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Märkte > Technologiewerte unter Druck

NASDAQ-100 rutscht ab: jetzt entscheidet die 200-Tage-Linie

| Thomas Behnke | Lesezeit: 5 Min.

Ein Börsenhändler in blauer Jacke blickt konzentriert nach oben auf mehrere Bildschirme mit Kursdaten, im Hintergrund weitere Monitore und eine kleine US-Flagge auf dem Schreibtisch.
Ein Börsenhändler an der New York Stock Exchange verfolgt die Kursbewegungen auf mehreren Bildschirmen. Der NASDAQ-100 ist seit seinem Allzeithoch Anfang Juni um fast 12 Prozent gefallen. (Foto: picture alliance / newscom | JOHN ANGELILLO)

Der NASDAQ-100 ist nach einer starken Rally spürbar zurückgefallen. Welche Marken jetzt entscheidend sind und warum die Schwergewichte die Richtung vorgeben.

Der NASDAQ-100 hat in diesem Jahr gezeigt, wozu er fähig ist, in beide Richtungen. Auf einen der stärksten Anstiege der vergangenen Jahre folgte zuletzt ein spürbarer Rückschlag. Ob es sich dabei nur um eine der üblichen Verschnaufpausen handelt oder um den Auftakt zu etwas Größerem, ist derzeit offen. Die Charttechnik zeigt zumindest, an welchen Marken sich diese Frage nun entscheiden könnte.

Nach der Rekordrally folgt beim NASDAQ-100 ein bekanntes Muster

34,7 Prozent, das war der Zuwachs, den der NASDAQ-100 (NDX) seit seinem markanten Tief im März dieses Jahres bis zum Allzeithoch Anfang Juni verbuchte. Eine spektakuläre Entwicklung, die einmal mehr zeigt, welche Dynamik der Technologieindex an den Tag legen kann. Getragen wurde diese Rally von der starken Performance der Indexmitglieder, die vom KI-Boom profitieren und entsprechend kräftige Kursgewinne verzeichnet hatten. Die Crux ist jedoch, dass diese Dynamik nicht nur bei Anstiegen auftritt, sondern auch bei Rückgängen. Bislang beträgt das Minus beim NASDAQ-100 seit seiner historischen Bestmarke fast 12 Prozent. Diese Delle ist im Chartbild klar erkennbar. Vor dem Hintergrund des zuvor kräftigen Anstiegs liegt der aktuelle Rückgang bislang jedoch nach wie vor im Rahmen dessen, was man als normale Korrektur werten kann. So gab es in den letzten drei Jahren insgesamt vier weitere größere Rückgänge von rund 12 Prozent (2023), 16 Prozent (2024), 26 Prozent (2024/25) und 13 Prozent (2025/26).

Wichtige charttechnische Marken sind bereits gefallen

Die letzte Verschnaufpause zog sich dabei von Oktober 2025 bis März 2026 und damit über einen relativ langen Zeitraum hin. Dadurch änderte sich, wie schon bei den Korrekturen zuvor, aber nichts am übergeordneten Aufwärtstrend, der sich letztlich immer fortgesetzt hatte. Daraus lässt sich natürlich keine Gesetzmäßigkeit ableiten. Offen ist daher, ob es sich auch diesmal nur um eine temporäre Verschnaufpause handelt oder um den Beginn eines größeren Bärenmarktes. Wie immer an den Börsen gibt es keine Glaskugel, aus der sich die weitere Entwicklung herauslesen ließe. Es bleibt nur der Blick auf die aktuelle Gemengelage. Und hier ist aus charttechnischer Sicht festzuhalten, dass der NASDAQ-100 zuletzt unter seine kurzfristige Unterstützung bei 28.197 Punkten gerutscht ist, die aus dem Zwischentief von Anfang Juni dieses Jahres resultiert. Zuvor hatte sich die Keilformation, die sich seit dem Allzeithoch gebildet hatte, nach unten aufgelöst. Nachdem bereits Mitte Juli die 21-Tage-Linie als kurzfristiger und die 50-Tage-Linie als mittelfristiger Trendindikator unterschritten wurden, rutschte das Kursbarometer nun auch unter seine 100-Tage-Linie.

Wo die nächste Unterstützungszone verläuft

Damit rückt jetzt die 200-Tage-Linie ins Visier. Diese verläuft aktuell bei 26.472 Zählern und ist nach wie vor aufwärts gerichtet. Knapp darunter, bei 26.182 Punkten, befindet sich zudem eine Unterstützung, die aus dem Zwischenhoch von Oktober 2025 resultiert. In diesem Cluster im Bereich von etwa 26.000 bis 26.500 Punkten besteht damit die Chance, dass die aktuelle Korrektur spätestens dort endet beziehungsweise nach einem Test und dabei möglicherweise kurzzeitigem Unterschreiten schnell wieder zurückerobert werden kann. Sollte die potenzielle Haltezone jedoch nachhaltig unterschritten werden, ist auch eine ausgedehntere Korrektur nicht auszuschließen. Ein erstes Ziel könnte dabei die Region rund um die Marke von 23.000 Punkten sein.

Die Schwergewichte entscheiden über die weitere Richtung

Die weitere Entwicklung des NASDAQ-100 wird dabei maßgeblich von den Schwergewichten abhängen. Allein auf die Top 5, Apple, NVIDIA, Alphabet, Microsoft und Amazon, entfallen derzeit knapp 50 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des Index. Bei den Top 10, zu denen aktuell noch Broadcom, Meta Platforms, SpaceX, Tesla und Walmart zählen, sind es fast 68 Prozent. Diese Schwergewichte dürften damit die Richtung in den nächsten Wochen vorgeben. Ein Blick auf ihre Charts zeigt dabei derzeit teilweise Konstellationen, die zur Vorsicht mahnen. So ist beispielsweise die NVIDIA-Aktie gerade unter ihre 200-Tage-Linie gerutscht. Gleiches gilt für Amazon und Meta. Andere, wie Microsoft oder Tesla, liegen bereits länger und deutlicher unter diesem Indikator für den langfristigen Trend. Auch beim Börsenneuling SpaceX hat sich die Euphorie zum IPO in Ernüchterung verkehrt, die Aktie ist inzwischen deutlich unter ihren Ausgabepreis von 135 US-Dollar gerutscht.

Einen charttechnischen Lichtblick stellt aktuell lediglich die Apple-Aktie dar. Sie erreichte erst gestern mit 344,57 US-Dollar ein neues Allzeithoch. Allerdings werden heute, am 30. Juli 2026, nach Börsenschluss Quartalszahlen veröffentlicht. Offen ist, wie der Markt auf Zahlen und Ausblick reagieren wird. Ebenfalls Ergebnisse vorlegen wird heute Amazon. Bereits gestern hatten Meta Platforms und Microsoft ihre Ergebnisse nach Börsenschluss veröffentlicht. Während die nachbörsliche Reaktion bei Microsoft positiv ausfiel, reagierte die Meta-Aktie mit deutlicheren Abgaben.

Andere Indexwerte zeigen Stärke

Die Gemengelage scheint damit derzeit alles andere als euphorisch. Ein Blick tiefer in das Innere des Kursbarometers zeigt jedoch, dass nicht alles schlecht ist. So notieren aktuell rund 65 Prozent der Indexmitglieder über ihren 200-Tage-Linien. Das ist ein relativ hoher Wert. Zum Vergleich: Das Tief in den letzten 12 Monaten lag bei 39 Prozent (Ende März) und 76 Prozent (Juli 2025). Werte wie der Bekleidungsdiscounter Ross Stores, der Biotechkonzern Amgen und der Nutzfahrzeughersteller Paccar haben gerade erst neue Allzeithochs markiert.

Warum ein tieferer Blick in den Index lohnt

Der NASDAQ-100 ist technisch angeschlagen, das mahnt aktuell zur Vorsicht. Wie weit sich die Korrektur noch ausdehnt und ob der übergeordnete Aufwärtstrend bald wieder greift, bleibt offen. Vor allem die Schwergewichte dürften auch hier weiterhin den Takt vorgeben. Vielleicht markiert die Unterstützungszone im Bereich der 200-Tage-Linie bereits das maximale Korrekturpotenzial, verlassen sollte man sich darauf aber nicht. Der NASDAQ-100 besteht aber nicht nur aus seinen Schwergewichten. Der Blick lohnt sich daher auch abseits davon. Im Kursbarometer finden sich weitere Werte, die eine nähere Betrachtung wert sind, auch wenn diese nicht so stark im Fokus stehen wie NVIDIA und Co. Es gibt eben nicht den einen Aktienmarkt, sondern einen Markt voller Aktien. Das gilt erst recht für den NASDAQ-100.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der NASDAQ-100 ist seit seinem Allzeithoch Anfang Juni um fast 12 Prozent gefallen, nach einem Anstieg von 34,7 Prozent seit dem Tief im März
  • Der Index ist zuletzt unter seine 21-, 50- und 100-Tage-Linie gerutscht
  • Als nächste wichtige Marke gilt die Zone um die 200-Tage-Linie bei etwa 26.000 bis 26.500 Punkten
  • Bei einem nachhaltigen Bruch dieser Zone könnte die Korrektur bis in den Bereich von 23.000 Punkten reichen
  • Auf die fünf größten Indexmitglieder entfallen knapp 50 Prozent der Marktkapitalisierung, auf die zehn größten fast 68 Prozent
  • NVIDIA, Amazon und Meta notieren bereits unter ihrer 200-Tage-Linie, Apple erreichte dagegen erst gestern (29.07.2026) ein neues Allzeithoch
  • Rund 65 Prozent der Indexmitglieder notieren weiterhin über ihrer 200-Tage-Linie, darunter Ross Stores, Amgen und Paccar mit neuen Allzeithochs

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