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Märkte > Fed im Fokus

US-Börsen: Kursschub oder Gewinnmitnahmen nach Fed-Sitzung?

| Thomas Behnke

(Bild: Shutterstock)

S&P 500 und NASDAQ-100 glänzen mit neuen Bestwerten. Doch jetzt rückt die nächste Fed-Sitzung in den Mittelpunkt. Eine kleine Zinssenkung gilt als sicher. Doch wie wird die Wall Street darauf reagieren?

S&P 500 und Nasdaq-100 erklimmen neue Rekorde. Am vergangenen Mittwoch markierten beide Indizes frische Allzeithochs. Damit bleibt die Wall Street im Aufwärtstrend, auch wenn das Tempo der Rally zuletzt spürbar nachgelassen hat. Nun richtet sich der Blick gespannt auf den 17. September, wenn die US-Notenbank ihre nächste Zinsentscheidung verkündet. Eine Senkung der Leitzinsen gilt als sicher. Doch stellt sich die Frage: Wird das zum Katalysator für weitere Kursgewinne – oder nutzen Anleger die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen?

Rally seit April: Wall Street in Bestform

Der US-Aktienmarkt hat in den vergangenen Monaten einen bemerkenswerten Lauf hingelegt. Seit den markanten Korrekturtiefs im April haben Indizes wie der NASDAQ-100 und der S&P 500 um rund 44 Prozent beziehungsweise 35 Prozent zugelegt. Beide liegen damit auch seit Jahresbeginn mit Gewinnen von 13,5 Prozent und 11 Prozent komfortabel im Plus. Die nun erreichten Allzeithochs unterstreichen die derzeit robuste Verfassung der Wall Street.

Zu den treibenden Kräften zählt die anhaltende Nachfrage nach „harten“ Assets in einem geldpolitischen Umfeld, das auf sinkende US-Leitzinsen hindeutet. Ein notgedrungener Umstand, denn die immense Staatsverschuldung und die Herausforderungen bei der Refinanzierung des Schuldenbergs erhöhen den Druck. Entsprechend wächst auch der politische Einfluss auf die Fed, die Geldpolitik zu lockern. Ziel ist es zudem, die Konjunktur zu stützen – insbesondere den Immobilienmarkt, der stark vom Zinsumfeld abhängt. Sinkende Leitzinsen und weitere geldpolitische Maßnahmen könnten das Zinsniveau insgesamt drücken und damit neue Wachstumsimpulse setzen.

Risiken bleiben: Inflation als Dauerbrenner

Die Kehrseite einer solchen Entwicklung, zu der auch eine mögliche Ausweitung der Geldmenge zählt, ist die Gefahr einer anhaltenden Geldentwertung. Damit könnte längerfristig auch das Inflationsproblem wieder aufflammen, das in den vergangenen Jahren bereits spürbar Druck entfaltet hat. Beteiligungen an Unternehmen in Form von Aktien gelten daher als wirksame Möglichkeit, Vermögen zu schützen. Dieser Umstand spricht zusammen mit den soliden konjunkturellen Perspektiven in den USA weiterhin für Investments in US-Aktien. Das bedeutet jedoch nicht, dass größere Rücksetzer oder temporäre Korrekturen ausgeschlossen sind. Die anstehende Zinssenkung könnte dabei durchaus als Auslöser für eine solche Bewegung dienen.

Fed-Entscheidung: Katalysator oder Bremsklotz?

Ein Zinsschritt der Fed wird schon seit längerem erwartet und nachdem sich die Notenbank lange Zeit dem politischen Druck widersetzt hat, steht nun mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Lockerung bevor. Die erwartete Verringerung um 25 Basispunkte auf 4,00 bis 4,25 Prozent gilt als sicher und ist längst eingepreist. Ein Umstand, der möglicherweise nach dem Motto „Sell the good news“ Gewinnmitnahmen auslösen könnte. Ein größerer Zinsschritt um 50 Basispunkte wäre dagegen eine echte Überraschung und hätte ebenfalls das Potenzial, zunächst für eine Verschnaufpause zu sorgen, da dadurch die Sorgen um die Konjunktur wachsen könnten. Letztlich bleiben diese Szenarien Spekulation – wie die Märkte tatsächlich reagieren, ist nicht vorhersehbar.

Marktbreite signalisiert mögliche Pause

Dennoch gibt es erste Marktindikatoren und andere Anzeichen, die auf eine bevorstehende Verschnaufpause hindeuten. So liegt beispielsweise die Bewertung des US-Gesamtmarktes bereits auf einem sehr hohen Niveau, während einzelne Aktien noch ambitionierter bepreist sind.

Ein weiterer Punkt ist die seit Ende Juli spürbar nachlassende Aufwärtsdynamik, insbesondere beim NASDAQ-100. Hinzu kommt die Entwicklung der Advance-Decline-Linie (AD-Linie), welche die Marktbreite misst. Seit Juli hat sich hier eine auffällige Divergenz gebildet. Während der NASDAQ-100 weiter gestiegen ist und zuletzt ein neues Allzeithoch markierte, ist die AD-Linie gefallen und hat den Rekordstand des Index nicht bestätigt. Üblicherweise verlaufen AD-Linie und Kursbarometer in die gleiche Richtung, da die Marktbewegung im Idealfall von der breiten Masse getragen wird.

Spannend wird es, wenn abweichende Entwicklungen auftreten – so wie die nun erkennbare Divergenz. Solche Szenarien entstehen häufig dann, wenn vor allem die stark gewichteten Indexschwergewichte zulegen und damit eine schwächere Performance der übrigen Mitglieder kaschieren. Eine solche bärische Divergenz gilt als Schwächesignal. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine Trendumkehr bevorsteht. Dennoch sollte eine solche Entwicklung nicht ignoriert, sondern im Gesamtkontext der eigenen Markteinschätzung berücksichtigt werden.

Eine Divergenz zeigt sich übrigens auch beim breiter gefassten NASDAQ Composite und seit August auch im S&P 500, wenngleich diese weniger stark ausgeprägt ist. Damit stellt sich für Anleger die entscheidende Frage: Wie lassen sich diese Signale zusammen mit der anstehenden Fed-Sitzung einordnen?

US-Aktien: zwischen längerfristigen Chancen und kurzfristiger Vorsicht

Die US-Börsen präsentieren sich kurz vor der Fed-Sitzung in starker Verfassung, doch die Mischung aus hohen Bewertungen, abnehmender Marktbreite und geldpolitischer Unsicherheit mahnt Anleger zur Umsicht. Kurzfristig könnten Gewinnmitnahmen die Folge sein, sollte die erwartete Zinssenkung keine neuen Impulse bringen. Mittel- bis langfristig bleiben die strukturellen Argumente für US-Aktien jedoch intakt – von soliden Konjunkturaussichten bis hin zur Attraktivität als Sachwertanlage in einem Umfeld niedrigerer Zinsen. Wer investiert, sollte deshalb nicht allein auf den nächsten Notenbankschritt schielen, sondern das große Bild im Auge behalten und mögliche Rücksetzer auch als Chance begreifen.

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