Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Märkte > Frankfurt Finance & Future Summit

Mit KI gegen KI verteidigen

| Anja Georgia Graw-Bärwalde

Martin Buhl, General Partner Helantic, Dr. Ann-Christine Langselius, Senior Principal Defence, Cybersecurity, Resilience AFRY, und Dr. Peter Tauber, Staatssekretär a. D. auf dem Frankfurt Finance & Future Summit.
Europa investiert Milliarden in seine Verteidigung und bleibt dennoch verwundbar. Wie es sich ändern ließe, darüber diskutierten Martin Buhl, General Partner Helantic, Dr. Ann-Christine Langselius, Senior Principal Defence, Cybersecurity, Resilience AFRY, und Dr. Peter Tauber, Staatssekretär a. D., auf dem Frankfurt Finance & Future Summit. (Foto: WMG)

Cyberangriffe, Drohnen und geopolitische Abhängigkeiten bedrohen Europas Sicherheit. Auf dem Frankfurt Finance & Future Summit diskutierten Experten über Strategien dagegen.

Europa investiert Milliarden in seine Verteidigung und bleibt dennoch verwundbar. Drohnen über kritischer Infrastruktur, Cyberangriffe und technologische Abhängigkeiten zeigen die Grenzen bestehender Sicherheitsstrategien. Mehr Geld allein wird daran nichts ändern. Europa muss schneller und unabhängiger werden – und bei der Cyberabwehr womöglich selbst zum Angriff übergehen.

Darüber diskutierten beim Frankfurt Finance & Future Summit Ann-Christine Langselius, Senior Principal für Verteidigung, Cybersicherheit und Resilienz beim Technologieunternehmen Afry, und Martin Buhl, General Partner des Verteidigungsinvestors Helantic. Moderator Peter Tauber, ehemaliger Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, fragte, wie Europa von bloßer Krisenfestigkeit zu echter Abwehrbereitschaft gelange.

Cyberabwehr reicht nicht mehr: Offensives Denken ist nötig

Besonders deutlich wurde Langselius beim Thema Cyberabwehr. Künstliche Intelligenz verändere Geschwindigkeit und Komplexität digitaler Angriffe grundlegend. „Man kann nicht nur Menschen gegen KI“ einsetzen, erklärte sie. „Es muss KI gegen KI“ sein.

Sie ging noch weiter. Europa müsse über eine ausschließlich defensive Cyberabwehr hinausdenken. „Man muss auch ein bisschen attackieren“, sagte sie. Angreifer müssten selbst mit Gegenmaßnahmen rechnen, die ihnen Schaden zufügten. Damit stellte sie eine brisante sicherheitspolitische Frage: Muss Europa künftig auch offensiv gegen Cyberangreifer vorgehen?

Zugleich verwies sie auf KI-Systeme, die bislang unentdeckte Sicherheitslücken identifizieren können. Cybersicherheit sei längst zur Führungsaufgabe geworden. Europäische Vorschriften wie Nis-2 und der Cyber Resilience Act hätten das Thema in die Vorstandsetagen gebracht. Doch die Expertin warnte: „Compliant zu sein, bedeutet nicht, dass man sicher ist.“

Unternehmen müssten ihre Risiken kennen, Verantwortlichkeiten klären und ihre Widerstandsfähigkeit regelmäßig überprüfen. Dabei bleibe der Mensch häufig die größte Schwachstelle.

Das Geld ist da. Tempo fehlt

Martin Buhl sieht Europas größte Herausforderung weniger in fehlendem Geld. Die Verteidigungsausgaben stiegen erheblich, doch langwierige Beschaffungsverfahren verhinderten, dass Innovationen schnell bei den Streitkräften ankämen. „Es ist nicht die Summe, sondern eher die Umsetzung“, betonte Buhl. Gerade bei autonomen Systemen und der Drohnenabwehr seien technologische Fähigkeiten vorhanden, deren praktische Anwendung jedoch hinter den Möglichkeiten zurückbleibe.

Die Ukraine zeige, wie radikal sich Innovationszyklen verkürzen ließen, sagte Buhl. Technologien würden dort unter Kriegsbedingungen entwickelt, getestet und eingesetzt.

Europa müsse daraus lernen, ohne die menschlichen Kosten dieses Krieges zu vergessen. Deutschland verfüge über eine starke industrielle Basis, innovative Start-ups und einen leistungsfähigen Mittelstand. Die Verbindung von Verteidigungstechnologie, Software und industrieller Fertigung eröffne neue wirtschaftliche Perspektiven.

Europas Sicherheit braucht europäische Technologie

Für Langselius liegt eine entscheidende Chance in der europäischen Zusammenarbeit. Als Beispiel nannte sie vernetzte Sicherheitszentren in den Niederlanden, die Informationen über Cyberangriffe oder Drohnenbedrohungen in Echtzeit austauschen und sich bei Ausfällen gegenseitig unterstützen können. Solche Strukturen müssten künftig grenzüberschreitend funktionieren.

„Souveränität“ dürfe nicht mit „Isolierung“ verwechselt werden, betonte Langselius. Europa müsse Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern verringern, eigene Lösungen entwickeln und europäischen Technologien stärker vertrauen. Entscheidend sei, diese auch tatsächlich zu kaufen und einzusetzen.

Der Blick richtete sich schließlich auf 2029. Bis dahin müsse Europa seine Sicherheitslücken schneller schließen, waren sich alle einig. Für Buhl bedeutet Abschreckung nicht zwangsläufig, mehr Panzer und Kriegsschiffe zu beschaffen. Entscheidend seien Technologien, die Bedrohungen frühzeitig erkennen und die Kosten eines möglichen Angriffs so weit erhöhen würden, dass er sich nicht lohne.

Die Quintessenz: Europas Sicherheit entscheidet sich nicht allein an milliardenschweren Verteidigungsetats, sondern daran, wie schnell Wirtschaft, Politik und Streitkräfte technologische Möglichkeiten in tatsächliche Einsatzbereitschaft verwandeln.

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Ähnliche Artikel