shopify. Der entscheidende Unterschied zum IGV: Beide Produkte sind breiter gefasst und enthalten neben Softwareunternehmen auch Titel aus anderen Bereichen wie Halbleiter oder Cloud-Hardware. Einen reinen Software-ETF nach dem Vorbild des IGV gibt es für den deutschen Markt schlicht nicht.

Erfahrene Anleger, die auf ein fokussiertes Investment im Softwaresektor setzen und sich damit den IGV ins Depot holen möchten, haben allerdings diese indirekte Möglichkeit: Sie können sich über den Verkauf von Put-Optionen auf den ETF, sogenannte Short Puts, den IGV zu einem vorab festgelegten Preis andienen lassen.

SaaSvival statt SaaSpocalypse: Überlebt die Softwarebranche das KI-Zeitalter?

Ob die Erholung im Softwaresektor nachhaltig ist oder nur eine Gegenbewegung in einem übergeordneten Abwärtstrend, lässt sich heute nicht mit Gewissheit sagen. Die Risiken sind real: KI verändert die Spielregeln, und nicht jeder Anbieter wird diese Transformation gleich gut meistern. Doch der Markt scheint zumindest bereit, die andere Seite der Geschichte, also die Chancen zu sehen, die das Voranschreiten der KI auch für die Softwarebranche bieten kann. Die Erholungsbewegung in den vergangenen Wochen könnte damit ein Indiz dafür sein, dass die befürchtete SaaSpocalypse auf breiter Front ausbleibt. Was sich stattdessen abzeichnet, verdient einen eigenen Begriff: SaaSvival, das Überleben der Softwarebranche im KI-Zeitalter.

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