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Märkte > Eskalation in Nahost

Kehrt der Iran-Krieg zurück? Eine Verteidigungsstrategie mit 5 Dax-Aktien

| Oliver Götz

Börsenhändler vor Bildschirmen an der NYSE.
Kehrt der Iran-Krieg zurück? An den Börsen wird fleißig verkauft. (Foto: picture alliance / newscom | JOHN ANGELILLO)

Donald Trump erklärt den Waffenstillstand mit Iran für beendet, die Börsen sacken ab. Im Dax gibt es Papiere, mit denen sich Anleger schützen können.

Vieles im Konflikt zwischen den USA und Iran deutete zuletzt auf Entspannung hin, jetzt droht die erneute Eskalation. Auslöser sind Angriffe des Iran auf mehrere Tanker in der Straße von Hormus, auf die das US-Militär mit massiven Luftschlägen reagierte. Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom wurden mehr als 80 militärische Ziele attackiert, darunter Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen und Schnellboote der Revolutionsgarden. Iran antwortete mit Raketen- und Drohnenangriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait und Bahrain.

US-Präsident Donald Trump erklärte anschließend den bisherigen Waffenstillstand mit dem Iran faktisch für beendet. Damit wächst die Sorge, dass sich der Konflikt erneut zu einem offenen Krieg zwischen den USA und dem Iran entwickeln könnte.

An den Börsen ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. Der Dax geriet unter Druck und notierte am Mittwochmittag mit über zwei Prozent im Minus. Gleichzeitig zog der Ölpreis deutlich an. Doch geopolitische Krisen produzieren an der Börse nicht nur Verlierer. Einige Geschäftsmodelle profitieren unmittelbar von steigender Unsicherheit. Wer sein Depot gegen eine erneute Eskalation in Nahost absichern möchte, findet im Dax interessante Kandidaten.

Eon: Gewinner steigender Energiepreise

Auf den ersten Blick erscheint ein Energieversorger bei steigenden Ölpreisen nicht zwingend als Krisengewinner. Tatsächlich profitiert Eon jedoch häufig von einem Umfeld, in dem Versorgungssicherheit wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Das Unternehmen betreibt Europas größte Strom- und Gasnetze und erzielt einen Großteil seiner Gewinne aus regulierten Infrastrukturgeschäften. In geopolitisch unsicheren Zeiten gewinnen stabile Versorger regelmäßig an Attraktivität. Entsprechend gehörte die Aktie unmittelbar nach den jüngsten Nachrichten aus dem Nahen Osten zu den wenigen Dax-Gewinnern. Für Anleger bleibt Eon vor allem ein defensiver Titel mit vergleichsweise planbaren Erträgen und attraktiver Dividende. Die Dividendenrendite liegt aktuell bei etwas über drei Prozent.

RWE: Energie bleibt strategisch

Auch die RWE-Aktie stieg infolge der Nachrichten aus dem Iran. Der Essener Konzern verbindet sein klassisches Energiegeschäft inzwischen mit einem der größten Portfolios an erneuerbaren Energien Europas. Gleichzeitig profitiert das Unternehmen von höheren Großhandelspreisen für Strom, die häufig mit steigenden Gas- und Ölpreisen einhergehen. Hinzu kommt: In geopolitischen Krisen rückt die Frage der Energieversorgung regelmäßig wieder in den Fokus der Politik. Investitionen in Kraftwerke, Speicher und Netzinfrastruktur gewinnen dadurch zusätzlich an Bedeutung. Im laufenden Jahr konnte die RWE-Aktie bereits 26 Prozent an Wert zulegen, die Dividendenrendite liegt bei 2,3 Prozent.

BASF: Chemieriese als Ölpreis-Hedge?

Auf den ersten Blick überrascht BASF auf dieser Liste. Schließlich gelten steigende Energiepreise normalerweise als Belastung für Chemieunternehmen. Doch die Börse blickt auf einen anderen Zusammenhang. BASF profitiert von höheren Preisen im Öl- und Gassektor über das Geschäft mit Vorprodukten und Rohstoffen. Zudem reagieren Anleger in Krisenzeiten häufig mit einer Umschichtung in substanzstarke Industrieunternehmen, deren Bewertung inzwischen vergleichsweise niedrig ausfällt. So reagierte auch die BASF-Aktie zunächst mit leichten Gewinnen auf das vorläufige Ende des Waffenstillstands. Bereits im März und April konnte die BASF-Aktie parallel zu den Kampfhandlungen im Iran um rund ein Viertel zulegen und lockt mit einer der höchsten Dividendenrenditen (4,8 Prozent) im Dax.

Deutsche Börse: Wenn die Nervosität steigt

Kaum ein Unternehmen verdient so direkt an schwankenden Märkten wie die Deutsche Börse. Je größer die Unsicherheit, desto höher fällt in der Regel das Handelsvolumen an den Börsen aus. Anleger kaufen, verkaufen oder sichern ihre Portfolios ab – und jede Transaktion bringt Gebühren. Hinzu kommt das starke Geschäft der Tochter Eurex, auf der Terminkontrakte und Optionen gehandelt werden. Gerade in geopolitischen Krisen steigt die Nachfrage nach solchen Absicherungsinstrumenten oft deutlich. Die Deutsche Börse entwickelt sich deshalb regelmäßig stabiler als der Gesamtmarkt und zählt seit Jahren zu den defensivsten Qualitätswerten im Dax. Ausgehend von ihrem Tief Anfang Februar haben die Papiere in diesem Jahr bereits um 25 Prozent zulegen können. Ein Großteil des Kursanstiegs geht auf die Hochphase im militärischen Konflikt zwischen den USA und Iran zurück.

DHL Group: Krisen schaffen Nachfrage nach Expresslogistik

Auch die DHL Group könnte kurzfristig von einer erneuten Eskalation profitieren. Bereits während der ersten Zuspitzung des Iran-Konflikts im Frühjahr zeigte sich, dass Unternehmen verstärkt auf Expresslieferungen und alternative Transportwege ausweichen, wenn Lieferketten gestört werden. Genau hier besitzt DHL mit seinem internationalen Expressgeschäft eine starke Marktposition. Hinzu kommt das weltweite Luftfrachtnetz, das in Krisenzeiten häufig stärker ausgelastet wird. Zwar belasten höhere Treibstoffkosten das Geschäft, gleichzeitig steigt jedoch oft die Zahlungsbereitschaft der Kunden für schnelle und zuverlässige Transporte. Die DHL-Aktie befindet sich seit einigen Monaten im Aufwärtstrend. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um rund 17 Prozent gestiegen. Die Dividendenrendite liegt trotzdem noch bei schmackhaften 3,5 Prozent.

Langfristig schützt an den Märkten wenig gegen einen Krieg

Keine Aktie ist ein perfekter Schutz gegen einen Krieg. Sollte der Konflikt im Nahen Osten weiter eskalieren und die Weltwirtschaft spürbar belasten, dürfte sich auch ein Großteil des Dax einem allgemeinen Ausverkauf nicht vollständig entziehen können. Dennoch zeigt die aktuelle Marktreaktion, dass bestimmte Geschäftsmodelle in geopolitischen Krisen robuster sind als andere. Energieversorger profitieren von der strategischen Bedeutung der Versorgungssicherheit, die Deutsche Börse von steigender Volatilität und DHL von einer höheren Nachfrage nach flexiblen Logistiklösungen. Für Anleger können solche Titel deshalb eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn politische Risiken plötzlich wieder zum dominierenden Börsenthema werden. Die entscheidende Erkenntnis lautet: Geopolitische Krisen lassen sich nicht vorhersagen. Man kann sein Depot aber so aufstellen, dass es ihre Folgen besser verkraftet. Wenn die Lage im Nahen Osten erneut außer Kontrolle geraten sollte, könnten die genannten Dax-Unternehmen zu vergleichsweise stabilen Ankern im Portfolio werden.

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