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Märkte > KI-Stars zieht es an die Börse

Ein IPO-Rekordjahr bahnt sich an

| Oliver Götz

Elon Musk.
Elon Musk auf dem Weg zum Billionär? Gelingt der SpaceX-Börsengang, könnte es ihm gelingen. (Foto: Frederic Legrand - COMEO / Shutterstock)

Nach der Flaute 2025 stecken für dieses Jahr gleich eine ganze Reihe von spektakulären Börsengängen in der Pipeline. Unter anderem SpaceX und OpenAI könnten den Sprung aufs Parkett wagen.

Das vergangene IPO-Jahr geriet mit einem Emissionserlös von 47,6 Milliarden US-Dollar in den USA schon besser als das zuvor. Vom Höchstwert aus dem Jahr 2021 bei 195,2 Milliarden Dollar ist aber auch das noch weit entfernt. In Europa wagten einer Analyse des Wirtschaftsprüfers EY zufolge sogar nur 100 Unternehmen den Börsengang – 31 weniger als im Vorjahr. In Deutschland fanden gerade einmal sieben IPOs statt, nochmal einer weniger als 2024. Auffallend wenig Enthusiasmus für den Gang aufs Parkett, angesichts der gleichzeitig stark gelaufenen Finanzmärkte dies- und jenseits des Atlantiks. Geopolitische Unsicherheiten und Donald Trumps Zölle drückten offenbar aufs Gemüt der Unternehmer. Zu viele Risiken, zu viele Unwägbarkeiten, immer noch vergleichsweise hohe Zinsen in den USA – kein gutes Umfeld für IPOs.

In den USA stehen Unternehmen mit Milliardenbewertungen Schlange

2026 könnte sich das ändern. Und zwar mit einem Knall. Oder sogar gleich mehreren. Für Deutschland bleiben die Prognosen vorsichtig, immerhin „vorsichtig optimistisch“, wie Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY, schreibt. Viel hängt von der Entwicklung der makroökonomischen Rahmenbedingungen ab. Europa verfüge derweil insgesamt „über eine gut gefüllte Pipeline mit einem signifikanten Rückstau an Unternehmen, die auf das richtige Zeitfenster für einen Börsengang warten“. Vor allem aber in den USA stehen aussichtsreiche IPO-Kandidaten aus dem Technologiesektor inzwischen fast Schlange, treffen nach dem starken letzten Börsenjahr nun auf eine freundliche Marktstimmung, inklusive der Aussicht auf weiter fallende, oder mindestens mal nicht wieder steigende Zinsen. Letzteres vergünstigt die Platzierung, da sich die Bewertungsperspektive verbessert. Der Volatilitätsindex VIX, der die Schwankungsanfälligkeit der Märkte anzeigt, ist zudem deutlich zurückgegangen, womit IPO-Kandidaten mit ruhigerem Fahrwasser zum Börsenstart rechnen können. Ebenso sorgte der wochenlange Shutdown in den USA vergangenes Jahr für Stillstand bei den Genehmigungen, womit sich nun ein Nachholeffekt auftun könnte. Und schließlich sind Investoren nach den stark gelaufenen Kursen der bisherigen Tech-Multis auf der Suche nach neuen Anlagechancen. Das könnte beim Läuten der Parkett-Glocke willkommenen Rückenwind geben.

„Make IPOs great again“, sagte der Chef der Börsenaufsicht SEC, Paul Atkins. Zuversicht, die daher rührt, dass gleich drei US-Unternehmen auf Anhieb eine Marktkapitalisierung von mindestens 500 Milliarden Dollar erreichen, würden sie den Sprung an die Wall Street wagen.

SpaceX vor dem größten Börsengang aller Zeiten

Eines davon gehört Elon Musk – und könnte sogar den wertvollsten Börsengang aller Zeiten hinlegen. Bislang hält diesen Titel der saudi-arabische Öl-Gigant Saudi Aramco, der 2019 ein Emissionsvolumen von 25,6 Milliarden Dollar erreichte. Doch sollte SpaceX in diesem Jahr ernst machen, könnte dem größten privaten Raumfahrtunternehmen der Welt auf dem Parkett galaktisches gelingen. „Über ein mögliches Emissionsvolumen von bis zu 30 Milliarden Dollar wird spekuliert“, schreibt die Consorsbank. Die Financial Times sprach gar von bis zu 50 Milliarden Dollar. Die Schätzungen für die Bewertung an der Börse reichen bis hin zu astronomischen 1,5 Billionen Dollar. Das wäre mehr als 200mal so viel, wie Amazon bei seinem Börsengang auf die Waage brachte. Gerüchte rundum den Mega-IPO gab es schon länger, nun könnte es im Juni dieses Jahres tatsächlich so weit sein. Musk bestätigte gegenüber CNBC zumindest, dass der Börsengang für 2026 geplant sei. Musk will SpaceX mit xAI fusionieren, womit nicht nur das Raketen- und Satelliten-Geschäft an die Börse ginge, sondern auch der Kurznachrichtendienst X sowie Musks KI-Chatbot Grok. Für Anleger dürfte aber das Geschäft mit dem Weltall im Fokus stehen. Vor allem der Erfolg von Starlink dürfte für eine gehörige Portion Wachstumsfantasie sorgen. Starlink ist das satellitenbasierte Internet-Netzwerk von SpaceX, das tausende kleine Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn nutzt, um schnelles, global verfügbares Breitbandinternet bereitzustellen – auch in ländlichen oder schwer zugänglichen Regionen. Starlink wächst rasant, mit starken Erlösen aus Abo-Diensten. 2025 sollen Starlink nach Schätzung von Payload bereits über neun Millionen Menschen genutzt haben. Der Umsatz wird mit bis zu 15,5 Milliarden Dollar beziffert. 2026 könnten es 24 Milliarden Dollar werden. Bedenkt man, dass es Milliarden möglicher Nutzer gibt, ist das Marktpotenzial gigantisch.

Ziehen OpenAI und Anthropic nach?

Ein ähnlicher Raketenstart an der Börse könnte OpenAI und Anthropic gelingen. Im Gegensatz zu SpaceX, fehlen allerdings die konkreten Ankündigungen für dieses Jahr. Trotzdem wären die IPOs der beiden KI-Giganten nicht unwahrscheinlich, sollte Musk der Erfolg gelingen, der ihm vorhergesagt wird. Lässt die Börse solche Bewertungen zu, wartet niemand gern noch länger an der Seitenlinie. OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, soll Reuters zufolge einen Börsengang planen, wenngleich Finanzchefin Sarah Friar intern 2027 als Ziel dafür ausgegeben haben soll. Ein IPO Ende des Jahres ist deshalb aber nicht völlig ausgeschlossen und könnte ähnlich wie bei SpaceX zu einer Billionen-Bewertung führen. OpenAI hat sich von einer Forschungsorganisation zum kommerziellen AI-Giganten entwickelt, dessen Umsatz rasant wächst. Auch, da immer mehr Menschen kostenpflichtige ChatGPT-Abonnements abschließen. Zwar ist OpenAI weit davon entfernt profitabel zu wirtschaften, doch das war viele Jahre auch bei Amazon oder Tesla der Fall. Bis 2030 könnte der Umsatz derweil auf bis zu 170 Milliarden Dollar im Jahr steigen, lauten Prognosen. Das würde eine Billionen-Bewertung zum Gang aufs Parkett wohl rechtfertigen.

Anthropic käme da nicht heran, Medienberichten zufolge dürften um die 350 Milliarden Dollar realistisch sein. Ein Börsengang der einst von OpenAI-Forschern gegründeten KI-Firma, wäre jedoch ein weiterer Mega-IPO, der 2026 gelingen könnte. Zwar befinden sich die Gespräche mit Banken in frühen Stadien und Anthropic hat erst kürzlich eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, doch es gibt auch Berichte darüber, dass sich das knapp 200 Milliarden Dollar schwere Unicorn in Vorbereitungen für den Börsengang befindet. Anthropic entwickelt die Claude-Familie großer Sprachmodelle und darauf aufbauende Tools wie Claude Code. Anders als viele KI-Startups legt Anthropic besonderen Wert auf verantwortliche und sichere KI-Entwicklung, was starke Partnerschaften mit Firmen wie Google, Microsoft und Amazon eingebracht hat. Die Nachfrage nach den KI-Diensten wächst rasant: Die annualisierte Umsatz-Run-Rate lag 2025 im niedrigen einstelligen Milliardenbereich und soll 2026 auf etwa 20 bis 26 Milliarden Dollar steigen.

Databricks – Bewertung steigt rasant

Nicht ganz so bekannt, aber inzwischen auch schon 134 Milliarden Dollar wert, ist das KI-Softwareunternehmen Databricks. CEO Alo Ghodsi schloss in einem Interview mit CNBC einen Börsengang in diesem Jahr nicht aus, womit sogar noch ein vierter großer Tech-IPO aus den USA binnen Jahresfrist möglich ist. Databricks ist ein führender Anbieter einer Data Intelligence Platform, die große Datenmengen integriert, analysiert und Unternehmen beim Aufbau von KI-gestützten Anwendungen unterstützt. Die Plattform vereint Data-Engineering, Machine Learning, Analytics und operative Datenbanken und wird von über 20.000 Kunden – darunter zahlreiche Fortune-500-Konzerne – genutzt. 2025 steigerte Databricks den Umsatz eigenen Angaben nach um mehr als 55 % auf 4,8 Milliarden Dollar.

Europa: Hoffnungsträger Revolut

Die Welt blickt auf der Suche nach Rendite also einmal mehr in die Vereinigten Staaten von Amerika. Von Billionen-Börsengängen ist man in Deutschland und Europa jedenfalls weit entfernt. Immerhin auf einen größeren IPO steuert Europa zu. Das britische Fintech Revolut könnte in diesem Jahr ein Doppel-Listing wagen, in London und New York. Revolut bietet eine Art Super-App an, die digitale Bankdienstleistungen, Zahlungsverkehr, Karten, Devisenhandel, Vermögensverwaltung und Krypto-Trading bündelt – ohne Filialnetz und mit Fokus auf junge, mobile Nutzer. Das Unternehmen ist in über 30 Ländern aktiv und zählt Millionen Kunden weltweit. Revolut kommt auf eine Bewertung von 65 bis 75 Milliarden Dollar, was einen – für europäische Verhältnisse – großen Börsengang nahelegt. Revolut wächst seit Jahren stark und profitabel. 2026 rechnet das Fintech mit neun Milliarden Dollar Umsatz und zirka 3,5 Milliarden Dollar Gewinn.

Industrie-Börsengänge in Deutschland: TK Elevator und KNDS im Fokus

In Deutschland kommen die aussichtsreichsten IPO-Kandidaten abermals aus dem klassischen Industriebereich. TK Elevator, ein international agierender Hersteller von Aufzügen und Rolltreppen, könnte 2026 an die Frankfurter Börse gehen. Die ehemalige Thyssenkrupp-Tochter gehört inzwischen den Hedgefonds Advent und Cinven, die wohl beide daran interessiert sein dürften, das Unternehmen gewinnbringend aufs Parkett zu bringen. Neben Frankfurt ist aber auch New York als Börsenplatz im Gespräch. Sollte ein IPO in Frankfurt Realität werden, könnte es der größte des Jahres in Deutschland werden. Eine Bewertung von über 20 Milliarden Euro scheint möglich. Ähnlich hoch springen, könnte im Falle der Fälle wohl nur das Rüstungsunternehmen KNDS. Der Verteidigungsspezialist ist aus der Fusion der deutschen Krauss-Maffei Wegmann und der französischen Nexter Systems hervorgegangen, entwickelt unter anderem militärische Landfahrzeuge, Hauptkampf- und Schützenpanzer, sowie Artillerie- und Waffensysteme. Im Gespräch ist eine Doppelnotierung in Frankfurt und Paris. Mit dem Börsengang will KNDS das aktuell historisch starke Umfeld für Rüstungsaktien an den Börsen nutzen, womit die Wahrscheinlichkeit für einen baldigen IPO hoch ist.

Bitpanda in Frankfurt aufs Parkett?

Wie kürzlich die US-Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, könnte auch das österreichische Krypto-Einhorn Bitpanda 2026 in Frankfurt gelistet werden. Direkt bestätigen, wollte die Pläne bei der Fintech- und Kryptoplattform mit Sitz in Wien zwar niemand, jedoch ließ man durchsickern, dass ein Börsengang zumindest eine Option sei. Die Bewertung von Bitpanda läge wohl bei vier bis fünf Milliarden Euro. Über Bitpanda können Nutzer Kryptowährungen, Aktien, ETFs, Edelmetalle und andere Finanzinstrumente handeln. Bitpanda hat sein Angebot stark ausgebaut und sowohl Umsatz als auch Profitabilität deutlich gesteigert. Die Plattform zählt mehrere Millionen registrierter Nutzer und profitiert von neuen MiCAR-Lizenzen, die europaweite Regulierung und Wachstum ermöglichen. Ein erfolgreicher Bitpanda-IPO in Frankfurt könnte europaweit ein Türöffner für Firmen aus der Krypto- und Fintechbranche werden, sich auf ihrem Heimatkontinent an die Börse zu wagen, statt, wie so häufig, direkt in die USA zu gehen.

Spektakel in den USA, Aufschwung in Europa

Die spektakulären Börsengänge finden, sollten sie tatsächlich verwirklicht werden, einmal ehr in den USA statt. Deutschland wird sich damit begnügen müssen, bestenfalls wieder etwas Schwung in den IPO-Markt zu bekommen. „Mit Blick auf den heimischen deutschen Markt besteht ein Potenzial von bis zu 10 Börsengängen“, sagt EY-Experte Steinbach. Das wären immerhin drei mehr als im vergangenen Jahr. Mit KNDS und TK Elevator würden zwei größere Unternehmen dazugehören. Global betrachtet, hat 2026 aber definitiv das Zeug zum Jahr der Mega-IPOs zu werden. Und überhaupt: „Grundsätzlich ist die globale Pipeline gut gefüllt“, meint Steinbach.

 

 

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