Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Krypto > Kurs zeigt sich robust

Springt Bitcoin jetzt über 100.000 US-Dollar?

| Louis Blümlein

Nahaufnahme von einem symbolischen Bitcoin auf der Tastatur eines Laptops.
Bitcoin kommt bislang stabil durch den Herbst. (Foto: Picture Alliance / CHROMORANGE / Udo Herrmann)

Der starke Dollar und hohe US-Renditen bremsen, einige Analysten schauen schon auf 100.000 US-Dollar und mehr.

Beim Blick auf die vergangenen Monate fällt auf, wie eng Bitcoin derzeit am US-Dollar hängt. Wird der Dollar stärker, tut sich der Bitcoin-Kurs häufig schwerer, während schwächere Dollar-Phasen dem Kryptomarkt meist wieder mehr Luft verschaffen. Die Korrelation läuft entsprechend klar in entgegengesetzte Richtung und zeigt damit auch, wie stark Makrothemen den Kurs momentan mitbestimmen.

Der Dollar hat zuletzt an Stärke gewonnen. US-Staatsanleihen werfen hohe Renditen ab, der Ölpreis hält den Inflationsdruck oben und die Fed kann bei den Zinsen kaum lockerer agieren. Dazu kommt die geopolitische Unsicherheit, durch die immer wieder zusätzliches Kapital in den Dollar fließt. Zu Wochenbeginn gab die US-Währung zwar etwas nach, die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen lag aber weiterhin bei über fünf Prozent. 

Für Bitcoin bleibt das eine ziemlich zähe Mischung, zumal sich dieselben Themen auch am Aktienmarkt bemerkbar machen. Der Kurs hat den starken Lauf der vergangenen Monate trotzdem nicht komplett wieder abgegeben und hält sich aktuell um 83.000 Dollar. Damit ist weiterhin Nachfrage vorhanden, selbst wenn das Umfeld keinen großen Rückenwind liefert.

Viel hängt jetzt daran, wie sich Inflation, Arbeitsmarkt und Wachstum in den USA entwickeln. Die Fed schaut bei ihrem weiteren Zinskurs stark auf diese Daten, und jede neue Verschiebung bei den Erwartungen schlägt schnell auf Renditen und Dollar durch. Kommt dort in den kommenden Wochen etwas Ruhe rein, würde damit auch einer der größeren Bremsfaktoren für Bitcoin schwächer werden.

Der „Uptober“ ist noch nicht abgeschrieben

Der Oktober hat sich bei Bitcoin über die Jahre einen ziemlich guten Ruf erarbeitet. Seit 2013 endeten zehn der 13 Oktober im Plus, die durchschnittliche Rendite lag bei rund 19 Prozent. Daher kommt auch der Begriff „Uptober“, der inzwischen jedes Jahr wieder durch die Krypto-Community geht. Die Gewinne verteilen sich dabei nicht immer gleichmäßig über den Monat, weshalb ein Rücksetzer zwischendurch noch wenig darüber aussagt, wo Bitcoin Ende Oktober tatsächlich stehen wird. Nach dem starken Lauf der vergangenen Monate waren Gewinnmitnahmen ohnehin nicht überraschend, dazu kamen der starke Dollar, hohe US-Renditen und zuletzt etwas schwächere ETF-Zuflüsse. 

Das Krypto-Handelshaus QCP Capital rechnet für das vierte Quartal deshalb zunächst eher damit, dass Bitcoin zwischen 80.000 und 90.000 US-Dollar festhängt. Rund um 80.000 bis 82.000 US-Dollar sieht QCP eher wieder Kaufchancen, während zwischen 88.000 und 90.000 US-Dollar mehr Verkaufsdruck auftreten könnte, solange über die ETFs nicht wieder deutlich mehr Kapital in den Markt kommt.

Außerdem rücken die die US-Zwischenwahlen am 3. November näher. An der Börse waren die Monate nach den Midterms historisch häufig stark, wobei weniger die Erfolge einer konkreten Partei eine Rolle spielten als die Tatsache, dass nach der Wahl ein Teil der politischen Unsicherheit wegfällt. Beim S&P 500 lagen die Renditen in den zwölf Monaten danach im historischen Schnitt deutlich im Plus. Auf Bitcoin lässt sich das wegen der kürzeren Historie zwar nicht direkt übertragen, für die allgemeine Risikobereitschaft am Markt kann das aber trotzdem eine Rolle spielen.

Damit ist der „Uptober“ noch längst nicht vom Tisch. Wenn wieder mehr Geld über die ETFs in den Markt fließt und bei Dollar und Renditen etwas Druck rauskommt, kann aus der aktuellen Korrektur relativ schnell wieder ein neuer Anlauf nach oben werden.

Die 100.000 US-Dollar sind noch nicht vom Tisch

Trotz der jüngsten Korrektur hält sich Bitcoin weiter oberhalb von 80.000 US-Dollar und damit klar über den Tiefs aus dem Sommer. Nach dem starken Anstieg ist das erstmal ein gutes Zeichen, weil der Rücksetzer bisher nicht in einen größeren Abverkauf übergegangen ist und der Markt den zusätzlichen Druck durch Dollar und Renditen bislang recht ordentlich wegsteckt.

Auch bei den Prognosen wird inzwischen wieder höher angesetzt. Citi sieht Bitcoin auf Sicht von zwölf Monaten bei 113.000 US-Dollar, während Bitwise in einem Modell auf Basis der globalen Liquidität sogar auf einen möglichen Gleichgewichtspreis von rund 197.000 US-Dollar kommt. Das ist kein Ziel für die nächsten Wochen, zeigt aber, welche Größenordnungen bei einem wieder lockereren Finanzumfeld möglich wären. 

VanEck hat die Schwäche im Sommer ebenfalls genutzt und die eigene Bitcoin-Position ausgebaut. Damit ergibt sich bei mehreren größeren Häusern ein ähnliches Bild. Die aktuelle Korrektur wird bislang eher als Teil der Erholung vom Sommertief gesehen und nicht als Beginn eines neuen größeren Abwärtstrends.

Dass Bitcoin trotz starkem Dollar, hohen Renditen und teurem Öl weiter über 80.000 US-Dollar notiert, passt zumindest dazu. Entspannt sich das Makroumfeld in den kommenden Monaten, wären auch die sechsstelligen Kursziele wieder wesentlich leichter vorstellbar. Bis dahin sollte allerdings auch weiterer Abgabedruck einkalkuliert werden, gerade im Vorfeld der US-Zwischenwahlen Anfang November.

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Ähnliche Artikel