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Krypto > 100.000 US-Dollar in Reichweite?

Bitcoin-Rallye überrascht den Markt

| Louis Blümlein

Bitcoin-Münzen.
Fundamental gibt es noch immer Gegenwind, doch der Bitcoin-Kurs steigt wieder. (Foto: tungtaechit / Shutterstock)

Trotz Zinserhöhung der Fed und dem Rückschlag beim CLARITY Act klettert Bitcoin über den Widerstand bei 82.000 US-Dollar und springt zeitweise noch höher.

Die Ausgangslage legte keine Rally nahe. Die US-Notenbank hatte den Leitzins kürzlich um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben und gleichzeitig signalisiert, dass in diesem Jahr noch ein weiterer Schritt folgen könnte. Dazu kam der Rückschlag beim CLARITY Act. Das Gesetz sollte einen klareren regulatorischen Rahmen für Kryptowährungen schaffen, schaffte im US-Senat aber nicht die nötige Hürde. Entsprechend groß war die Sorge, dass Bitcoin noch einmal stärker unter Druck geraten könnte.

Passiert ist das Gegenteil. Bitcoin hielt sich nach den Meldungen überraschend stabil und schob sich zunächst wieder über 80.000 US-Dollar. Anfang der Woche kam dann deutlich mehr Tempo rein. Als auch die Zone um 82.000 US-Dollar fiel, gerieten viele Short-Positionen unter Druck. Innerhalb nur einer Stunde wurden am Kryptomarkt mehr als 400 Millionen US-Dollar an gehebelten Positionen liquidiert. Rund 96 Prozent davon entfielen auf Shorts. Über 24 Stunden kamen rund 800 Millionen US-Dollar an liquidierten Short-Positionen zusammen. Wer auf fallende Kurse setzt und ausgestoppt wird, muss seine Position zurückkaufen. Dadurch kommt zusätzliche Nachfrage in den Markt und der Anstieg kann sich kurzfristig noch einmal deutlich beschleunigen.

Diese Faktoren geben der Rallye weiteren Schub

Der Short Squeeze hat Bitcoin angeschoben, war aber nicht der einzige Grund für die Rally. Auch an den Aktienmärkten ging es nach den vorherigen Verlusten wieder nach oben. Tech-Werte konnten sich erholen und so erhöhte sich auch bei Bitcoin die Kaufbereitschaft.  Etwas Entlastung kam zudem vom Ölmarkt. Die Preise liegen zwar weiterhin auf einem hohen Niveau, Brent handelt noch immer bei rund 100 US-Dollar je Barrel. Von den vorherigen Hochs ist Öl aber wieder ein Stück zurückgekommen. Berichten zufolge soll der Iran daran interessiert sein, die Straße von Hormus wieder zu öffnen. Im Umfeld der UN Generalversammlung stehen mögliche Gespräche zwischen Washington und Teheran im Raum. Das ist für den Ölmarkt relevant, weil ein großer Teil des weltweiten Öl und LNG Handels durch die Straße von Hormus läuft. Schon die Aussicht darauf, dass wieder mehr Schiffe passieren können und sich die Lage nicht weiter zuspitzt, hat einen Teil des vorherigen Risikoaufschlags aus dem Ölpreis genommen.

Bitcoin hilft das ebenfalls. Bleibt Öl unter den jüngsten Spitzen, lässt der Druck auf die Inflation etwas nach - und damit auch der auf die Notenbanken, die Zinsen zu erhöhen. Dazu kamen zuletzt wieder Zuflüsse in die US Bitcoin ETFs. Innerhalb von zwei Handelstagen flossen knapp 600 Millionen US Dollar in die Produkte. Neben den liquidierten Shorts kam also auch wieder neue Nachfrage über den Spot Markt rein.

Hier zeigt sich, wie belastbar der Ausbruch wirklich ist

Mit dem Sprung über 82.000 US-Dollar hat Bitcoin eine Marke aus dem Weg geräumt, an der der Kurs zuvor mehrfach hängen geblieben war. Im Mai war dort Schluss, Anfang September kamen ebenfalls wieder Verkäufer rein. Diesmal lief die Bewegung deutlich sauberer. Bitcoin zog mit viel Schwung durch den Bereich und stand kurze Zeit später schon bei mehr als 86.000 US-Dollar.

CryptoQuant hatte die Zone um 81.700 US-Dollar bereits vor dem Ausbruch als wichtige Hürde auf dem Zettel. Darüber nannten die Analysten weitere Marken bei 83.600 und 88.700 US-Dollar. Die ersten beiden Bereiche sind inzwischen gefallen, womit sich der Kurs langsam an die nächste Zone knapp unter 89.000 US-Dollar heranschiebt.

Nicolai Sondergaard von Nansen schaut weniger auf einzelne Kursmarken und mehr darauf, ob hinter der Bewegung auch genügend echte Nachfrage steckt. Der Short Squeeze hat den Anstieg ordentlich beschleunigt, auf Dauer braucht es aber weitere Käufe am Spot Markt und anhaltende Zuflüsse in die Bitcoin ETFs. Zuletzt sah es dort wieder besser aus.

Auch Jasper De Maere von Wintermute kann sich einen Lauf in Richtung 90.000 US-Dollar vorstellen. Er verweist unter anderem darauf, dass Bitcoin den gleitenden 50 Wochen Durchschnitt zurückerobert hat. Für einen direkten Durchmarsch bis zum alten Rekord fehlt ihm bislang aber noch die Bestätigung.

Nach dem schnellen Anstieg kann der Kurs trotzdem noch einmal zurückkommen. Rund um 82.000 US-Dollar würde sich dann zeigen, ob aus dem alten Widerstand tatsächlich eine neue Unterstützung geworden ist. Kommen dort wieder Käufer rein, wäre der Ausbruch weiter intakt. Bricht die Zone weg, liegt mit dem Point of Control bei rund 78.500 US-Dollar die nächste größere Unterstützung darunter.

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