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Bitcoin 2030: Wie hoch kann der Kurs wirklich steigen?

| Louis Blümlein

Zeichen für Akzeptanz von Bitcoin als Zahlungsmittel.
Wird Bitcoin noch breiter als Zahlungsmittel akzeptiert, könnte der Kurs deutlich steigen. (Foto: picture alliance / Sipa USA | Nexpher Images)

Während einige Modelle bis 2030 kaum mehr als eine Verdopplung erwarten, reichen andere Prognosen bis weit über eine Million US-Dollar.

WisdomTree gibt sich bei langfristigen Bitcoin-Prognosen traditionell eher zurückhaltend. Im schwächsten Szenario landet die Kryptowährung 2030 bei lediglich 120.000 US-Dollar. Gemessen daran, dass Bitcoin (BTC) bereits im Oktober 2025 zeitweise über 126.000 US-Dollar gehandelt wurde, wäre das über mehrere Jahre betrachtet eine Seitwärtsbewegung.

Deutlich mehr traut der Vermögensverwalter BTC im Basisszenario zu. WisdomTree verbindet die Kursentwicklung von Bitcoin dabei mit der wachsenden weltweiten Geldmenge und der Nachfrage nach knappen Vermögenswerten. Bis 2030 könnte die globale Geldmenge den Finanzexperetn zufolge auf rund 230 Billionen US-Dollar steigen. Ein Teil davon würde wohl in Gold und Bitcoin fließen. Für einen Bitcoin kommt WisdomTree damit auf den möglichen Wert von rund 250.000 US-Dollar. Dafür müsste die Marktkapitalisierung auf etwa 5 Billionen US-Dollar wachsen.

Noch eine Stufe höher setzt Standard Chartered an. Die Bank hält langfristig 500.000 US-Dollar für möglich und sieht die wichtigsten Treiber in institutionellen Anlegern, die immer öfter auch auf Bitcoin setzen und dem erleichterte Zugang für alle Anleger über Spot ETFs. ETF-Zuflüsse funktionieren aber in beide Richtungen. Im Juni 2026 flossen innerhalb nur einer Woche mehr als 2 Milliarden US-Dollar aus Bitcoin-ETFs ab, während BTC zeitweise unter 60.000 US-Dollar rutschte. Auch Standard Chartered selbst musste die eigenen Erwartungen bereits mehrfach zurückschrauben. Analyst Geoff Kendrick senkte sein Jahresendziel zuletzt auf 100.000 US-Dollar. Zuvor hatte er eine Prognose von 300.000 auf 150.000 US-Dollar halbiert. Das zeigt ziemlich gut, wie schnell selbst langfristig gedachte Bitcoin Modelle von der Realität eingeholt werden können.

Für eine Million müsste deutlich mehr passieren

Noch offensiver geht ARK Invest an die Sache heran. Chefin Cathie Wood arbeitet mit mehreren Szenarien und geht davon aus, dass Bitcoin immer stärker in Bereiche vordringt, die bisher von klassischen Anlageformen dominiert werden. Im schwächeren Szenario landet ARK bei rund 300.000 US-Dollar. Im Basisszenario sind es bereits etwa 710.000 US-Dollar. Dafür müsste Bitcoin institutionelles Kapital anziehen, stärker in Unternehmensbilanzen auftauchen und gleichzeitig einen Teil des Kapitals übernehmen, das bisher beispielsweise in Gold liegt. Ganz oben steht das bullische Szenario mit 1,5 Millionen US-Dollar je Bitcoin. Bei diesem Kurs läge die gesamte Marktkapitalisierung bei rund 30 Billionen US-Dollar. Das wäre dann nicht mehr nur eine Fortsetzung der bisherigen Bitcoin Zyklen. Bitcoin müsste sich dafür zu einem der wichtigsten Vermögenswerte weltweit entwickeln und einen deutlich größeren Platz im globalen Finanzsystem einnehmen.

Dagegen spricht, dass sogenannte Stablecoins gerade in Schwellenländern immer häufiger die Rolle eines digitalen Dollar-Ersatzes übernehmen und damit teilweise eine Funktion, die früher stärker Bitcoin zugeschrieben wurde. Extrem hohen BTC-Prognosen steht das eher konträr gegenüber. 

Dorsey und Armstrong setzen auf die Million

Twitter-Mitgründer und Square-CEO Jack Dorsey sowie Coinbase-Chef Brian Armstrong halten einen Bitcoin-Preis von mehr als einer Million US-Dollar bis zum Ende des Jahrzehnts jedoch ebenfalls für möglich. Ihre Argumentation sieht allerdings anders aus als bei ARK. Dorsey setzt vor allem auf das Netzwerk selbst. Je mehr Nutzer, Entwickler und Unternehmen Bitcoin verwenden, desto wertvoller könnte die Infrastruktur werden. Netzwerkeffekte und die dezentrale Struktur stehen für ihn im Mittelpunkt. Armstrong schaut stärker auf die politische und institutionelle Entwicklung. Mehr regulatorische Klarheit, staatliche Bitcoin Reserven und eine wachsende Nachfrage professioneller Anleger könnten seiner Ansicht nach dafür sorgen, dass Bitcoin langfristig ganz andere Größenordnungen erreicht. Bei beiden Prognosen gilt es zu berücksichtigen, dass sowohl Coinbase als auch Block direkt von einer wachsenden Bitcoin Nutzung profitieren würden.

Am Ende führt deshalb fast jede dieser Prognosen zur gleichen Frage. Wo soll das zusätzliche Kapital herkommen?

Für einen Kurs von 250.000 US-Dollar müsste Bitcoin bereits deutlich mehr Kapital anlocken. Bei 500.000 US-Dollar reden wir über eine Marktkapitalisierung von ungefähr 10 Billionen US-Dollar. Oberhalb einer Million US-Dollar wären Größenordnungen nötig, die Bitcoin endgültig in eine Liga mit den größten Vermögensklassen der Welt bringen würden.

Fazit

Zwischen 120.000 und 1,5 Millionen US-Dollar liegt bei den Bitcoin-Prognosen für 2030 praktisch alles auf dem Tisch. Die Zahlen wirken spektakulär, interessanter sind aber die Annahmen dahinter. Bei 250.000 US-Dollar reicht schon ein deutlich größerer Anteil am weltweiten Anlagevermögen. Für 500.000 US-Dollar müsste institutionelles Kapital über Jahre weiter zufließen. Eine Million US-Dollar oder mehr würde dagegen voraussetzen, dass Bitcoin deutlich stärker in Staatsreserven, Unternehmensbilanzen und große Anlageportfolios einzieht. Ob das bis 2030 passiert, lässt sich heute kaum seriös vorhersagen. Die enorme Spanne zwischen den einzelnen Prognosen zeigt aber ziemlich deutlich, wie unterschiedlich selbst große Marktteilnehmer die künftige Rolle von Bitcoin einschätzen.

 

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