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ETFs & Fonds > Dreifacher Krypto-Hebel

3x-Hebel auf Bitcoin und Ether: Cboe fordert SEC zur Entscheidung

| Thomas Behnke | Lesezeit: 6 Min.

Ein Händler in blauem Sakko und orangefarbenem Hemd fasst sich mit geschlossenen Augen und beiden Händen an den Kopf, umgeben von mehreren Kollegen und Bildschirmen. Im Hintergrund ist das Cboe-Logo an der Wand zu erkennen.
Ein Händler reagiert sichtlich angespannt auf dem Options-Handelsparkett von Cboe Global Markets in Chicago. Die Börse hat bei der SEC nun einen Antrag für dreifach gehebelte Bitcoin- und Ether-ETFs gestellt. (Foto: picture alliance/ASSOCIATED PRESS | Nam Y. Huh)

Cboe BZX beantragt bei der SEC erstmals dreifach gehebelte Bitcoin- und Ether-ETFs. Wie der Antrag die 200-Prozent-Grenze umgeht und warum der tägliche Hebel selbst bei unverändertem Kurs Verluste erzeugen kann.

Bitcoin schwankt seit jeher stärker als praktisch jede andere liquide gehandelte Anlageklasse. Gold durchlief in diesem Jahr sowohl ein Rekordhoch als auch ein Todeskreuz. Der Ölpreis wiederum reagiert auf jede geopolitische Zuspitzung binnen Stunden. Macht ein dreifacher Hebel auf Basiswerte mit derart großen Bewegungen die nächste Kursbewegung nicht erst recht zur Gefahr? Genau das steht nun zur Debatte. Die Cboe BZX, eine der größten US-Börsen für ETFs, hat nun bei der US-Börsenaufsicht SEC einen Antrag für sechs neue Hebelprodukte des Anbieters Volatility Shares gestellt, darunter erstmals in den USA ein 3x Bitcoin-ETF und ein 3x Ether-ETF.

Sechs neue 3x-Produkte von Volatility Shares

Gold, Silber, Rohöl, Erdgas, Bitcoin und Ether: Sechs auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Vermögenswerte verbindet Zweierlei. Zum einen zeigen sie eine hohe Schwankungsbreite. Tägliche Veränderungen von mehreren Prozent sind keine Ausnahme. Zum anderen sollen nun Produkte für diese Basiswerte auf den Markt kommen, die täglich deren dreifache Kursbewegung abbilden. Die Cboe BZX Exchange reichte am 10. August einen entsprechenden Antrag ein. Organisiert sind die sechs Produkte als Serien der VS Trust, weil sie die regulären Zulassungsstandards für Hebelprodukte nicht erfüllen und die Börse deshalb eine gesonderte Genehmigung braucht. Emittent ist Volatility Shares, ein Anbieter, der in den USA bereits die zweifach gehebelten Fonds BITX und ETHU auf Bitcoin und Ether anbietet. Diese gehebelte Kursnachbildung erreichen die neuen Produkte primär über Terminkontrakte, nicht durch den Kauf der Basiswerte selbst.

Wie die 200-Prozent-Grenze umgangen werden soll

Für klassische, nach US-Fondsrecht registrierte ETFs gilt eigentlich eine Obergrenze von 200 Prozent Hebel, das entspricht dem zweifachen Hebel, wie ihn etwa BITX und ETHU bereits nutzen. Volatility Shares will diese Regel umgehen, indem der Anbieter die neuen Produkte nicht als Investmentgesellschaft, sondern als Commodity Pool unter Aufsicht der Terminmarktaufsicht CFTC strukturiert. Cboe beantragt auf dieser Basis lediglich die Zulassung zum Handel. Diese Konstruktion kennt eigene Melde- und Registrierungspflichten, aber keine zahlenmäßige Hebelgrenze. Genau diese Lücke ermöglicht den Sprung auf den dreifachen Hebel auf täglicher Basis.

Warum der Hebel tückischer ist als er klingt

Genau diese tägliche Berechnung hat einen Effekt, den viele Anleger unterschätzen. Die dreifache Bewegung bezieht sich nur auf den jeweiligen Handelstag, nicht auf den gesamten Anlagezeitraum. Fällt Bitcoin an einem Tag um 10 Prozent, verliert das gehebelte Produkt an diesem Tag 30 Prozent. Aus einer Anlage von 100 Euro werden so binnen eines Tages 70 Euro. Erholt sich Bitcoin am nächsten Tag wieder vollständig auf seinen Ausgangswert, braucht es dafür ein Plus von 11,1 Prozent. Das gehebelte Produkt verdreifacht auch diesen Gewinn auf 33,3 Prozent. Diese 33,3 Prozent beziehen sich aber bereits auf die auf 70 Euro gesunkene Anlage, sodass daraus rund 93 Euro werden. Obwohl Bitcoin am Ende unverändert bei seinem Ausgangswert steht, bleibt beim Hebelprodukt ein Minus von etwa 7 Prozent übrig. Je länger die Haltedauer und je häufiger und stärker ein Markt in dieser Zeit hin und her schwankt, desto größer wird dieser Effekt, unabhängig davon, ob der Basiswert am Ende im Plus oder im Minus steht. Für langfristige Investments eignen sich die Produkte deshalb nicht. Sie sind auf kurzfristige, spekulative Handelsansätze zugeschnitten.

Wenn Anleger selbst zusätzlich auf Kredit kaufen

Zusätzlich verschärft werden kann dieses Risiko, wenn Anleger die Produkte selbst auf Kreditbasis über ein Margin-Konto kaufen und damit einen weiteren, persönlichen Hebel auf den ohnehin schon dreifachen Produkt-Hebel legen. Genau davor warnt auch die US-Finanzaufsicht FINRA, die für solche gehebelten Wertpapiere ausdrücklich erhöhte Sicherheitsanforderungen an Margin-Konten vorschreibt. Fällt der Kurs dann stark, kann das zu Nachschussforderungen und zwangsweisen Verkäufen durch den Broker führen. Verkaufen viele Anleger zur gleichen Zeit gezwungenermaßen, drückt das den Kurs zusätzlich nach unten, was wiederum neue Nachschussforderungen auslösen kann. Damit kann sich das Risiko von selbst verstärkenden Abwärtsspiralen erhöhen, ein Mechanismus, der sich in diesem Jahr bereits in einem anderen Markt gezeigt hat: bei gehebelten Einzelaktien-ETFs auf südkoreanische Technologiewerte.

Warum gerade Bitcoin und Ether die eigentliche Neuerung sind

Diese Gefahr einer Abwärtsspirale ist am US-Markt selbst kein Neuland, nur ihre mögliche Anwendung auf Kryptowährungen wäre es. Rund 67 Produkte mit drei- oder minus dreifachem Hebel sind laut dem SEC-Dokument bereits an US-Börsen zugelassen, darunter auch auf Gold, Rohöl und Erdgas, vor allem aber auf Aktienindizes und Sektorkörbe. Neu wäre die Kombination aus diesem Hebelfaktor und Kryptowährungen, deren Tagesschwankungen schon ohne jeden Hebel zu den größten unter allen liquide gehandelten Anlageklassen zählen. Wie deutlich sich das schon beim bestehenden 2x-Hebel bemerkbar macht, zeigt der Vergleich mit dem 2x Bitcoin ETF BITX: Der Fonds verlor im bisherigen Jahresverlauf 2026 rund 57 Prozent an Wert, während Bitcoin selbst nur rund 27 Prozent nachgab. Es gab aber auch die andere Richtung: Von Ende März bis Anfang Mai stieg BITX um rund 55 Prozent, mehr als doppelt so stark wie Bitcoin mit rund 27 Prozent im selben Zeitraum. Das verdeutlicht: Große Chancen und große Risiken dieser Produkte sind eng miteinander verknüpft.

Wird der Hebel kommen?

Ob es solche Hebel-ETFs wirklich braucht, darüber wird es sicherlich Pro- und Kontrastimmen geben. Wer auf Bitcoin und Ether ohnehin schon spekulativ setzt, kann sich schon einmal auf die dreifache Dosis einstellen. Eine Entscheidung, ob diese Produkte tatsächlich zugelassen werden, ist aber noch nicht gefallen. Die SEC hat ab der Veröffentlichung im Bundesregister 45 Tage Zeit, mit Verlängerungsoption auf bis zu 90 Tage. Selbst eine Zustimmung würde aber noch nicht reichen: Volatility Shares muss parallel dazu noch eine eigene Zulassung für die Fonds selbst durchbekommen, erst dann darf gehandelt werden. Auf die eingangs gestellte Frage, ob ein dreifacher Hebel auf ohnehin schon stark schwankende Basiswerte diese noch gefährlicher macht, gibt der Antrag selbst keine Antwort. Das Beispiel BITX schon. Es zeigt, dass bereits zweifach gehebelte Produkte nicht nur große Chancen bieten, sondern auch große Risiken beinhalten. Bei dreifachem Hebel kommt noch einmal eine Stufe drauf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Cboe BZX beantragte am 10. August bei der SEC sechs neue 3x-Hebelprodukte von Volatility Shares, darunter erstmals in den USA ein 3x Bitcoin-ETF und ein 3x Ether-ETF.
  • Als Commodity Pool unter CFTC-Aufsicht umgehen die Produkte die für klassische ETFs geltende 200-Prozent-Hebelgrenze.
  • Durch die tägliche Neuberechnung kann ein Hebelprodukt Verluste erleiden, selbst wenn der Basiswert am Ende unverändert steht.
  • Der bestehende 2x Bitcoin-ETF BITX verlor 2026 bislang rund 57 Prozent, während Bitcoin selbst nur rund 27 Prozent nachgab.

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