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Zertifikate > Anlegermotive im Fokus

DAX-Rekord: Warum Zertifikate-Käufer auf Rendite setzen

| Thomas Behnke | Lesezeit: 5 Min.

Mehrere Händler sitzen an Monitoren in einem kreisförmig wirkenden Handelssaal, aufgenommen mit einem Fisheye-Objektiv, im Hintergrund Kursanzeigen und Bildschirme.
Händler im Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse an ihren Monitoren, aufgenommen mit einem Fisheye-Objektiv. Der DAX kletterte am 12. August 2026 auf ein neues Allzeithoch von 26.573,50 Punkten. (Foto: picture alliance/dpa | Arne Dedert)

Der DAX markiert ein neues Allzeithoch, doch laut BSW-Umfrage kaufen Zertifikate-Anleger aus ganz unterschiedlichen Gründen. Vier Anlagestrategien für vier Markterwartungen im Überblick.

Ein neuer Rekord in der DAX-Geschichte: Das klingt nach ungebremster Euphorie am deutschen Aktienmarkt. Wer allerdings nicht nur auf den Indexstand schaut, sondern nach den Motiven hinter den Käufen fragt, bekommt ein differenzierteres Bild. Eine Umfrage unter Zertifikate-Anlegern zeigt nämlich, wie unterschiedlich diese Motive tatsächlich sind.

Wie geht es nach dem Allzeithoch weiter?

Der deutsche Leitindex hatte in der vergangenen Woche ein neues Allzeithoch markiert. Am 12. August war er bis auf 26.573,50 Punkte geklettert. Es entwickelte sich jedoch kein weiteres Aufwärtsmomentum, vielmehr scheint den Bullen erst einmal die Puste ausgegangen zu sein. Kein Wunder, schließlich war das Kursbarometer vom Korrekturtief Mitte Juli bis zum neuen Höchststand um fast 8 Prozent gestiegen. Eine Verschnaufpause scheint daher gerechtfertigt. Möglicherweise fällt der DAX auch noch einmal bis auf sein altes Allzeithoch von Anfang Juli bei 25.900 Punkten zurück. In diesem Bereich verläuft außerdem die 21-Tage-Linie als Indikator für den kurzfristigen Trend.

Ein Pullback an diese doppelte Unterstützung wäre lehrbuchmäßig und könnte dann bei einer erfolgreichen Verteidigung für eine fortgesetzte Aufwärtsbewegung sprechen. Denn auch die gleitenden Durchschnitte der letzten 50, 100 und 200 Handelstage sind in der richtigen Reihenfolge, aufwärtsgerichtet und deuten damit auf einen weiterhin intakten Aufwärtstrend hin. Insgesamt zeigt der DAX damit derzeit ein konstruktives charttechnisches Bild, weshalb er für technisch motivierte Handelsansätze infrage kommt. Bei einem fortgesetzten Anstieg stellen die nächsten Hürden das Allzeithoch bei 26.573,50 Punkten sowie die psychologische Marke von 27.000 Zählern dar.

Rendite ist nicht das einzige Motiv

So weit die Charttechnik. Was Zertifikate-Anleger unabhängig von der aktuellen Marktlage grundsätzlich antreibt, hat der Bundesverband für strukturierte Wertpapiere (BSW) am 12. August in seiner monatlichen Trendumfrage erhoben. An der Online-Befragung, durchgeführt gemeinsam mit den Börsen Stuttgart und gettex sowie mehreren Finanzportalen, beteiligten sich 787 Personen. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Für 52,3 Prozent der Befragten steht die Steigerung oder Optimierung der Rendite im Vordergrund. Knapp ein Fünftel, 19,6 Prozent, nutzt strukturierte Wertpapiere dagegen zur Absicherung des Depots oder einzelner Positionen. Für 16 Prozent zählt vor allem das gegenüber einem Direktinvestment reduzierte Risiko, und 12,1 Prozent wollen mit ihren Produkten bereits bei seitwärts tendierenden Märkten ein Plus erzielen. „Strukturierte Wertpapiere sind Multitalente, wenn es ums Finetuning im Depot geht“, machte BSW-Vorstand Christian Vollmuth mit Blick auf die Ergebnisse Werbung.

Und richtig eingesetzt, können strukturierte Wertpapiere tatsächlich sinnvolle Werkzeuge sein. Hinter dem Sammelbegriff steckt jedoch eine große Bandbreite an Produkttypen mit ganz unterschiedlichen Konstruktionen. Wer sein Motiv, sei es Rendite, Absicherung, reduziertes Risiko oder Seitwärtsertrag, tatsächlich treffsicher umsetzen will, muss daher genau wissen, wie das jeweils gewählte Produkt funktioniert.

Vier Szenarien, vier mögliche Zertifikate-Strategien

Die Umfrage zeigt vor allem das Warum hinter dem Griff zu Zertifikaten. Für das Wie lohnt sich der Blick auf die eigene Markterwartung, denn je nach Szenario kommen ganz unterschiedliche Produkte infrage.

Wer von einer Fortsetzung des Aufwärtstrends über das Allzeithoch bei 26.573,50 Punkten hinaus in Richtung der 27.000er-Marke ausgeht, kann mit einem Hebelprodukt wie einem Call-Knock-out-Zertifikat überproportional an dieser Bewegung teilhaben. Der Hebel wirkt allerdings in beide Richtungen, fällt der Kurs unter die gewählte Knock-out-Schwelle, droht in der Regel der schnelle Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Für eine länger anhaltende Konsolidierung auf hohem Niveau eignen sich dagegen Bonus- oder Discount-Zertifikate, die selbst bei einer Seitwärtsbewegung des DAX noch eine positive Rendite abwerfen können. Voraussetzung dafür ist meist, dass eine vorab definierte Kursschwelle während der Laufzeit nicht verletzt wird.

Etwas defensiver positioniert sich, wer mit einem moderaten, zeitlich begrenzten Rücksetzer rechnet: Eine klassische Aktienanleihe auf den DAX bringt in diesem Fall einen festen Kupon ein. Anders als bei barriere-geschützten Varianten zählt hier ausschließlich der Kurs am Laufzeitende, ähnlich wie bei einem Short Put. Liegt der Index dann nicht unter dem vorab festgelegten Basispreis, wird der volle Nennbetrag zurückgezahlt, notiert er darunter, partizipiert der Anleger ungebremst an den Verlusten.

Wer schließlich eine größere Korrektur erwartet, kann mit Put-Knock-out-Zertifikaten von fallenden Kursen profitieren, spiegelbildlich zum Call-Knock-out aus dem ersten Szenario, nur mit umgekehrter Richtung und demselben Totalverlustrisiko bei Erreichen der Knock-out-Schwelle. Wer dagegen kein Totalverlustrisiko eingehen, sondern nur ein bestehendes Depot gegen einen Teil möglicher Kursverluste puffern möchte, kann stattdessen auf Put-Optionsscheine setzen. Sie verfallen zwar ebenfalls wertlos, wenn der DAX bis zum Laufzeitende nicht unter den Basispreis fällt, kennen aber, anders als das Knock-out-Zertifikat, keine Knock-out-Schwelle, die schon während der Laufzeit zum vorzeitigen Verfall führt.

Der Rekord ist nur die halbe Geschichte

Wie es beim DAX nach dem neuen Rekord weitergeht, weiß niemand. Das ist zwar eine Binsenweisheit, aber sie beschreibt treffend das eigentliche Grundproblem jeder Börsenaktivität. Ob der Index seinen Aufwärtstrend fortsetzt, moderat zurücksetzt, eine größere Korrektur folgt oder er einfach länger auf hohem Niveau verharrt, lässt sich seriös nicht vorhersagen. Je nach Blickwinkel kommt deshalb jeder Anleger zu einer anderen Einschätzung, und genau das spiegelt sich auch in der BSW-Umfrage wider: Die einen wollen vor allem an der Rendite drehen, andere ihr Risiko senken oder sich gezielt absichern, wieder andere auch bei stagnierenden Kursen noch etwas herausholen. Alle haben dabei eine Gemeinsamkeit: Niemand hat eine Glaskugel, um daraus die weitere Entwicklung abzuleiten. Wer aber die eigene Markteinschätzung kennt und das dazu passende Produkt wirklich versteht, hat zumindest das richtige Werkzeug in der Hand. Auch das ist keine Gewinngarantie, bietet aber einen klaren Vorteil gegenüber dem bloßen Griff ins Blaue.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der DAX markierte am 12. August 2026 mit 26.573,50 Punkten ein neues Allzeithoch, verlor danach aber an Aufwärtsmomentum und befindet sich seither in einer charttechnischen Verschnaufpause.
  • Ein Pullback bis zum alten Allzeithoch von rund 25.900 Punkten wäre charttechnisch lehrbuchmäßig. Der übergeordnete Aufwärtstrend gilt aufgrund der aufwärtsgerichteten gleitenden Durchschnitte weiterhin als intakt.
  • Laut der BSW-Trendumfrage vom 12. August 2026 kaufen 52,3 Prozent der Zertifikate-Anleger die Produkte zur Renditeoptimierung, 19,6 Prozent zur Absicherung, 16 Prozent wegen reduzierten Risikos und 12,1 Prozent für Erträge in Seitwärtsmärkten.
  • Je nach Markterwartung, von einer Fortsetzung des Aufwärtstrends bis zu einer größeren Korrektur, kommen unterschiedliche Zertifikate-Typen infrage, etwa Call- oder Put-Knock-out-Zertifikate, Bonus- oder Discount-Zertifikate sowie Aktienanleihen.

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