Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Märkte > Marktumfeld bremst

Holpriger Jahresstart am IPO-Markt

| Redaktion Börse am Sonntag

Börsenkurs.
Am IPO Markt sorgt der Krieg im Iran für Zurückhaltung. (Foto: whiteMocca / Shutterstock)

Geopolitische Spannungen drücken auf die Kapitalmärkte – und bremsen weltweit die Zahl neuer Börsengänge. Es gibt aber auch Gewinner.

Der globale Markt für Börsengänge hat einen holprigen Start ins Jahr 2026 hingelegt. Nach aktuellen Auswertungen wurden im ersten Quartal weltweit lediglich 230 IPOs durchgeführt – rund 23 Prozent weniger als im Vorjahr und so wenige wie seit mehreren Jahren nicht mehr.

Die Gründe liegen auf der Hand: Der Krieg im Nahen Osten sorgt für massive Unsicherheit an den Finanzmärkten. Schwankende Kurse, steigende Energiepreise und eine unklare konjunkturelle Perspektive erschweren insbesondere kleineren Unternehmen den Gang an die Börse.

Viele Kandidaten verschieben ihre Pläne oder haben Schwierigkeiten, Investoren von ihrer Bewertung zu überzeugen. In einem Umfeld, in dem Anleger zunehmend risikoavers agieren, werden Börsengänge deutlich kritischer geprüft als noch in den Boomjahren.

Weniger Deals – aber mehr Volumen

Bemerkenswert ist jedoch: Während die Anzahl der Börsengänge sinkt, steigt das eingesammelte Kapital deutlich. Das Emissionsvolumen legte im ersten Quartal um 36 Prozent auf rund 40,6 Milliarden US-Dollar zu.

Das zeigt: Der Markt differenziert stärker als zuvor. Schwächere oder kleinere Unternehmen haben es schwer – große, strategisch gut positionierte Konzerne hingegen finden weiterhin problemlos Investoren.

Rüstungsbranche im Fokus der Anleger

Besonders gefragt sind derzeit Unternehmen aus der Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie. Der geopolitische Konflikt hat die Nachfrage nach entsprechenden Aktien massiv erhöht.

Ein prominentes Beispiel ist der Börsengang des tschechischen Rüstungskonzerns CSG, der mit rund 4,5 Milliarden Dollar das bislang größte IPO des Jahres darstellt.

Auch in Deutschland zeigt sich dieser Trend: Unternehmen wie Vincorion oder die Gabler Group stammen ebenfalls aus dem sicherheitsnahen Umfeld. Anleger setzen hier auf steigende Verteidigungsausgaben und langfristig wachsende Auftragsbücher.

Mit dem geplanten Börsengang des deutsch-französischen Panzerherstellers KNDS könnte schon bald der nächste Mega-Deal folgen. Das Unternehmen strebt ein Emissionsvolumen von rund fünf Milliarden Euro an – ein klares Signal für die Attraktivität des Sektors.

Die aktuelle Marktphase zeigt deutlich, worauf Investoren achten:

  • Ertragsstärke: Unternehmen müssen bereits profitabel sein oder einen klaren Weg dahin aufzeigen
  • Planbare Umsätze: Ein hoher Auftragsbestand oder langfristige Verträge erhöhen die Attraktivität
  • Strukturelles Wachstum: Branchen wie Verteidigung, Infrastruktur oder Energie stehen im Fokus

Gerade Rüstungsunternehmen erfüllen viele dieser Kriterien. Staatliche Budgets sorgen für stabile Nachfrage, während geopolitische Spannungen zusätzliche Dynamik bringen.

Dagegen haben wachstumsstarke, aber noch unprofitable Technologieunternehmen derzeit einen deutlich schwereren Stand – vor allem bei hoher Volatilität an den Märkten.

Wie fragil das Umfeld ist, zeigt ein Blick auf die Aktienmärkte: Der deutsche Leitindex DAX bewegte sich zuletzt in einem volatilen Umfeld mit deutlichen Schwankungen. Allein im März verlor er zeitweise rund zehn Prozent, bevor kurzfristige Hoffnungen auf Entspannung wieder für Gegenbewegungen sorgten.

Diese Unsicherheit erschwert die Preisfindung bei Börsengängen erheblich. Für Unternehmen ist es riskant, in einem schwankenden Marktumfeld an die Börse zu gehen – denn schon kleine Veränderungen der Stimmung können über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Experten gehen davon aus, dass sich dieser Trend in den kommenden Monaten fortsetzen wird:

  • Weniger Börsengänge insgesamt
  • dafür größere und stärker beachtete Einzeltransaktionen

Der IPO-Markt bleibt damit selektiv. Unternehmen mit klarer Story, stabilen Geschäftsmodellen und politischem Rückenwind haben weiterhin gute Chancen.

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Ähnliche Artikel