Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Zertifikate > MDAX-Wert vor Bewährungsprobe

Hensoldt-Zertifikate: Rutsch, Rückeroberung, jetzt zählt der Hebel

| Redaktion Börse am Sonntag | Lesezeit: 5 Min.

Ein khakifarbenes Sensorsystem mit zwei großen Linsen ist auf einer Halterung montiert, im Hintergrund steht eine Person in Tarnkleidung vor einem modernen verglasten Gebäude mit mehreren gehissten Flaggen.
Ein Drohnenabwehrsystem von Hensoldt bei einer Präsentation im Freien vor einem Firmengebäude. Nach einem Rekordauftragsbestand im ersten Halbjahr 2026 testet die Hensoldt-Aktie aktuell ein Ausbruchsszenario über die 200-Tage-Linie. (Foto: picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Hensoldt meldet Rekordauftragsbestand, trotzdem sinkt die Aktie zunächst, bevor sie die 200-Tage-Linie zurückerobert. Das Ausbruchsszenario Richtung 91 Euro und drei Knock-out-Zertifikate im Vergleich.

Der Rüstungskonzern Hensoldt (ISIN: DE000HAG0005) meldete am vergangenen Freitag eine Verdopplung des Auftragseingangs und einen Rekordauftragsbestand, doch die erste Kursreaktion an der Börse war negativ. Fällt das in die Rubrik Sell the good News? Interessant: Der Kurs kehrte mit dem Rückgang an die 200-Tage-Linie zurück und testete diese. Sie hielt, und zum Auftakt in die neue Börsenwoche setzte sich der MDAX-Wert davon nach oben ab. Ist das ein Signal für eine kurzfristige Long-Spekulation?

Auftragseingang verdoppelt, Umsatz und Ergebnis ziehen deutlich an

Über zehn Milliarden Euro, das ist der bemerkenswert hohe Auftragsbestand, den Hensoldt zum Ende seines ersten Halbjahres 2026 in den Büchern stehen hatte. Gemessen am Umsatz des Geschäftsjahres 2025 entspricht das rund vier Jahren an Polster. Beschaffungsaufträge der Bundesrepublik Deutschland und weiterer europäischer Staaten führten binnen eines Jahres zu einer Verdopplung der Neubestellungen von 1,405 auf 2,812 Milliarden Euro. Diese Entwicklung spricht, wie die anderen operativen Kennzahlen, für ein derzeit positives Geschäftsumfeld. So erhöhte sich der Umsatz um 23,6 Prozent auf 1,167 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) legte mit 28,5 Prozent auf 137 Millionen Euro sogar noch etwas stärker zu.

Vom Juni-Tief zum bestätigten Pullback

Die Börse reagierte trotzdem kühl, die Aktie verlor am Berichtstag deutlicher und fiel dabei bis zu ihrer 200-Tage-Linie zurück, die erst wenige Handelstage zuvor zurückerobert worden war. Diese Entwicklung passt zu einem Jahr, in dem Hensoldt-Aktionäre ohnehin einiges an Nervenstärke brauchten. Schon im Juni war die Aktie unter wichtige gleitende Durchschnitte gerutscht, unter anderem, nachdem die Bundeswehr das Fregattenprogramm F126 stoppte und Hensoldt dadurch einen Auftrag über 200 Millionen Euro verlor. Am 26. Juni wurde dabei mit 63,18 Euro das Korrekturtief markiert. Seither hat sich jedoch ein kurzfristiger Aufwärtstrend gebildet, der sich trotz der ersten negativen Kursreaktion auf die Halbjahreszahlen bestätigen könnte.

Und zwar dann, wenn es dem Kurs gelingt, das letzte Verlaufshoch bei 86,08 Euro zu überwinden. Die positive Kursreaktion zum Auftakt der neuen Börsenwoche bietet Anlass für diese Annahme. Bemerkenswert dabei: Statt nachhaltig die 200-Tage-Linie zu verletzen, hielt diese potenzielle Unterstützung, und der Kurs setzte sich davon wieder nach oben ab. Das spricht für einen erfolgreichen Pullback. Ein nachhaltiger Bruch nach unten hätte dagegen als deutliches Verkaufssignal gewertet werden können. Die schnelle Rückeroberung zeugt entsprechend von Stärke.

Warum setzen Anleger jetzt auf Hensoldt-Knock-outs?

Gelingt nun ein Ausbruch über die 86,08er-Marke, öffnet sich charttechnisch Raum bis in die Zone von 91,26 bis 91,72 Euro, ein Kursziel, das gut sieben Prozent über dem aktuellen Niveau liegt. Für Anleger, die auf dieses Ausbruchsszenario setzen wollen, ohne gleich das volle Kapital in die Aktie zu investieren, kommen Knock-out-Zertifikate infrage. Diese Hebelprodukte bilden die Kursbewegung des Basiswerts überproportional ab. Steigt Hensoldt in Richtung der Zielzone, fällt der Gewinn entsprechend höher aus als bei einem Direktinvestment in die Aktie. Der Hebel wirkt jedoch in beide Richtungen, fällt der Kurs unter die gewählte K.O.-Schwelle, verfällt das Produkt in der Regel sofort, meist mit Totalverlust des eingesetzten Kapitals.

Gerade bei Hensoldt, wo sich in den vergangenen Wochen mehrfach gezeigt hat, wie schnell aus einer Erholung wieder ein Rücksetzer werden kann, lohnt sich ein Blick auf die Lage der K.O.-Schwelle im Verhältnis zur 200-Tage-Linie. Wer die Schwelle zu eng am aktuellen Kurs wählt, riskiert, bei der nächsten Verschnaufpause vorzeitig ausgestoppt zu werden.

Wie viel Sicherheitsabstand zum aktuellen Kurs ist sinnvoll?

Drei aktuelle Beispiele für Call-Knock-outs auf Hensoldt, Stand 3. August 2026, veranschaulichen den Zusammenhang zwischen Hebel und Risiko. Ein Papier der DZ Bank bietet mit einem Hebel von 3,00 den größten Sicherheitsabstand: Die K.O.-Barriere liegt bei 59,4006 Euro, gut 30 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Ein vorzeitiges Ausstoppen durch kurzfristige Rücksetzer ist damit vergleichsweise unwahrscheinlich, dafür fällt auch der Hebeleffekt moderater aus. Ein Zertifikat von BNP Paribas mit Hebel 4,68 verkürzt den Abstand zur Barriere auf gut 20 Prozent. Hier liegen Basispreis und K.O.-Schwelle mit 67,7853 Euro exakt gleich, das Produkt läuft ohne Stop-Loss-Mechanismus, bei einer Berührung der Barriere droht entsprechend der vollständige Verlust. Am anderen Ende steht ein Papier von UniCredit mit Hebel 6,40, dessen Barriere mit 75,1700 Euro nur noch knapp 11,5 Prozent unter dem aktuellen Kurs liegt. Schon ein Rücksetzer unter die 200-Tage-Linie wie am vergangenen Freitag (31. Juli 2026) könnte hier ausreichen, um vorzeitig ausgestoppt zu werden, im Gegenzug würde ein gelingender Ausbruch besonders stark zu Buche schlagen.

Drei Knock-out-Zertifikate auf Hensoldt im Vergleich

WKN Emittent Hebel K.O.-Barriere Abstand zur Barriere Sicherungsmechanismus
DN21GV DZ Bank 3,00 59,4006 Euro 30,05 Prozent mit Stop-Loss
BY5WXP BNP Paribas 4,68 67,7853 Euro 20,29 Prozent ohne Stop-Loss
UR185E UniCredit 6,40 75,1700 Euro 11,48 Prozent mit Stop-Loss

Stand: 03.08.2026

Wer den Hebel wählt, wählt auch das Risiko

Wer bei Hensoldt in den vergangenen Monaten auf Nervenstärke verzichten wollte, war in der falschen Aktie unterwegs. Erst der Ausverkauf nach dem F126-Aus, dann die Erholung, jetzt der Fehlstart trotz Rekordbuch, gefolgt vom sofortigen Comeback über der 200-Tage-Linie. Die Kurshistorie der vergangenen Wochen liest sich wie ein Belastungstest für die eigene Risikobereitschaft, mit oder ohne Hebel. Wer sich für einen der drei Knock-outs entscheidet, kauft damit auch ein Stück dieser Achterbahn, nur eben in konzentrierter Form.

Das Wichtigste in Kürze

  • Hensoldt meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Rekordauftragsbestand von 10,356 Milliarden Euro sowie einen auf 2,812 Milliarden Euro verdoppelten Auftragseingang
  • Trotz der starken Zahlen fiel die Aktie am Berichtstag zurück auf ihre 200-Tage-Linie, die Marke hielt, zum Wochenauftakt setzte sich der Kurs wieder davon nach oben ab
  • Gelingt der Ausbruch über das Verlaufshoch von 86,08 Euro, öffnet sich charttechnisch Raum bis in die Zone von 91,26 bis 91,72 Euro
  • Beispielhaft stehen für dieses Szenario Knock-out-Zertifikate mit unterschiedlichem Hebel zur Verfügung, drei betrachtete Papiere reichen von Hebel 3,00 mit rund 30 Prozent Sicherheitsabstand bis Hebel 6,40 mit rund 11,5 Prozent Abstand zur K.O.-Schwelle, bei deren Erreichen der jeweilige Totalverlust droht.

Nichts verpassen: Der kostenlose Newsletter der BÖRSE am Sonntag liefert Ihnen wöchentlich Marktanalysen, Unternehmensnews und Anlagestrategien direkt ins Postfach.
Jetzt kostenlos abonnieren!

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Ähnliche Artikel