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Bitcoin-Bärenmarkt: Ist 2026 wirklich alles anders?

| Louis Blümlein

Bitcoin fängt Feuer.
Bitcoin schafft bislang keinen Ausbruch nach oben. Für Anleger lohnt ein Blick auf wichtige Kennzahlen. (Foto: Shutterstock)

Jeder Bitcoin-Bärenmarkt verläuft anders, dennoch lassen sich aus früheren Zyklen wichtige Rückschlüsse ziehen.

Ein Blick auf die vergangenen Marktzyklen zeigt, dass Bitcoin in Bärenmärkten regelmäßig massive Kursverluste hinnehmen musste. Nach dem Hoch im Jahr 2013 verlor die Kryptowährung bis Anfang 2015 rund 86 Prozent ihres Wertes. Der Zusammenbruch der Kryptobörse Mt. Gox, die damals geringe Liquidität sowie ein insgesamt noch sehr spekulativer Markt sorgten für den stärksten Einbruch der Bitcoin-Geschichte.

Auch der darauffolgende Zyklus verlief ähnlich. Nach dem Rekordhoch von knapp 20.000 US-Dollar Ende 2017 fiel Bitcoin bis Ende 2018 auf rund 3.150 US-Dollar zurück. Das entsprach einem Minus von rund 84 Prozent. Die geplatzte ICO-Blase, zahlreiche gescheiterte Projekte und strengere Regulierungen belasteten den gesamten Kryptomarkt.

Im Bärenmarkt 2022 verlor Bitcoin schließlich rund 77 Prozent seines Wertes. Anders als in den Jahren zuvor spielten diesmal jedoch nicht nur interne Probleme der Kryptobranche eine Rolle. Neben dem Zusammenbruch von Terra, Celsius, Three Arrows Capital und FTX belasteten vor allem die aggressiven Zinserhöhungen der US-Notenbank sämtliche Risikoanlagen.

Betrachtet man diese drei Zyklen zusammen, fällt ein Muster auf. Zwar waren die Kursverluste jedes Mal enorm, gleichzeitig nahm die Intensität der Rückgänge mit jedem weiteren Zyklus etwas ab. Dieser Trend könnte auch für den aktuellen Markt eine wichtige Rolle spielen.

Warum sich der aktuelle Zyklus von früher unterscheidet

Seit dem Allzeithoch bei rund 126.000 US-Dollar hat Bitcoin aktuell rund 52 Prozent an Wert verloren. Historisch betrachtet ist das zwar bereits eine kräftige Korrektur, im Vergleich zu früheren Bärenmärkten fällt der Rückgang bislang aber deutlich moderater aus.

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der heutigen Marktstruktur. Bitcoin ist inzwischen deutlich stärker am klassischen Finanzmarkt angekommen als noch vor einigen Jahren. Institutionelle Investoren, Spot-ETFs und langfristig orientierte Anleger halten heute einen erheblich größeren Teil des gesamten Angebots. Dadurch könnte sich auch die Dynamik während eines Bärenmarktes verändert haben.

Diese Entwicklung zeigt sich auch bei der Kennzahl Supply in Loss. Sie misst den Anteil aller umlaufenden Bitcoin, die aktuell unter ihrem jeweiligen Kaufpreis liegen. In den vergangenen Marktzyklen entstanden größere Tiefpunkte meist erst dann, wenn diese Kennzahl eine langfristige Trendlinie erreichte. Allerdings benötigte jeder neue Marktzyklus einen immer geringeren Anteil an Coins im Verlust, um eine nachhaltige Bodenbildung einzuleiten.

Während frühere Bodenbildungen häufig erst bei deutlich höheren Werten entstanden, liegt die relevante Zone inzwischen eher im Bereich der hohen 40 Prozent. Aktuell notiert die Kennzahl bei rund 40 Prozent und signalisiert bereits erheblichen Stress im Markt. Das könnte darauf hindeuten, dass Bitcoin heute keine so extreme Kapitulation mehr benötigt wie noch in früheren Jahren.

Auch weitere On-Chain-Indikatoren liefern inzwischen interessante Hinweise. Der Bull-Bear Market Cycle Indicator von CryptoQuant hat erstmals seit März 2023 wieder ein sogenanntes Early-Bull-Signal erzeugt. In den Jahren 2019 und 2023 trat dieses Signal ebenfalls auf und leitete anschließend einen neuen Aufwärtstrend ein.

Ganz so eindeutig ist die Lage jedoch nicht. Bereits im Jahr 2022 wechselte der Indikator kurzzeitig ebenfalls in diesen Bereich, bevor Bitcoin anschließend nochmals deutlich unter Druck geriet. Das aktuelle Signal sollte daher nicht isoliert betrachtet werden.

Welche Kursbereiche jetzt interessant werden

Die verschiedenen On-Chain-Daten zeichnen derzeit ein gemischtes Bild. Einige Kennzahlen sprechen bereits für eine weit fortgeschrittene Marktbereinigung, andere lassen durchaus noch Raum für eine weitere Korrektur.

Besonders spannend bleibt deshalb das Short-Term Holder MVRV. Dieses Modell betrachtet die durchschnittliche Kostenbasis kurzfristiger Bitcoin-Investoren und identifiziert mithilfe einer Standardabweichung Bereiche, in denen kurzfristige Anleger historisch besonders stark unter Druck standen. Daraus ergibt sich die sogenannte Value Zone.

Aktuell liegt diese Zone zwischen rund 56.000 und 48.000 US-Dollar. In den vergangenen Marktzyklen wurde dieser Bereich immer wieder angelaufen. Teilweise reichte bereits die obere Begrenzung aus, um einen Boden auszubilden, in anderen Fällen fiel Bitcoin bis an die Unterkante oder sogar kurzzeitig darunter.

Sollte sich die aktuelle Korrektur weiter ausdehnen, dürfte diese Zone erneut in den Fokus rücken. Ein Rückgang bis rund 48.000 US-Dollar würde vom bisherigen Allzeithoch einem Minus von rund 62 Prozent entsprechen. Das wäre zwar weiterhin deutlich weniger als in früheren Bärenmärkten, würde aber gut zur Entwicklung passen, dass Bitcoin mit zunehmender institutioneller Beteiligung reifer geworden ist und extreme Kapitulationsphasen seltener werden könnten.

 

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