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Märkte > IPO Night

„Wir denken zu klein für internationale Investoren“

| Björn Hartmann

Panel „Banking & Invest in Germany" auf der Frankfurt Finance & Future Summit.
Ebrahim Attarzadeh, CEO Münchmeyer Petersen Capital Markets, Katharina Seiler, Senior Portfolio Manager DWS Investment und Hubertus Väth, Geschäftsführer Frankfurt Main Finance im Gespräch mit Moderator Ulrich Reitz, Chefkorrespondent Wirtschaft RTL, auf dem Frankfurt Finance & Future Summit.

Die Bundesrepublik braucht Milliarden, um das Land wieder voranzubringen. Hat Deutschland eine Chance auf ein Comeback? Die Experten auf dem Frankfurt Finance & Future Summit sind optimistisch.

Immer fehlt Geld. Deutschland braucht es gerade besonders, um die marode Infrastruktur zu renovieren, sich wieder militärisch verteidigen zu können und um Zukunftstechnologien auszubauen. Woher sollen die Milliarden kommen? Die Antwort ist verblüffend einfach, wie auf dem Frankfurt Future & Finance Summit im Kap Europa klar wird. Geld ist genug da – im Inland, es ist nur falsch angelegt, und im Ausland, da muss ihm nur der Weg bereitet werden.

Und Deutschland ist da erstmals anders unterwegs, wie Hubertus Väth, Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance, sagt. Er ist gerade aus Bangkok zurück, wo er beim Treffen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds erstmals ein einheitliches Team Deutschland erlebt hat, das um Investitionen wirbt. Finanzen und Industrie zusammen, wie er sagt. Kurz nach dem Treffen in Bangkok hatte die Bundesregierung auch erstmals zum Investorengipfel geladen.

Die ausländischen Investoren hätten Interesse, stellt Väth fest. Nicht so sehr am eher speziellen Defence-Bereich, sondern an der Breite deutscher Technologie. Und an Infrastruktur. Auch Start-ups aus dem Deeptech-Bereich, komplexer Technologie wie Künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Biotechnologie oder Robotik könnten auf ausländisches Geld hoffen, wie Väth sagt. Allerdings gibt es ein Problem mit der Größenordnung. „Wir denken zu klein für internationale Investoren. Wir sind nicht so gut im Skalieren.“ Vereinfacht: Ideen jede Menge, aber zum Unternehmen mit Weltanspruch reicht die Kraft nicht.

DWS-Portfolio-Managerin Katharina Seiler: "Wir haben kein Sparproblem"

Geld ist auch im Inland vorhanden. Mehrere Billionen liegen vor allem auf Sparkonten, stecken aber nicht in Firmen. „Wir haben kein Sparproblem“, sagt deshalb Katharina Seiler, „sondern ein Investmentproblem.“ Seiler ist Senior Portfolio-Managerin bei DWS, dem Vermögensverwalter der Deutschen Bank.

Sie sieht Schweden als Vorbild, wo ein Großteil der Einwohner Geld in Aktien angelegt hat, vor allem von schwedischen Unternehmen. Die Aktienkultur sei ausgeprägt, die Zahl der Börsengänge hoch. Schweden habe allerdings schon vor Jahrzehnten begonnen, zum Beispiel die Altersvorsorge mit dem Kapitalmarkt zu verbinden. „Wir fangen mit Altersvorsorgedepot und Frühstartrente gerade erst an“, sagt Seiler.

„Was ist wichtiger, das Geld ausländischer Investoren oder das der inländischen Sparer?“ will Moderator Ulrich Reitz, Chefkorrespondent Wirtschaft bei ntv und RTL, wissen. Und kannibalisiere sich das nicht? „Wir brauchen allse“, sagt Ebrahim Attarzadeh, CEO von Münchmeyer Petersen Capital Markets. Die Firma bringt Unternehmen und Kapital zusammen, versucht, Mittelständler für die Börsen zu begeistern.

Ein oft schweres Unterfangen, weil Europa keinen einheitlichen tiefen Kapitalmarkt hat, wie Attarzadeh sagt. Jedes Land hat eigene Regeln. Das Ergebnis: Alle haben etwas Geschäft und etwas Kapital, wären aber zusammen – Stichwort Kapitalmarktunion – viel stärker. Die USA bieten dagegen einheitliche Regeln und reichlich Geld. Das lockt Unternehmen, um dort an die Börse zu gehen. Deutsche steckten Geld in US-Firmen, die dann wiederum in Deutschland investierten, beschreibt Attarzadeh. „Wir finanzieren die eigene Abhängigkeit.“ Die Aktienquote in Europa sei nur halb so hoch wie in den USA, sagt Attarzadeh. Gäbe es in Deutschland Verhältnisse wie in den USA würden acht Billionen Euro frei.

Geld ist also da, was noch fehlt neben der Bankenunion in Europa ist eine bestimmte Haltung. Väth von Frankfurt Main Finance sagt, dass sich in den USA jemand freue, wenn der andere Geld verdient. In der EU ist das bisher eher nicht verbreitet. Dafür gebe es Bürokratie, etwa den AI Act, der den Umgang mit KI regelt. „Wir brauchen erst einmal die Innovation, bevor wir sie regulieren.“ Aber in Brüssel und Berlin bewege sich etwas.

Deshalb Attarzadeh, Seiler und Väth auch optimistisch, dass Deutschland ein Comeback gelingt, Investoren anlockt und technologisch punktet.

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