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Zertifikate > Charttechnik trifft Geopolitik

WTI-Ölpreis testet nach Hormus-Eskalation Ausbruchsmarke

| Thomas Behnke | Lesezeit: 5 Min.

Digitale Preistafel einer Shell-Tankstelle mit Kraftstoffpreisen, davor fährt ein silberfarbenes Auto mit Bewegungsunschärfe vorbei, im Hintergrund Bäume und ein Verkehrsschild.
Shell-Tankstelle in Siegen mit digitaler Preisanzeige für Diesel und Benzin. Der Ölpreis der US-Sorte WTI ist nach einem Angriff auf iranische Raketenwerfer an der Straße von Hormus zu Wochenbeginn auf über 86 US-Dollar gestiegen. (Foto: picture alliance / Rene Traut Fotografie)

WTI-Ölpreis nach Hormus-Angriff im Ausbruchsversuch: Diese Marke bei 87,69 US-Dollar entscheidet über Long- oder Short-Szenario im Ölmarkt.

Nach Monaten des Hin und Her an der Straße von Hormus hatten viele Marktteilnehmer auf eine Beruhigung der Ölpreis-Bewegungen und eine nachhaltige Entspannung gehofft. Iran und Oman hatten sich zuletzt sogar auf einen vorläufigen Schifffahrtskorridor durch die Meerenge verständigt. Am Sonntag griff das US-Militär dann iranische Raketenwerfer an, die nach Angaben eines Sprechers des US Central Command Minen in der Wasserstraße platzieren sollten. Der Ölpreis reagierte daraufhin mit weiter steigenden Kursen. Das US-Öl WTI kletterte zu Wochenbeginn auf über 86 US-Dollar.

Wie der Iran-Krieg den Ölpreis kräftig steigen ließ

Die jüngsten Ereignisse im Iran sind ein weiteres Kapitel eines Krieges, der die Welt und die Finanzmärkte seit Ende Februar 2026 beschäftigt. Der aktuelle Vorfall reiht sich damit in eine lange Geschichte von Eskalation und Deeskalation ein. Ein Seismograph für die jeweils vorherrschende Phase sind die Ölpreise. Zu Beginn der Auseinandersetzungen stieg der Preis für die US-amerikanische Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) binnen weniger Wochen kräftig, weil Versorgungsengpässe befürchtet wurden. Die Straße von Hormus ist eine wichtige Passage für den Transport von Erdöl und anderen Rohstoffen aus der Region in die ganze Welt. Dort wird zwar keine WTI transportiert, das US-Öl ist dennoch ein wichtiger internationaler Maßstab (Benchmark) für die Entwicklung auf den Ölmärkten und wird daher auch stark vom Iran-Krieg beeinflusst. Vor Ausbruch des Krieges notierte der Preis bei rund 67 US-Dollar. Bis zum Hoch im März kletterte er dann auf über 119 US-Dollar. Danach folgte eine volatile Entwicklung mit dynamischen Korrekturen, aber auch kräftigen Aufwärtsimpulsen.

WTI wagt den Ausbruchsversuch aus der Keilformation

Einen besonders dynamischen Aufwärtsimpuls gab es zuletzt vom Zwischentief Anfang Juli bei knapp 67 US-Dollar bis zum Zwischenhoch im Juli bei 93,50 US-Dollar. Seither hat sich eine Keilformation gebildet. Zuletzt ist der Preis an der Spitze dieser Formation angekommen, was einen Ausbruch immer wahrscheinlicher machte. Offen war die Richtung. Mit dem kräftigen Anstieg zu Wochenbeginn wurde die obere Trendlinie angegriffen und aktuell notiert der Preis knapp darüber. Seit dem Zwischentief vom 26. August ist der Ölpreis damit bereits um 9 Prozent gestiegen. Ob es sich um einen nachhaltigen Ausbruch handelt, lässt sich aber noch nicht sagen. Eine Bestätigung könnte gegeben sein, wenn der Kurs als Nächstes das Zwischenhoch vom 20. August bei 87,69 US-Dollar überschreitet. Das könnte dann den Weg bis zum Zwischenhoch von 93,50 US-Dollar freimachen.

Diese Marken sind bei einem Fehlausbruch die nächsten Ziele

Gelingt der Ausbruch über 87,69 US-Dollar nicht und fällt WTI stattdessen in die Keilformation zurück, ist von einem Fehlausbruch auszugehen, der eine bärische Positionierung rechtfertigen würde, vor allem wenn zusätzlich die untere Begrenzung des Keils verletzt wird. Diese Annahme würde sich erhärten, wenn auch das Zwischentief vom 26. August bei 79,62 US-Dollar unterschritten wird. Rutscht der Kurs darunter, rückt als nächste Marke das Zwischentief vom 5. August bei 74,24 US-Dollar ins Visier.

Warum sich für dieses Setup Knock-outs anbieten

Diese beiden möglichen Szenarien sowie potenziellen Zielzonen bilden damit eine konkrete Grundlage für technisch motivierte, kurzfristige Handelsansätze. Für die Umsetzung bieten sich in erster Linie Knock-out-Zertifikate an. Anders als Optionsscheine unterliegen sie keinem Zeitwertverfall, was sie für kurzfristige Positionen an klar definierten Marken besser geeignet macht. Zudem preisen Optionsscheine die implizite Volatilität mit ein, die seit Kriegsbeginn strukturell erhöht ist, was sich in tendenziell teureren Prämien niederschlagen kann. 

Wer auf eine Fortsetzung des Ausbruchs Richtung 87,69 und 93,50 US-Dollar setzt, kann dies über ein Call-Knock-out-Zertifikat mit einer Barriere unterhalb der Keiloberkante abbilden. Wer stattdessen von einem Fehlausbruch und einem Rückfall in Richtung 79,62 oder 74,24 US-Dollar ausgeht, kann auf ein entsprechendes Put-Knock-out-Zertifikat zurückgreifen. In beiden Fällen sollte die Barriere mit ausreichend Abstand zur aktuellen Notierung gewählt werden, da WTI gerade in dieser Phase zu schnellen Ausschlägen neigt.

Der Ausbruch bei WTI steht unmittelbar bevor

Niemand weiß, in welche Richtung das Preispendel beim Ölpreis als nächstes ausschlagen wird. Die mit dem Krieg verbundene Unsicherheit geht dabei über die ohnehin latent vorhandene, an der Börse naturgegebene und nicht vorhersehbare Unsicherheit von Preisbewegungen hinaus. Eine zumindest geometrische Sicherheit ist jedoch, dass die Bandbreite zwischen oberer und unterer Trendlinie des Keils inzwischen so schmal ist, dass es demnächst zu einem nachhaltigen Ausbruch kommen wird, auch wenn die Richtung letztlich offen ist. Aktuell wird lediglich die obere Trendlinie des Keils getestet. Mit klaren Einstiegsmarken und Zielen könnte der Ölmarkt damit aktuell eine gute Gelegenheit darstellen, um von der weiteren Bewegung zu profitieren. Vorausgesetzt ist dabei natürlich, dass man bei einem solchen spekulativen Handelsansatz auch ein entsprechendes Risikomanagement berücksichtigt. Denn das politische und militärische Hin und Her rund um die Straße von Hormus dürfte auch beim Ölpreis zu anhaltend zackigen Ausschlägen führen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach einem US-Angriff auf iranische Raketenwerfer an der Straße von Hormus am Wochenende ist der Ölpreis gestiegen, das US-Öl WTI kletterte auf über 86 US-Dollar.
  • Seit Mitte Juli hat sich bei WTI eine Keilformation gebildet, aus der sich der Kurs zuletzt mit einem Ausbruchsversuch über die obere Trendlinie zu lösen beginnt.
  • Eine Bestätigung des Ausbruchs und damit ein Long-Szenario wäre ein Schlusskurs über dem Zwischenhoch vom 20. August bei 87,69 US-Dollar, als nächstes Ziel folgt das Zwischenhoch von 93,50 US-Dollar.
  • Scheitert der Ausbruch, gelten das Zwischentief vom 26. August bei 79,62 US-Dollar und danach jenes vom 5. August bei 74,24 US-Dollar als nächste Marken auf der Unterseite und damit für ein Short-Szenario.

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