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Märkte > Gesundheitssektor vor Trendwende

US-Healthcare-Sektor: Bodenbildung eröffnet Einstiegschance

| Redaktion Börse am Sonntag

Apotheker prüft Medikamente auf Tablet – Symbolbild für den US-Healthcare-Sektor.
Apotheker im Pharma-Lager: Der US-Healthcare-Sektor zeigt nach Jahren der Schwäche neue Einstiegschancen für Anleger. (Foto: shutterstock)

Nach Jahren der Schwäche sendet der US-Healthcare-Sektor neue Signale: Eine vergleichsweise günstige Bewertung und eine mögliche technische Trendwende eröffnen Anlegern frische Einstiegschancen.

Der US-Gesundheitssektor galt lange als verlässlicher Renditebringer. Zwischen 1989 und 2019 bewegte sich die durchschnittliche Performance nahezu auf Augenhöhe mit dem Technologiesektor und lag über dem Abschneiden des breiten S&P 500. In den vergangenen Jahren hinkten Healthcare-Aktien dem Gesamtmarkt jedoch deutlich hinterher. Das hat zu einer relativen Unterbewertung geführt. Genau darin liegt jetzt eine Chance, denn beim größten US-ETF auf den US-Healthcare-Sektor scheint sich zudem eine abgeschlossene Bodenbildung abzuzeichnen.

Healthcare-Sektor hinkt deutlich hinterher

Seit Oktober 2023 entwickeln sich der US-Gesamtmarkt, gemessen am S&P 500, und der US-Healthcare-Sektor, gemessen am ETF Health Care Select Sector SPDR (ISIN: US81369Y2090, XLV), deutlich auseinander. Während der Leitindex seither rund 60 Prozent zulegte, verzeichnete der Sektor nur ein Plus von etwa 13 Prozent. Dabei sah es zwischenzeitlich gar nicht so schlecht aus. Von Oktober 2023 bis September 2024 gab es einen Aufwärtsimpuls, der sogar neue historische Bestmarken hervorbrachte. Seit dem Allzeithoch verlor der XLV jedoch zwischenzeitlich mehr als 22 Prozent, während sich der S&P 500 im gleichen Zeitraum insgesamt positiv entwickelte und neue Rekorde markierte.

Warum die Underperformance so stark ausfällt?

Mehrere Faktoren lasten seit einiger Zeit auf dem US-Healthcare-Sektor und haben damit zu der relativen Underperformance gegenüber dem Gesamtmarkt geführt. Besonders ins Gewicht fällt die Welle von bereits passierten und anstehenden Patentabläufen, die vor allem Schwergewichte wie Pfizer (ISIN: US7170811035), Merck (ISIN: US58933Y1055), Bristol Myers (ISIN: US1101221083) und AbbVie (ISIN: US00287Y1091) trifft. Umsätze von milliardenschweren Präparaten sind bereits an Generika verloren gegangen oder drohen in den nächsten Jahren wegzubrechen. Gleichzeitig werden im Kongress Initiativen diskutiert, die US-Medikamentenpreise stärker an niedrigere internationale Standards angleichen sollen. Das belastet Wachstumserwartungen und damit auch die Bewertungen, was sich wiederum in den Aktienkursen niederschlägt. Weil die Pharmaaktien inklusive der Biotech-Werte mit mehr als 47 Prozent die größte Gruppe des 60 Werte umfassenden XLV bilden, wirkt sich die oft schlechte Kursentwicklung insgesamt negativ auf die gesamte Sektorperformance aus.

Auch die Medizintechnikhersteller, die mit ca. 25 Prozent die zweitgrößte Branche im XLV bilden, stehen vor Herausforderungen. Nach dem Corona-bedingten Nachfrageboom ist die Sonderkonjunktur für Beatmungsgeräte, Tests und Diagnostik abgeebbt. Zugleich belasten gestiegene Kosten für Rohstoffe, Elektronikkomponenten und Logistik die Margen. Hinzu kommt, dass viele Kliniken aufgrund von Personalmangel und finanziellen Engpässen Operationen verschieben oder Investitionen in neue Geräte zurückstellen. Zusammen mit regulatorischen Hürden und politischem Preisdruck ergibt sich daraus ein schwieriges Umfeld, das ebenfalls zur schwachen Performance des Sektors beiträgt.

Außerdem sind Krankenkassen wie UnitedHealth Group (ISIN: US91324P1021), Humana (ISIN: US4448591028) oder Centene (ISIN: US15135B1017) unter Druck geraten. Grund sind steigende Kostenquoten und veränderte gesundheitspolitische Rahmenbedingungen wie der Abbau staatlicher Leistungen. Hinzu kommt, dass Behandlungen und Therapien immer teurer werden, sodass die Kosten schneller steigen, als sie in den Prämien abgebildet werden können. Gleichzeitig verschärfen strengere Abrechnungsprüfungen bei Medicare und geplante Kürzungen bei Medicaid die Unsicherheit zusätzlich. Unternehmensspezifische Probleme, insbesondere bei UnitedHealth Group, wirken sich ebenfalls negativ an der Börse aus.

Warum jetzt trotzdem Potenzial im Healthcare-Sektor steckt?

Die Kursverluste der vergangenen Jahre haben bereits viel Negatives eingepreist. Chancen ergeben sich daher insbesondere durch mehrere Katalysatoren.

Erstens: eine steigende Übernahme- und Fusionsaktivität. In Zeiten unsicherer organischer Wachstumsmöglichkeiten könnten Unternehmen verstärkt zu Zukäufen neigen, um ihr Portfolio zu stärken. Geschickt umgesetzt können diese nicht nur Umsätze sichern, sondern auch Synergien heben und Margen verbessern. Allerdings dürfte es fraglich sein, ob es zu Mega-Übernahmen kommt; wahrscheinlicher sind Zukäufe von kleineren Konkurrenten.

Zweitens: die staatliche Forschungsförderung. Zwar steht die Finanzierung des National Institute of Health in Höhe von rund 48 Milliarden Dollar jährlich immer wieder zur Debatte. Doch die zuletzt deutliche Zustimmung im Senat zum Erhalt dieser Mittel spricht dafür, dass die Fördergelder bestehen bleiben, was somit Impulse für den forschungsintensiven Sektor generieren könnte.

Drittens: Die Bewertung des Sektors ist attraktiv – zumindest relativ gesehen mit einem Abschlag von etwa 20 Prozent des XLV im Vergleich zum Gesamtmarkt. Absolut betrachtet ist er damit zwar keineswegs ein Schnäppchen, da die Bewertung des S&P 500 hoch ist. Der XLV insgesamt ist somit faktisch nur weniger hoch bewertet. Bei einigen Einzelwerten könnten sich unter Berücksichtigung der Risiken jedoch Value-Chancen angesichts niedriger Bewertungen ergeben. Dieser Umstand könnte zugleich als Katalysator für den gesamten Sektor wirken.

Viertens: über die kurzfristigen Faktoren hinaus sprechen auch langfristige Rahmenbedingungen klar für den Healthcare-Sektor. Eine alternde Bevölkerung in den USA und weltweit sorgt für stetig steigenden Bedarf an medizinischer Versorgung, Medikamenten und Pflegeleistungen. Gleichzeitig treiben Innovationen wie Biotech-Therapien, personalisierte Medizin oder digitale Gesundheitslösungen die Nachfrage nach neuen Produkten und Dienstleistungen an. Dieser demografische Rückenwind kombiniert mit technologischem Fortschritt bietet dem Sektor langfristig ein solides Fundament, unabhängig von kurzfristigen Schwankungen oder politischen Eingriffen.

XLV-ETF: Bodenbildung zeichnet sich ab

Insgesamt ist der US-Healthcare-Sektor damit aus fundamentaler Sicht einen näheren Blick wert. Ergänzt wird dies durch eine vielversprechende charttechnische Ausgangslage. Die Abwärtsbewegung seit dem Allzeithoch im September 2024 hat sich seit dem Korrekturtief im Mai stabilisiert. Inzwischen deutet sich sogar eine abgeschlossene Bodenbildung an, nachdem der Kurs zuletzt über den Bereich von etwa 137 US-Dollar geklettert ist. Sollte sich dieser Ausbruch als nachhaltig erweisen, könnte der Grundstein für eine Trendwende gelegt sein.

US-Healthcare-Sektor: Einstiegschancen für langfristig orientierte Anleger

Der Healthcare-Sektor steht ohne Frage vor Herausforderungen, doch viele Risiken sind bereits eingepreist. Mit der Kombination aus vergleichsweise günstiger Bewertung, strukturellem Rückenwind durch Demografie und Innovation sowie einer charttechnisch vielversprechenden Ausgangslage eröffnet sich ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis. Für Anleger, die bereit sind, kurzfristige Schwankungen auszuhalten, könnten sich daher nun im XLV-ETF ebenso wie bei ausgewählten Einzelwerten interessante Einstiegsgelegenheiten bieten.

Der XLV ist für deutsche Anleger aus regulatorischen Gründen allerdings nicht direkt handelbar. Es gibt jedoch ETF-Alternativen, die auch in Deutschland problemlos erworben werden können. Dazu zählen der iShares S&P 500 Health Care Sector ETF (ISIN: IE00B43HR379), der Xtrackers MSCI USA Health Care ETF (ISIN: IE00BCHWNW54) sowie der SPDR S&P U.S. Health Care Select Sector ETF (ISIN: IE00BWBXM617). Diese drei ETFs bilden zwar unterschiedliche Indizes ab, zeigen jedoch in der langfristigen Betrachtung eine nahezu identische Performance.

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