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Lebensart > Ballsport im Trend

Tennis-Comeback: Der Hype ist real

| Florian Spichalsky

Gespielt wird überall - auch hier in Curitiba, Brasilien (Foto: Rodrigo Kugnharski auf Unsplash).

Tennis ist zurück. Auf dem Platz, neben dem Platz und bei TikTok. Eine neue Ära des Sports durchdringt die Popkultur. Alles wieder so wie in den 1980er-Jahren, als Deutschland heftig bei Steffi und Bobbele mitzitterte?

Tenniscore ist der heiße Scheiß. Egal ob in der Münchner Innenstadt oder bei TikTok: Kleidung, die eigentlich auf dem Tennisplatz zu Hause ist, erobert die Alleen der Republik. Das Comeback einer Retro-Mode passt zum Boom der Branche. 

Spiel, Satz, Sieg

Tennis erlebt eine Renaissance. Laut des aktuellen ITF Global Tennis Reports spielen erstmals in der Geschichte über 100 Millionen Menschen weltweit – und zwar in 199 Ländern. Ein sattes Plus von mehr als 25 Prozent gegenüber der letzten 2019er-Erhebung. Während die Verbände nur organisierte Vereinsmitglieder zählen, erfasst die ITF (International Tennis Federation) alle Menschen, die mindestens einmal im Jahr zum Aufschlag ansetzen.

Mit knapp 24 Millionen aktiven Tennisspielern führen die USA die Rangliste an, trotz wachsender Konkurrenz durch Trendsportarten wie Pickleball und Padel. Letzteres boomt in Spanien. Besonders beeindruckend: Großbritannien verzeichnet einen Anstieg von vier auf neun Millionen Tennisspieler – das entspricht mehr als 13 Prozent der Bevölkerung. Tennis im Land des Fußballs: It’s a thing.

Und bei uns so?

Hier notierte der Deutsche Tennis Bund das vierte Wachstumsjahr in Folge. Das „erfolgreichste“ Mitglied? Alexander Zverev, Olympiasieger und aktuell Nummer Drei auf der Weltrangliste. Die ersten Plätze belegten im September der Italiener Jannik Sinner und ein Spanier: Carlos Alcaraz. So ein Hype ist immer auch eng mit der Strahlkraft einzelner Promis verbunden, man denke an Roger Federer, Steffi Graf oder Boris Becker, der als 17-Jähriger vor just 40 Jahren Wimbledon gewonnen hat und nebenbei den legendären Becker-Hecht schuf. Und wenn Graf und Bobbele spielten, da wurde Deutschland ganz still, weil alle kollektiv und janz beglückt vor ihren Grundig oder Blaupunkt-Röhren-TVs hingen. 

Gespielt wird heute auf Sand oder Rasen – im Normalfall, Deutschland besitzt etwa 45.000 Plätze. Laut des ITF-Reports existieren etwa 700.000 Tennisplätze – ein deutlicher Anstieg gegenüber den knapp 500.000 Courts, die man kurz vor Corona 2019 zählte. Mehr als 90 Prozent sind Freiluftplätze, einige liegen an den unvorstellbarsten Orten der Welt.

Corona kicked in

Die Pandemie war der Katalysator: Tennis konnte als Individualsport mit Abstand gespielt werden, während Teamsportarten strengen Beschränkungen unterlagen. Auch der Mode- und Livestyle-Trend befeuert die Entwicklung. Immer mehr Luxusmarken drängen ins Segment, mehr und mehr Influencer fühlen den Vibe. Zudem wächst das Bewusstsein für Gesundheit: Die Copenhagen City Heart Study fand jüngst heraus, dass Tennis die Lebenserwartung um fast zehn Jahre erhöhen kann. Darin fand sich aber kein Wort über das Thema verdrehte Knie, gerissene Bänder oder strapazierte Archillesfersen. Dennoch: Nicht weinen, spielen. Also ab auf den Platz.

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