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Märkte > Bofa-Umfrage

Fondsmanager halten "KI-Blase" für das Extremrisiko schlechthin

| Oliver Götz

Börsenhändler blickt auf Bildschirm.
Wie gefährlich ist der Optimismus an der Wall Street? (Foto: Picture Alliance / DPA / Arne Dedert)

Die BofA-Fondsmanager-Umfrage gehört zu den wichtigsten Stimmungsindikatoren an der Börse. Die Juli-Ergebnisse alarmieren, weil sie so positiv ausfallen.

Die Stimmung an den Aktienmärkten könnte kaum besser sein – auch weil der Glaube an eine von Künstlicher Intelligenz getriebene Wachstumsära unerschütterlich schint. Ausgerechnet in diese Euphorie hinein schlägt die Bank of America Alarm. Nicht weil sich die Konjunktur eintrübt oder Unternehmensgewinne einbrechen – sondern weil der Optimismus inzwischen ein Ausmaß erreicht hat, das wenig Gutes verheißt.

Die Fondsmanager-Umfrage der US-Bank gilt als einer der wichtigsten Stimmungsindikatoren an den Finanzmärkten. Monat für Monat werden institutionelle Investoren zu ihrer Positionierung und ihren Erwartungen befragt. Die Juli-Ausgabe zeichnet ein bemerkenswertes Bild: Die Profis sind so optimistisch wie seit Monaten nicht mehr, was wiederum die die Strategen der Bank of America pessimistisch werden lässt.

Cashquote sinkt

Ein erstes Warnsignal liefert die Liquidität. Die durchschnittliche Cashquote der Fondsmanager ist von 4,1 auf nur noch 3,6 Prozent gefallen. Damit halten professionelle Anleger so wenig freie Mittel wie seit Februar 2026 nicht mehr. Nach der sogenannten "BofA Cash Rule" gilt eine Quote von vier Prozent oder weniger als klassisches Verkaufssignal für Aktien. Der Hintergrund: Wenn fast alle bereits investiert sind, fehlt oft das frische Kapital, das eine Rally weiter antreiben könnte.

Ein zweiter Indikator: der Bull-&-Bear-Index der Bank of America, welcher auf 9,4 von zehn möglichen Punkten gestiegen ist. Ein Wert in diesem Bereich signalisiert extreme Marktzuversicht. Entsprechend eindeutig fällt die Schlussfolgerung der Strategen um Michael Hartnett aus: Anleger sollten ihr Engagement in Aktien und besonders in risikoreichen Wachstumswerten reduzieren.

Investoren setzen auf No Landing-Szenario der US-Wirtschaft

Dabei scheint die Welt aus Sicht vieler Fondsmanager nahezu perfekt zu sein. 54 Prozent rechnen inzwischen in den USA mit einem sogenannten "No-Landing"-Szenario. Die Wirtschaft soll also kräftig weiter wachsen, ohne in eine Rezession zu rutschen. Weitere 39 Prozent erwarten immerhin eine sanfte Abkühlung. Nur noch zwei Prozent der Befragten gehen von einer harten wirtschaftlichen Landung aus. Insgesamt wurden 181 Fondsmanager mit einem verwalteten Vermögen von insgesamt fast 500 Milliarden US-Dollar befragt.

Parallel dazu verschwinden auch die Inflationssorgen zunehmend aus den Köpfen der Investoren. Die Erwartungen an den Ölpreis sind deutlich gesunken, und die große Mehrheit rechnet nicht mehr mit weiteren Zinserhöhungen der US-Notenbank vor den Kongresswahlen im November. Für viele Anleger ergibt sich daraus das ideale Börsenumfeld: solides Wachstum, sinkender Inflationsdruck und gleichzeitig die Hoffnung auf eine lockerere Geldpolitik.

Diese Kombination treibt die Kapitalströme weiter in Richtung Aktien. Besonders gefragt bleiben dabei US-Titel. Die Übergewichtung amerikanischer Aktien erreichte zuletzt den höchsten Stand seit Ende 2024. Gleichzeitig reduzierten viele Fondsmanager ihre Engagements in Großbritannien, Schwellenländern, Rohstoffen und defensiven Konsumwerten.

Halbleiteraktien extrem überwertet?

Doch die eigentliche Geschichte der Umfrage spielt sich im Technologiesektor ab. 82 Prozent der befragten Fondsmanager bezeichnen Long-Positionen in globalen Halbleiteraktien inzwischen als den mit Abstand am stärksten überlaufenen Trade weltweit. Halbleiterhersteller gehören zu den größten Gewinnern des KI-Booms. Unternehmen wie Nvidia, Broadcom, AMD oder auch zahlreiche Speicher- und Netzwerkspezialisten profitieren von den milliardenschweren Investitionen der Hyperscaler in neue Rechenzentren. Deshalb sind viele Bewertungen rasant gestiegen. Dies bereitet institutionellen Investoren zunehmend Sorgen. Denn wenn nahezu alle Marktteilnehmer auf denselben Trend setzen, steigt die Gefahr heftiger Kursbewegungen, sobald die Erwartungen auch nur leicht enttäuscht werden. Passend dazu nennen inzwischen 45 Prozent der Fondsmanager eine mögliche KI-Blase als größtes Extremrisiko ("Tail Risk") für die Finanzmärkte. Im Vormonat lag dieser Wert noch bei lediglich 28 Prozent. Damit verdrängt die Angst vor einer Übertreibung im KI-Sektor sogar Inflationsrisiken von Platz eins der größten Marktsorgen.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. Fast jeder zweite befragte Fondsmanager sieht die enormen Investitionsprogramme der großen KI-Konzerne inzwischen als wahrscheinlichste Quelle eines zukünftigen Kreditereignisses. Die milliardenschweren Ausgaben der Hyperscaler verschlingen immer größere Teile des operativen Cashflows. Sollten sich die erwarteten Renditen verzögern oder die Nachfrage nach KI-Infrastruktur schwächer ausfallen als erhofft, könnte genau dieser Investitionsboom zum Risiko werden. Paradox ist allerdings: Trotz dieser Bedenken glauben viele Anleger weiterhin an den langfristigen KI-Aufschwung. Fast die Hälfte hält die Bewertungen noch nicht für eine Blase. Mehr als 60 Prozent erwarten sogar, dass kein großer Technologiekonzern seine Investitionen in Künstliche Intelligenz in diesem Jahr zurückfahren wird.

Positionierung der Anleger als größtes Risiko

Die Bofa-Umfrage erzählt damit im Wesentlichen folgendes: nicht die wirtschaftlichen Fundamentaldaten bereiten derzeit die größten Sorgen, sondern die außergewöhnlich einseitige Positionierung der Anleger. Historisch gesehen, waren Phasen extremer Euphorie häufig weniger deshalb problematisch, weil unmittelbar schlechte Nachrichten folgten. Vielmehr genügte oft schon eine kleine Enttäuschung, um Gewinnmitnahmen auszulösen. Das bedeutet nicht, dass der nächste Bärenmarkt unmittelbar bevorsteht. Die Fundamentaldaten vieler Technologieunternehmen bleiben stark, und der KI-Boom dürfte die Unternehmensinvestitionen noch über Jahre prägen.

Doch wenn Halbleiteraktien zu einem der beliebtesten Investments der Welt geworden sind und gleichzeitig immer mehr Profis vor einer möglichen KI-Blase warnen, dürfte das Chancen-Risiko-Verhältnis deutlich ungünstiger geworden sein. Gerade nach den jüngsten Rallys könnte deshalb weniger die Frage entscheidend sein, ob KI langfristig gewinnt – sondern ob die Börse diesen Erfolg nicht bereits zu einem guten Teil vorweggenommen hat.

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