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Moore Threads Technology mit starkem IPO: KI-Blase? Welche KI-Blase?

| Thomas Behnke

Techniker mit Schutzhelm und Laptop steht zwischen hohen Serverracks in einem Rechenzentrum.
Ein Techniker mit Schutzhelm überprüft mit einem Laptop die Serverracks in einem Rechenzentrum. (Foto: Shutterstock)

Moore Threads Technology feiert einen spektakulären Börsengang. Doch rechtfertigen KI-Boom, China-Fantasie und hohe Bewertungen die Euphorie oder mehren sich damit die Anzeichen einer KI-Blase?

Das Thema Künstliche Intelligenz war auch im Börsenjahr 2025 eines der beherrschenden Themen an den Finanzmärkten und prägte die Kursentwicklungen. So hatte beispielsweise der Chipriese NVIDIA als Profiteur des KI-Booms in der Spitze einer Marktkapitalisierung von mehr als 5.000 Milliarden US-Dollar erreicht. Dieser Börsenwert der Superlative, der in etwa dem Volumen des deutschen Bruttoinlandsproduktes entspricht, trägt mit zu der zunehmend gestellten Frage bei, ob wir uns in einer KI-Blase befinden. Ist vielleicht das spektakuläre Börsendebüt des chinesischen Unternehmens Moore Threads Technology Teil der Antwort? Und was hat es mit dem Neuling auf sich, der gerne als „Chinas NVIDIA“ bezeichnet wird?

Spektakulärer Börsengang von „Chinas NVIDIA“

Die Definition für einen äußerst gelungenen Börsenstart muss wohl neu festgelegt werden. Am Freitag, den 5. Dezember 2025 war das chinesische Unternehmen Moore Threads Technology (Code: 688795) am STAR Market debütiert, dem Technologie- und Innovationssegment der Börse Shanghai und vergleichbar mit der Nasdaq. Die Kursentwicklung zum IPO hätte kaum spektakulärer sein können und es fällt schwer, sie ohne Superlative zu beschreiben.

Der Emissionspreis lag bei 114,28 chinesische Yuan pro Aktie. Der Eröffnungskurs wurde dann bei 650 Yuan festgestellt, zum Tageshoch wurden sogar 688 Yuan erreicht. Das entspricht einem Plus gegenüber dem Ausgabepreis von über 500 Prozent. An den folgenden beiden Handelstagen ging es etwas ruhiger zu, bevor der Preis am Mittwoch, den 10. Dezember, den Kursrekord vom IPO-Tag noch einmal toppte. In der Spitze wurden fast 800 Yuan erreicht, was einem Plus zum Ausgabepreis von rund 600 Prozent entspricht. Auch wenn dieses Niveau im Tagesverlauf nicht gehalten werden konnte und die Aktie mit 735 Yuan aus dem Handel ging, zeigt die bisherige Entwicklung dennoch eine bemerkenswerte Dynamik.

Als Beobachter kommt man nicht umhin, diese kritisch zu hinterfragen und im Kontext der aktuellen Debatte über eine sich möglicherweise gebildete KI-Blase zu bewerten. Ist das Kursfeuerwerk von Moore Threads Technology ein weiteres Indiz dafür, dass die zweifelsohne berechtigten hohen Wachstumserwartungen im Zusammenhang mit der dynamischen Entwicklung von Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz inzwischen ein zu hohes Maß erreicht haben? Vor einer eventuellen Antwort stellt aber die Frage: Was macht der Börsenneuling eigentlich?

Chips für Cloud, 3D-Grafik und KI-Modelle

Moore Threads Technology ist ein 2020 gegründeter chinesischer Chipentwickler. Der Firmenname spielt, angelehnt an das Mooresche Gesetz mit stetig wachsender Rechenleistung, auf immer mehr parallel arbeitende Berechnungen an und unterstreicht den Fokus des Unternehmens auf Hochleistungs- und KI-Chips. Zu den Kernprodukten gehören Grafikprozessoren, sogenannte GPUs. Diese und andere Chips werden in der Cloud, beim Training großer KI-Modelle, für 3D-Grafik, Video-Bearbeitung und Simulationen eingesetzt. Außerdem entwickelt das Unternehmen Treiber, Software-Werkzeuge und Plattformen für virtuelle Abbilder realer Anlagen und Produkte, sogenannte digitale Zwillinge, Metaverse-Anwendungen und generative KI. Kurz gesagt: Moore Threads baut die Chips, die Bilder, Videos und KI-Berechnungen deutlich beschleunigen.

Insgesamt ähnelt das Geschäftsmodell damit stark dem von NVIDIA (ISIN: US67066G1040). Das ist nicht verwunderlich, weil die chinesische Firma vom ehemaligen Nvidia-Manager Zhang Jianzhong gegründet wurde. Das erklärt auch, warum Moore Threads häufig als „Chinas NVIDIA“ bezeichnet wird.

IPO als strategischer Schritt zur Kapitalbeschaffung

Der nun erfolgte Börsengang ist dabei sicherlich auch ein Schritt, dem großen Vorbild aus den USA zu folgen und stärker ins Rampenlicht zu rücken. Auffällig ist jedoch, dass das Unternehmen zum IPO ausschließlich neue Aktien ausgegeben hat. Altaktionäre haben keine Anteile veräußert. Damit unterscheidet sich das Debüt von vielen anderen, bei denen häufig bisherige Investoren Kasse machen.

Insgesamt wurden 70 Millionen neue Aktien ausgegeben, wodurch der Gesellschaft ein Emissionserlös von umgerechnet rund 971 Millionen Euro brutto zugeflossen ist. Er soll für die Entwicklung neuer Chips verwendet werden. Ein plausibler und sinnvoll erscheinender Schritt. Denn Moore Threads Technology steht im Vergleich zu vielen Wettbewerbern noch am Anfang seiner Entwicklung. Der Neuling muss sich ordentlich ins Zeug legen, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Er will sich in dem anspruchsvollen Segment für GPUs als führender einheimischer Anbieter etablieren und sich als Herausforderer von NVIDIA etablieren. Der Vorstand betont in diesem Zusammenhang, dass die US-Exportbeschränkungen für wichtige Chiptechnologien nach China eine Chance darstellen, weil chinesische Kunden verstärkt auf inländische GPUs umsteigen müssen. 

Die Messlatte ist damit nicht gerade niedrig. Moore Threads Technology setzt daher auf eine beschleunigte Forschung- und Entwicklung, eine schnellere Software-Optimierung und eine konsequente Kommerzialisierung der Produkte. Die extrem hohen F&E-Quoten von zuletzt über 300 Prozent vom Umsatz werden daher explizit als bewusste Vorleistung für Technologiesprünge und eine Stärkung der Marktpositionierung angesehen.

China- und KI-Fantasie: Mehr Hype geht fast nicht

Das nun erfolgreich durchgeführte IPO ist dabei ein wichtiger Schritt bei der Umsetzung der Strategie. Und das sorgt auch für große Resonanz bei den Anlegern, wie die Kursentwicklung nach dem Börsengang nahelegt. Dabei wird sicherlich auch darauf spekuliert, dass das Unternehmen von Pekings Bestrebungen zur Förderung der heimischen Chip-Produktion profitieren dürfte. Diese Annahme ist zweifelsohne berechtigt. Trotzdem bleibt die Frage, ob die inzwischen eingepreiste Wachstumsfantasie nicht maßlos übertrieben ist und damit eine Kursentwicklung folgen könnte, wie sie andere anfangs gehypte Börsenneulinge gezeigt haben. Nämlich, dass nach anfänglicher Euphorie eine ernüchternde Talfahrt folgte, weil Erwartungen und Börsenwert zu weit auseinanderklaffen.

Ob das auch bei der Aktie von Moore Threads Technology zutrifft, wird sich zeigen. Die Grundlage für ein solches Szenario ist aber in jedem Fall gegeben, wie folgenden Fakten verdeutlichen.

Ist der Börsenwert gerechtfertigt?

So hat die Marktkapitalisierung in der Spitze umgerechnet über 45 Milliarden Euro erreicht. Vor dem Hintergrund der noch vergleichsweise geringen Einnahmen ist das ein beträchtlicher Wert. Zwar gibt es seit 2022 dynamische Steigerungen, allerdings von einer sehr niedrigen Ausgangsbasis aus. Auch sind die absoluten Werte weiterhin niedrig. Im ersten Halbjahr 2025 lagen die Umsätze bei umgerechnet ca. 85 Millionen Euro, für das Gesamtjahr werden rund 182 Millionen Euro angestrebt.

Hinzu kommen die grundsätzlichen Risiken. Moore Threads Technology hat zwar große Ambitionen, weist aber eindeutige Rückstände bei Technologie und Software-Ökosystem gegenüber globalen GPU-Platzhirschen wie NVIDIA oder AMD auf. Hinzu kommen eine starke Abhängigkeit von politisch gesteuerter Nachfrage im chinesischen Markt sowie die anhaltenden Verluste und der negative operative Cashflow. Laut IPO-Prospekt wird erst ab 2027 mit schwarzen Zahlen gerechnet.

Die Entwicklung des Geschäftsmodells ist damit erst einmal von frischem Kapital und Kapitalmarktvertrauen abhängig. Zusammen bedeutet das: Gelingt es nicht schnell genug, ein konkurrenzfähiges Produkt- und Software-Ökosystem aufzubauen und den Übergang in profitables Wachstum zu schaffen, kann das Geschäftsmodell trotz hoher strategischer Bedeutung ins Wanken geraten und mit ihm der Aktienkurs.

Was ist, wenn die Nachfrage nachlässt?

Oder anders ausgedrückt: es müssen nun schnelle Fortschritte bei der strategischen Weiterentwicklung gemacht und dauerhaft belastbare Fakten geschaffen werden, um die derzeitige Euphorie nicht in Enttäuschung und Ernüchterung umschlagen zu lassen. Das gilt auch mit Blick auf das gesamte KI-Thema. Investitionen in die Entwicklung von KI-Infrastrukturen und KI-Anwendungen sind zwar nötig, aber diese Ausgaben müssen sich letztlich auch monetär rechnen. Und in dieser Hinsicht sind angesichts der inzwischen erreichten Dimensionen von weltweit mehreren hundert Milliarden Dollar im Jahr Zweifel angebracht.

Hersteller von Hochleistungschips, die eine essenzielle Grundlage für den Aufbau von KI-Infrastrukturen bilden, sind in dieser Hinsicht zwar nicht so stark betroffen, wie die Käufer dieser Produkte. Eine weniger als dynamisch erwartete Nachfrage, angesichts normalisierter Erwartungen bzw. schwieriger werdenden Finanzierungen, könnte sich jedoch auch bei den Schaufelverkäufern des KI-Rausches bemerkbar machen. Damit sind wir bei der Kernfrage: Sehen wir bereits eine übertriebene Euphorie in Sachen KI und vielleicht schon eine Blase?

Moore Threads als Spiegel der KI-Bewertungsdebatte

Der dynamische Kursanstieg von Moore Threads Technology nach dem Börsengang ist ein klares Indiz für die derzeit vorherrschende Euphorie im Zusammenhang mit der KI-Entwicklung. Die Annahme einer Blase ist nicht von der Hand zu weisen. „Chinas NVIDIA“ ist dabei nur ein deutliches Symptom, das die grundsätzliche Problematik verdeutlicht. Nur weil ein Unternehmen das Label KI hat, heißt das noch lange nicht, dass langfristig ein geschäftlicher Erfolg eintreten wird, der die aktuellen Bewertungen an der Börse rechtfertigt.

Auch wenn die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Geschäftsentwicklung angesichts aussichtsreicher Perspektiven grundsätzlich vorhanden sind, bestehen Risiken für die Aktienkurse. Das gilt selbst für bereits etablierte Unternehmen wie NVIDIA. Aber umso mehr für Börsenneulinge wie Moore Threads Technology. Die Quintessenz ist: es verdichten sich die Anzeichen für eine KI-Blase. Und solche Blasen neigen dazu, früher oder später zu platzen. Das wird auch diesmal der Fall sein. Allerdings lässt sich nicht vorhersagen, wie groß die Blase sein wird und wann der Zeitpunkt gekommen ist, an dem auch diese ihre Nadel findet.

FAQ: Moore Threads Technology und die Debatte um die KI-Blase

  1. Was macht Moore Threads Technology eigentlich?
    Moore Threads Technology entwickelt Grafikprozessoren (GPUs) sowie Software für Cloud-Rechenzentren, 3D-Grafik, Simulationen und Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz. Das Unternehmen positioniert sich als chinesische Alternative zu westlichen GPU-Anbietern und setzt dabei auf eine Kombination aus eigener Chipentwicklung und Software-Plattformen.
  2. Warum wird Moore Threads oft als „Chinas NVIDIA“ bezeichnet?
    Das Geschäftsmodell ähnelt stark dem von NVIDIA: GPUs werden als universelle Rechenbeschleuniger für Grafik und KI eingesetzt. Zudem wurde Moore Threads vom ehemaligen Nvidia-Manager Zhang Jianzhong gegründet. Die Bezeichnung beschreibt jedoch eher den strategischen Anspruch als den aktuellen Entwicklungsstand.
  3. Wie groß ist Moore Threads im Vergleich zu NVIDIA und AMD?
    NVIDIA ist weltweit der klare Marktführer bei GPU-Beschleunigern für KI-Rechenzentren. Das Unternehmen verfügt über einen dominanten Marktanteil, ein ausgereiftes CUDA-Software-Ökosystem und gilt faktisch als Branchenstandard. AMD ist der wichtigste Herausforderer im High-End-Segment, mit technisch konkurrenzfähigen KI-GPUs der MI-Serie und einer wachsenden Softwareplattform, bleibt aber deutlich kleiner als NVIDIA. Moore Threads agiert bislang primär im chinesischen Markt und befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase. Technologisch und beim Software-Ökosystem liegt das Unternehmen klar hinter den beiden US-Konzernen zurück.
  4. Warum reagieren Anleger so euphorisch auf den Börsengang?
    Anleger setzen darauf, dass Moore Threads von Pekings Förderung der heimischen Chip-Industrie profitiert und langfristig Marktanteile von US-Anbietern übernehmen kann. Hinzu kommt die generell hohe Fantasie rund um KI und Rechenzentren, die aktuell hohe Bewertungen rechtfertigen soll.
  5. Welche Rolle spielen Erwartungen für die weitere Kursentwicklung der Aktie?
    Der starke Kursanstieg zeigt, dass Anleger bereits sehr hohe Erwartungen an die künftige Geschäftsentwicklung eingepreist haben. Ob sich diese Erwartungen erfüllen, hängt maßgeblich davon ab, ob Moore Threads technologisch aufholen und den Übergang in profitables Wachstum schafft. Bleiben operative Fortschritte oder die Nachfrage hinter den Erwartungen zurück, steigt das Risiko deutlicher Kurskorrekturen.
  6. Ist der starke Kursanstieg nach dem Börsengang ein weiteres Indiz für eine KI-Blase?
    Ja, der außergewöhnlich starke Kursanstieg kann als weiteres Anzeichen für eine überzogene Euphorie im KI-Sektor gewertet werden. Wenn Bewertungen in kurzer Zeit stark steigen, ohne dass Umsatz, Profitabilität oder technologische Reife Schritt halten, wächst die Gefahr, dass Erwartungen und Realität auseinanderdriften. Genau dieses Spannungsfeld gilt als typisches Merkmal von Blasenbildungen an den Kapitalmärkten.
  7. Ist die Aktie von Moore Threads Technology auch in Deutschland handelbar?
    Nein. Die Aktie von Moore Threads Technology ist ausschließlich am chinesischen STAR Market der Börse Shanghai notiert. Ein direkter Handel an deutschen Börsenplätzen oder über ein ADR-Programm ist derzeit nicht möglich. Für Privatanleger aus Deutschland ist ein Investment daher nur über einen Zugang zu chinesischen A-Aktien denkbar, der in der Praxis meist institutionellen Investoren vorbehalten ist.

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