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Märkte > Oldtimermarkt unter Druck

Garagengold rostet

| Florian Spichalsky

Legende am Berg, Wert unter Druck: Porsche 911 E, Baujahr 1969, in der Steiermark.(Foto: picture alliance / imageBROKER | Jörn Friederich)

Bis zu 30 Prozent Verlust bei Oldtimern: Selbst der Porsche 911 gerät ins Schleudern – während andere Modelle plötzlich gefragt sind.

Über Jahre galt der Porsche 911 als rollendes Investment. Kaufen, einlagern, warten – so einfach schien das Prinzip. Doch seit Anfang 2025 dreht der Markt. Einzelne Modelle verloren 20 bis 30 Prozent an Wert. Selbst frühe Baujahre notieren inzwischen deutlich unter ihren Höchstständen.

Die Indizes bestätigen die Trendwende. Der HAGI Top, der 50 internationale Spitzenmodelle umfasst, verlor von Januar bis Oktober vergangenen Jahres 2,65 Prozent an Wert, der Ferrari-Index 5,49 Prozent. Hinter diesen Durchschnittswerten verbergen sich bei einzelnen Fahrzeugen zweistellige Abschläge – etwa beim Mercedes SL „Pagode“, Jaguar E-Type oder bei klassischen Sportwagen aus Stuttgart. Der Mythos vom Oldtimer als krisenfestem Sachwert bekommt deutliche Risse.

Der Boom war auch ein Zinsprodukt

Der Höhenflug zuvor hatte handfeste Gründe. In der Nullzinsphase floss Kapital in Sachwerte – auch in automobile Ikonen, die als inflationsfest galten und stetige Wertzuwächse versprachen. Die Preise kannten nur eine Richtung: steil nach oben. Die Preisbildung auf Basis von Angebot und Nachfrage schien zeitweise außer Kraft gesetzt.

Ein 911 SC, einst für rund 25.000 Euro zu haben, überschritt zwischenzeitlich deutlich die Marke von 50.000 Euro. Viele Käufer kalkulierten dabei weniger mit Fahrspaß als mit Rendite. Mit höheren Zinsen ändert sich die Rechnung. Anleihen und Tagesgeld liefern wieder Erträge. Kapital muss nicht mehr in der Garage parken.

Nachfrage wandert weiter

Doch die Korrektur trifft nicht alle Segmente gleichermaßen. Während zahlreiche Klassiker aus den 1950er- und 1960er-Jahren an Boden verlieren, gewinnen jüngere Fahrzeuge an Profil.

Entscheidend ist der Generationeneffekt. Käufer investieren bevorzugt in Modelle, die ihre Jugend geprägt haben. Seit diese Jahrgänge ihre einkommensstärksten Jahre erreichen, verlagert sich die Nachfrage auf sogenannte Emerging Classics der 1990er-Jahre – etwa BMW M3, frühe AMG-Modelle oder sportliche Japaner wie den Honda CRX. Sie verbinden Nostalgie mit vergleichsweise moderner Technik. Servolenkung, Klimaanlage, ABS und höhere Zuverlässigkeit machen sie alltagstauglich. Man kann mit ihnen zur Arbeit fahren – ohne bangen Blick auf den Anlasser. Entsprechend entwickelt sich dieses Segment stabiler als der Gesamtmarkt.

Ein weiterer Faktor verstärkt die Entwicklung: Viele der zuletzt stark im Preis gestiegenen Modelle entstanden in hohen Stückzahlen, darunter etwa der Mercedes R107 oder andere weit verbreitete Baureihen. In der Boomphase blendete der Markt das aus. Wie bei vielen Hypes entkoppelten sich die Preise von fundamentalen Maßstäben. Nun prüfen Käufer genauer. Gefragt sind exzellent erhaltene Exemplare mit eindeutiger Historie und geringer Laufleistung. Durchschnittliche Fahrzeuge bleiben stehen oder wechseln nur mit deutlichen Abschlägen den Besitzer. Das Angebot ist häufig größer als die Nachfrage.

An der Spitze zeigt sich ein anderes Bild. Absolute Raritäten mit eindeutiger Provenienz erzielen weiterhin Millionenpreise – teils mit steigender Tendenz. Der Markt differenziert sich stärker – und sortiert aus.

Vom Hype zur Realität

Der Oldtimermarkt normalisiert sich, die pauschale Investmentstory trägt nicht mehr. Preise steigen nicht automatisch, nur weil Zeit vergeht. Für Anleger bedeutet das mehr Risiko und mehr Selektionsaufwand. Für Sammler eröffnet die Korrektur Chancen. Modelle, die zuletzt außer Reichweite lagen, werden wieder zugänglicher.

Ein Blick über den Tellerrand zeigt, wie stark sich Bewertungsmaßstäbe verschoben haben: Eine seltene „Pikachu Illustrator“-Pokémonkarte erzielte jüngst 16,5 Millionen Dollar – ein Betrag, für den auf Oldtimerauktionen bereits sehr seltene Klassiker den Besitzer wechseln. Wert entsteht überall dort, wo die Nachfrage größer ist als das Angebot.

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