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Die Bundeswehr fordert mehr Tempo der Industrie

| Anja-Georgia Graw-Bärwalde

Brigadegeneral Michael Bender im Gespräch mit Peter Tauber.
Brigadegeneral Michael Bender im Gespräch mit Peter Tauber, ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium.

Mehr Geld allein macht Deutschland nicht verteidigungsfähig. Auf dem Frankfurt Finance & Future Summit fordert Brigadegeneral Michael Bender schnellere Innovationen.

Die Bundeswehr hat mehr Geld, die Rüstungsindustrie volle Auftragsbücher. Doch reicht das, um Deutschland verteidigungsfähig zu machen? Brigadegeneral Michael Bender sieht weitere Herausforderungen. Beim Frankfurt Finance & Future Summit der Weimer Media Group sprach der Sonderbeauftragte des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) mit dem ehemaligen Verteidigungsstaatssekretär Peter Tauber über Sicherheit als Standortfaktor und die Grenzen der deutschen Rüstungswirtschaft.

Benders Botschaft: Nicht allein die Bürokratie entscheidet über das Tempo der Zeitenwende. Auch die Industrie muss umdenken. Während sich Technologien auf den Schlachtfeldern der Ukraine in kürzester Zeit verändern, dauern Entwicklung und Beschaffung hierzulande oft Jahre. Das Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding soll diese Lücke schließen. Neue Technologien müssten frühzeitig mit den Soldaten erprobt werden, statt jahrelang vermeintlich perfekte Systeme zu entwickeln.

Zwei Geschwindigkeiten der Zeitenwende

Auf Taubers Frage, was die Zeitenwende für das Beschaffungswesen bedeutet, unterscheidet Bender zwei Welten: Komplexe Waffensysteme benötigen langfristige Beschaffungs- und Wartungsstrukturen. Drohnen und andere schnelllebige Technologien dagegen verlangen deutlich agilere Verfahren.

Dafür habe das Beschaffungsamt bereits eigene Regeln gestrichen, Zulassungsprozesse parallelisiert und Hersteller stärker in die Verantwortung genommen, sagte Bender. Größere Rahmenverträge sollen Planungssicherheit schaffen. Doch der wahre Engpass verlagere sich zunehmend auf die Produktionskapazitäten. Viele Unternehmen investierten erst, wenn ihnen langfristige Abnahmen garantiert würden. „Wenn es nicht vorab durchrechenbar und bezahlt ist, ist der Appetit letztendlich gering“, kritisierte Bender.

Deshalb diskutiert die Bundeswehr neue Vertragsmodelle: Hersteller könnten dafür bezahlt werden, Produktionskapazitäten vorzuhalten, auch wenn zunächst nur ein Teil davon benötigt wird.

Tauber lenkte den Blick dabei auf den Mittelstand. Warum sollten nicht auch klassische Zulieferer und innovative Familienunternehmen stärker von der Zeitenwende profitieren? Bender verwies auf ein strukturelles Hindernis: Die Bundeswehr kauft fertige Produkte und Fähigkeiten. Kleinere Technologieanbieter müssen deshalb häufig erst große Systemhersteller als Partner gewinnen.

Europas Rüstung braucht offene Schnittstellen

Grundsätzliche Kritik übte Bender an proprietären Technologien. Viele Hersteller wollten Kunden langfristig an ihre Systeme binden. Die Bundeswehr brauche jedoch offene Schnittstellen, herstellerunabhängige Plattformen und eigene Datenhoheit. „Jede Plattform im militärischen Bereich, die ich zukünftig nicht vernetzen kann, ist wertlos“,

warnte Bender. Gemeinsame europäische Standards könnten Innovationen beschleunigen und Ressourcen effizienter nutzen. Deutschland verfüge innerhalb Europas über erhebliche Marktmacht, schöpfe diese bislang aber kaum aus.

Großes Potenzial sieht Bender bei unbemannten Systemen, künstlicher Intelligenz und der Verbindung von Software mit physischen Maschinen. Bei dieser sogenannten Physical AI sei Deutschland „ehrlich gesagt, echt schlecht“. Batterietechnik und mobile Ladeinfrastruktur könnten militärische und zivile Innovationen vorantreiben.

Am Ende stand eine Botschaft, die über die Bundeswehr hinausreicht: Sicherheit ist längst ein Standortfaktor. Doch Europas Verteidigungsfähigkeit entscheidet sich nicht allein an Milliardenbudgets. Sondern daran, ob Staat und Industrie schneller handeln, Risiken teilen und technologische Abschottung überwinden.

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