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So machen Sie ihr Depot fit - Eine Anleitung in fünf Schritten

| Redaktion Börse am Sonntag

Ausblick 2026.
Um an der Börse erfolgreich zu sein, braucht es einen rationalen Plan. (Foto: totojang1977 / Shutterstock)

Noch ist Zeit für einen Depotcheck 2026. Martin Meuter, Chef des Portfoliomanagements beim Vermögensverwalter LIQID, erklärt wie.

1. Klären Sie Ziel, Zeithorizont und Risikobudget bevor Sie an Produkte denken

Viele private Depots sind über die Jahre opportunistisch „gewachsen“ statt bewusst geplant: Einzeltitel, aktive und passive Fonds, Themen-ETFs. Häufig fehlt eine übergeordnete Strategie. Das führt dazu, dass Risiko nicht gesteuert, sondern von Anlegern faktisch unbewusst „mitgekauft“ wird.

Ein erster Schritt sollte für Anleger deshalb immer sein, ein konkretes Ziel für den Vermögensaufbau festzulegen. Geht es um die Altersvorsorge, einen Immobilienkauf oder zusätzliche finanzielle Freiheit neben dem Job? Ebenso entscheidend sind der Zeithorizont und die Risikotoleranz. Wie lange kann das Kapital investiert bleiben und welche Schwankungen sind realistisch auszuhalten, ohne in Stressphasen von der Strategie abzuweichen? Auf Grundlage dieser Parameter wird die strategische Asset-Allokation definiert, der Masterplan für das Gesamtportfolio.

2. Echte Diversifikation statt Scheindiversifikation: Schauen Sie durch alle Produkte hindurch

Viele Portfolios wirken auf den ersten Blick breit diversifiziert. Bis eine genauere Analyse das Gegenteil offenbart. ETFs und Fonds enthalten häufig dieselben Einzeltitel, Regionen und Sektoren überschneiden sich oder einzelne Themen werden unbewusst übergewichtet. Ein immer wiederkehrendes Muster ist der Home Bias, also die überdurchschnittliche Gewichtung von Deutschland und Europa.

Diversifikation beginnt nicht bei der Anzahl der Positionen, sondern bei der Unabhängigkeit der Risikotreiber. Je geringer die Korrelation der Bausteine, desto stabiler ist die Diversifikation – „The only free lunch“, wie es bereits der Ökonom Harry Markowitz formulierte. Dafür müssen sich Titel, Regionen, Sektoren und Währungen tatsächlich unterscheiden.

Praktisch heißt das: Schauen Sie sich Ihre Positionen über alle Produkte hinweg genau an. Wenn sich dieselben Titel zwischen ETFs und Fonds wiederholen, tragen Sie ein verstecktes Klumpenrisiko. Prüfen Sie, wie stark Ihr Depot von einzelnen Regionen oder Sektoren abhängt. Wetten auf einzelne Sektoren können legitim sein, sollten aber bewusst eingegangen und dosiert werden.

Ein komplexes Portfolio ist dabei kein Qualitätsmerkmal. Je weniger Bausteine ein Portfolio benötigt, um das Anlageziel zu erreichen, desto leichter ist es zu verwalten und desto geringer ist auch das Risiko für Fehler

3. Anleihen und Liquidität: Stabilität bewusst planen

Eine zentrale Trennlinie bei den eigenen Finanzen lautet: Investitionsvermögen hier, Liquiditätsreserve dort. Die Reserve ist kein Renditebaustein, sondern Sicherheitskapital. Sie stellt sicher, dass laufende Ausgaben, unerwartete Rechnungen oder größere Anschaffungen nicht aus dem Depot finanziert werden müssen, insbesondere nicht in ungünstigen Marktphasen.

Ein weiterer Stabilitätsanker sind Anleihen, allerdings nur, wenn sie im Portfolio eine klare Funktion haben. Viele Anleger verzichten komplett auf diese Komponente oder bilden sie sehr einseitig ab, häufig über Staatsanleihen. Ein robuster Anleihebaustein entsteht dagegen, wenn man mehrere Unteranlageklassen bewusst nutzt. Dazu gehören Staats- und Unternehmensanleihen mit verschiedener Bonität und wo sinnvoll inflationsindexierte Papiere. Unternehmensanleihen bringen Kreditrisikoprämien und können die Renditeerwartung des Portfolios erhöhen, ohne zwingend das Risikoprofil zu verschlechtern, aufgrund günstiger Korrelationseigenschaften.

 

4. Senken Sie Kosten strukturell: Sie wirken sicher und dauerhaft

Kosten sind ein Renditekiller, über den viele Anleger zu wenig nachdenken. Private Depots setzen häufig auf Produkte, die gemessen an ihrem Nutzen schlicht zu teuer sind. Oft wirkt dabei nicht nur eine Kostenquelle, sondern ein ganzes Bündel. Dazu zählen laufende Produktkosten, Handelskosten und mögliche zusätzliche Verwaltungskosten. Wer sich eine unnötige Kostenlast ins Depot holt, startet jedes Jahr mit einem strukturellen Nachteil.

Ein wichtiger Schritt ist deshalb ein ehrlicher Kostencheck. Was kostet mich das Produkt pro Jahr tatsächlich, also was sind die tatsächlichen laufenden Gebühren? Welche impliziten Kosten entstehen beim Handel, etwa durch Spreads und direkte Transaktionskosten? Und welche Gebühren sind reine Komplexitätskosten, weil Positionen zu oft gehandelt oder zu viel umgeschichtet werden?

5. Regelmäßiges Rebalancing: Ordnung schaffen ohne Aktionismus

Zwei Fehler sind bei Privatanlegern gleichermaßen verbreitet: Während die einen ständig umschichten und dafür hohe Spreads und Transaktionskosten zahlen, machen die anderen schlichtweg nichts. Meist merken sie erst, dass ihr Depot längst ein anderes Risiko trägt, wenn es zu spät ist. Gerade jetzt zum Jahresstart nehmen sich viele Anleger vor, das Depot aufzuräumen. Genau hierfür ist das Rebalancing gedacht.

Ohne regelmäßiges Rebalancing passiert etwas Banales, aber sehr wirksames. Gewinnerpositionen wachsen über die Zeit automatisch, schwächere Bausteine schrumpfen. Das führt zu einer schleichenden Risikoverschiebung. Ein Portfolio, das vor zwölf Monaten noch
ausgewogen war, kann sich so unbemerkt in eine konzentrierte Wette verwandeln, oft genau dann, wenn ein Thema besonders gut gelaufen ist und die Bewertungen bereits hoch sind. Kommt es dann zur Korrektur, trifft sie nicht mehr nur einzelne Positionen, sondern das gesamte Depot.

Die praktische Lösung ist simpel. Legen Sie einen festen Rhythmus fest, zum Beispiel einmal jährlich im Januar, und führen Sie die Bausteine auf die zuvor definierten Zielgewichte zurück. Wer es präziser möchte, arbeitet mit Toleranzbändern bzw. optimierten Schwellenwerten. Sie greifen, wenn ein Baustein merklich von der Zielquote abweicht. So bleibt das Risikoprofil erhalten, die Kosten bleiben im Griff und Entscheidungen folgen klaren Regeln anstatt dem Bauchgefühl.

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