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Ella Rocrita auf Kreta: Wenn All-inclusive nach Luxus schmeckt

| Carsten K. Rath

Blick auf das Ella Rocrita.
Vom Clubhotel zum Lifestyle-Resort: Nach umfassendem Umbau präsentiert sich das Ella Rocrita mit 358 Zimmern und Suiten. (Foto: Ella Resorts)

Vom Clubhotel zum Luxus-Lifestyle-Resort: Nach umfassendem Umbau präsentiert sich das Ella Rocrita mit 358 Zimmern und Suiten in exklusivem Gewand.

Ich sitze auf meiner Terrasse an der Nordostküste Kretas. Vor mir beginnt praktisch mein Pool, den ich mir mit gerade einmal drei anderen Zimmern teile. Dahinter Olivenbäume, viel Grün und am Abend der Sonnenuntergang. Hochsaison, rund 400 Euro pro Nacht, All-inclusive. Und zwar eines, bei dem ich auch bei Wein, Cocktails und Essen nicht ständig über Aufpreise nachdenken muss.

Da stellt sich mir als ehemaligen Hotelier zwangsläufig eine Frage: Wie kann sich das rechnen?

Aus Aldiana wird „Slow Glamour“

Das „Ella Rocrita“ ist kein Neubau. Hier stand früher der Aldiana Club Kreta. Nach umfassendem Umbau eröffnete im Frühjahr 2026 ein Fünf-Sterne-Lifestyle-Resort mit 358 Zimmern und Suiten. Viele davon besitzen direkten Poolzugang. Das Ergebnis hat mit klassischem Cluburlaub erstaunlich wenig zu tun.

Hinter dem Haus steht „Ella Resorts“, eine noch junge griechische Hotelplattform im Besitz des amerikanischen Private-Equity-Investors H.I.G. Capital. Gleichzeitig wird das Rocrita unter der DERTOUR-Lifestylemarke „ananea“ vermarktet. Deren Versprechen heißt „Slow Glamour“.

Was kompliziert klingt, erzählt eine interessante Geschichte über die moderne Ferienhotellerie: Eine bestehende Resortimmobilie wird grundlegend neu positioniert, ein Investor stellt das Kapital bereit, eine Hotelplattform betreibt sie und eine internationale Reisemarke bringt zusätzliche Vertriebskraft.

All-inclusive, das mich überrascht

Entscheidend bleibt für mich allerdings, was beim Gast ankommt. Und da überrascht mich das „Rocrita“. Das gastronomische Angebot reicht vom griechischen Restaurant über italienische Küche und Street Food bis zum Fusion-Restaurant Carūma. Dort wird mir ungefragt eine derart üppige Auswahl an Vorspeisen auf den Tisch gestellt, dass ich eigentlich schon drei Gänge gegessen habe, bevor der Abend richtig beginnt. Typischer Fall von „Overcatering“ - aber im positiven Sinne.

Noch bemerkenswerter finde ich die Getränkekarte. Gute Weine, Cocktails und Longdrinks gehören zum All-inclusive. Wer darüber hinaus etwas Besonderes möchte, zahlt einen fairen Aufpreis. Für eine Flasche Minuty-Rosé sind es bei mir 15 Euro. Das ist clever kalkulierter Luxus: Der Gast kennt seinen Reisepreis, bekommt eine erstaunlich hohe Grundqualität und darf trotzdem nach oben ausscheren.

358 Zimmer – und trotzdem Persönlichkeit

General Manager Vassilis Andreopoulos hat dabei eine anspruchsvolle Aufgabe. 358 Zimmer, viele davon Suiten, bedeuten Volumen. Familien, Pools, Restaurants und Sportangebote müssen jeden Tag funktionieren. Gleichzeitig soll sich das Haus gerade nicht wie eine Ferienfabrik anfühlen.

Bei meinem Aufenthalt gelingt das erstaunlich gut. Die Anlage wirkt durch viel Grün, Olivenbäume und unterschiedliche Wohnbereiche kleinteiliger, als ihre Zimmerzahl vermuten lässt. Mein eigener Poolzugang verstärkt dieses Gefühl noch.

Auch sportlich gefällt mir das Haus. Der Tennisplatz ist bestens gepflegt, die Sunball-Tennisschule bietet professionelles Training. Dazu kommen Padel und ein Ninja-Court, ein Hindernisparcours zum Klettern, Balancieren und Austoben. Überhaupt gefällt mir das Familienkonzept: Die Kinder haben reichlich Programm – und die Eltern damit die Chance, zwischendurch tatsächlich Urlaub zu machen.

Wenn aus einer Immobilie ein neues Produkt wird

Das „Rocrita“ gehört als International Luxury Partner Hotel zum Netzwerk der „101 Besten“. Gerade deshalb interessiert mich, wie sich ein Haus dieser Größe nach einer kompletten Neupositionierung entwickelt. Denn bei unseren „101 Besten“ erlebe ich immer wieder: Entscheidend ist selten, wie viel Geld in ein Hotel investiert wird. Spannender ist, ob daraus ein Haus mit eigener Identität entsteht.

Genau deshalb finde ich das“Ella Rocrita“ interessant. H.I.G. und „Ella Resorts“ haben keinen unberührten Küstenabschnitt mit einem weiteren Neubau besetzt. Sie haben eine bestehende Ferienimmobilie genommen und daraus ein anderes Produkt entwickelt.

Der frühere Aldiana ist noch Teil der Geschichte – sogar einige Gäste kennen die Anlage aus dieser Zeit. Doch das Konzept hat sich verändert.  

Am Abend sitze ich wieder auf meiner Terrasse. Vor mir der Pool, dahinter die kretische Landschaft. Und ich denke an meine Ausgangsfrage. Wie viel Luxus passen in 400 Euro? Im Rocrita erstaunlich viel.

Über den Autor: Als früherer Grandhotelier und Betreiber des relevantesten Hotelrankings im deutschsprachigen Raum https://die-101-besten.com/ sowie des ersten Hotelgütesiegels Fine Hotels ntv https://fine-hotels.de ist Carsten K. Rath Globetrotter von Berufs wegen. Sämtliche Hotels, über die er für „BÖRSE am Sonntag“ schreibt, bereist er auf eigene Rechnung.

Rath ist zudem Autor des Buchs „Iconic Hotels of the World“.

Bestellen Sie das Buch „Iconic Hotels of the World“ gerne online unter: https://www.amazon.de/Iconic-Hotels-Hotellerie-Spitzenklasse

PODCAST – „Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101“ von Carsten K. Rath, der bei den besten und spannendsten Gästen und herausragendsten Hoteliers hinter die Kulissen blickt.

APPLE: https://podcasts.apple.com/us/podcast/minibar-gest%C3%A4ndnisse-aus-zimmer-101/id1850713158

Spotify: https://open.spotify.com/show/1YZPbe3KSGNfE62xE2f4NQ

Youtube: https://www.youtube.com/@die101bestenhotelsdeutschl7

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