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Rohstoffe > Edelmetall im Aufwind

Goldpreis und Goldaktien: Ist das jetzt der Boden im Chart?

| Thomas Behnke | Lesezeit: 6 Min.

Eine behandschuhte Hand legt einen glänzenden Goldbarren in ein offenes Schließfach aus Metall.
Ein Mann legt einen Goldbarren in ein Schließfach in einem Tresorraum. Notenbanken haben im zweiten Quartal 2026 netto 289 Tonnen Gold gekauft, die größte Menge, die je in einem zweiten Quartal registriert wurde. (Foto: picture alliance/dpa | Sven Hoppe)

Notenbanken kaufen Rekordmengen Gold, Anleger kehren zurück, das Chartbild hellt sich auf. Steht der Goldpreis nach dem Todeskreuz vor einer echten Bodenbildung?

Notenbanken kaufen wie nie zuvor. Anleger fliehen aus Gold. Der Preis bricht ein. Drei Entwicklungen, die zur selben Zeit stattfanden. Doch nun meldet sich das Edelmetall zurück. Auch die Goldaktien zeigen nach dem schwachen zweiten Quartal kräftige Erholungen. Eine Bodenbildung liegt in der Luft. Wo liegen Chancen, wo die Risiken?

Warum die Goldnachfrage trotz Kursverlusten stabil blieb

289 Tonnen Gold. So viel kauften die Notenbanken der Welt im zweiten Quartal 2026 netto zu. Das waren bemerkenswerte 62 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und die größte Menge, die in einem zweiten Quartal je registriert wurde. Bemerkenswert ist diese Entwicklung deshalb, weil sie ausgerechnet in die drei Monate fiel, in denen der Goldpreis seinen stärksten Rückgang seit einem Jahrzehnt zeigte. Die Notenbanken nutzten die Schwäche offenbar als gute Kaufgelegenheit. Anleger verloren dagegen die Nerven und zogen angesichts der fortschreitenden Korrektur des Goldpreises Kapital aus Gold-Produkten, wie dem SPDR Gold Trust (GLD) ab. Der GLD ist das mit Abstand größte mit physischem Gold hinterlegte Anlagevehikel für das Edelmetall. Trotzdem blieb die weltweite Goldnachfrage mit insgesamt knapp 1.269 Tonnen nahezu unverändert auf dem Niveau des Vorjahresquartals. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, dürfte das den Goldpreis weiter unterstützen. Erste Signale für Juli deuten zudem darauf hin, dass auch die Anleger wieder stärker auf das Gold schauen. Nach zwei Monaten mit Abflüssen floss im Juli wieder mehr Kapital in Gold-Produkte rein als raus. Kehrt damit das Interesse der Investoren wieder nachhaltig zurück?

Charttechnik dreht: Todeskreuz verliert seinen Schrecken

Ein Blick auf die Preisentwicklung in der jüngsten Vergangenheit ist diesbezüglich ermutigend. Nicht nur die Nachfrageseite liefert erste Argumente für eine Stabilisierung, sondern auch das Chartbild. Es sieht nach einer Bodenbildung aus. Im Juni war der Goldpreis unter seinen 200-Tage-Durchschnitt gerutscht und hatte zudem ein sogenanntes Todeskreuz gebildet, bei dem der 50-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt nach unten kreuzte. Diese auch als Death Cross bezeichnete Konstellation wird gerne als bärisches Muster interpretiert. Was es konkret damit auf sich hat und wie zuverlässig dieses Muster ist, zeigt der Beitrag Goldpreis mit Bärensignal: Wer hat Angst vorm Todeskreuz?

Zu weiterem Verkaufsdruck ist es damals jedoch nicht gekommen. Im Gegenteil: Nur wenige Tage nach dem Auftreten des Signals hatte der Goldpreis mit rund 3.940 US-Dollar sein bisheriges Tief der starken Korrektur seit dem Allzeithoch von Januar 2026 markiert. Anschließend folgte eine seitwärts gerichtete Stabilisierungsphase. Seit Anfang August ist sogar wieder nennenswerter Schwung in das Edelmetall gekommen. Dabei wurde die 50-Tage-Linie wieder zurückerobert. Außerdem rückt nun der 200-Tage-Durchschnitt in den Fokus. Aktuell verläuft er bei etwa 4.501 US-Dollar und bildet eine Hürde. An dieser wird sich entscheiden, ob nun die Bären wieder übernehmen oder die Bullen weitere Kräfte mobilisieren können. Sollte auch die 4.500er-Marke überwunden werden, würde das die Annahme unterfüttern, dass der Goldpreis tatsächlich erst einmal einen Boden gefunden hat. Die nächsten potenziellen Ziele liegen dann bei etwa 4.774 und 4.892 US-Dollar und lassen sich aus den Zwischenhochs von Mai und April dieses Jahres ableiten.

Goldaktien wie Newmont und Agnico Eagle ziehen kräftig an

Spannend ist die Situation aber nicht nur bei Gold selbst. Auch die Goldaktien zeigen derzeit eine interessante Dynamik. Zuerst der Blick auf den nach Anlagevolumen weltweit größten Sektor-ETF, den VanEck Gold Miners ETF (GDX). Er ist seit seinem Tief Mitte Juli um mehr als 30 Prozent gestiegen und hat zuletzt, im Gegensatz zum Goldpreis, bereits seinen 200-Tage-Durchschnitt zurückerobert. Der ETF bildet den MarketVector Global Gold Miners Index ab, der Aktien großer und mittlerer Unternehmen versammelt, die hauptsächlich im Gold- und Silberbereich tätig sind. Enthalten sind aktuell 59 Aktien. Die beiden größten Gewichtungen im Index entfallen dabei mit jeweils mehr als 10 Prozent auf Newmont (ISIN: US6516391066, Symbol: NEM) und Agnico-Eagle Mines (ISIN: CA0084741085, Symbol: AEM). Beide sind zuletzt sogar noch stärker gestiegen als der GDX und haben ebenfalls ihre 200-Tage-Linien zurückerobert. Es gibt sogar Werte aus dem ETF, die gerade neue Rekorde erreicht haben, wie Centerra Gold (ISIN: CA1520061021), Aya Gold and Silver (ISIN: CA05466C1095) und Capricorn Metals (ISIN: AU000000CMM9). Damit gibt es derzeit einige Ansatzpunkte für technisch motivierte Handelsstrategien im Goldsektor.

Welche Risiken die Erholung beim Goldpreis noch stoppen könnten

Bei aller Euphorie bleiben Risiken. Ein zentraler Belastungsfaktor für Gold bleibt die US-Zinspolitik. Auf ihrer Sitzung Ende Juli beließ die Fed den Leitzins zwar unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent, allerdings stimmten drei Mitglieder für eine sofortige Zinserhöhung um 25 Basispunkte. Das zeigt nach wie vor die Sorge vor anhaltendem Inflationsdruck im Gremium. Zusammen mit dem robusten US-Dollar wirkt eine restriktivere Geldpolitik strukturell belastend auf den Goldpreis, da steigende Realzinsen die Opportunitätskosten für das zinslose Edelmetall erhöhen.

Immerhin haben sich in den vergangenen Tagen die Zinserwartungen ein wenig verringert. Der am 12. August veröffentlichte Inflationsbericht für Juli hatte nahezu den Erwartungen entsprochen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung auf der nächsten Fed-Sitzung im September ist damit wieder deutlich unter 50 Prozent gesunken. Aktuell lässt sich an den Terminmärkten eine Zinsanhebung nun erst für Oktober ablesen. Offen ist, ob es dabei bleibt oder sich die Faktenlage ändert. Ein Faktor dabei ist weiterhin der Iran-Konflikt, insbesondere mit Blick auf die Straße von Hormus und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Energiepreise. Eine erneute Eskalation könnte sowohl die Inflation als auch die Zinserwartungen wieder anheizen und so kurzfristig zu einem Belastungsfaktor für den Goldpreis werden.

Steht der Goldpreis vor einer nachhaltigen Trendwende?

Die Fakten sprechen aktuell für eine Bodenbildung bei Gold. Ein Knackpunkt bleibt die US-Zinspolitik. Am 15. und 16. September tagt die Fed und inzwischen wird mehrheitlich keine Zinserhöhung mehr erwartet. Hält diese Einschätzung, könnte das den Goldpreis die Kraft geben, wieder über die 200-Tage-Linie zu klettern. Das wäre dann ein Indiz dafür, dass sich die aktuelle Erholung nicht nur als temporäre Gegenbewegung erweist. Der Goldpreis, aber auch Goldaktien bieten damit unter Berücksichtigung der nach wie vor vorhandenen Risiken derzeit eine vielversprechende technische Konstellation wie seit Langem nicht mehr. Ein Golden Cross als Gegenstück zum Death Cross liegt zwar noch nicht vor, das Todeskreuz von Juni scheint jedoch seinen Schrecken verloren zu haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Notenbanken haben im zweiten Quartal 2026 netto 289 Tonnen Gold gekauft, 62 Prozent mehr als im Vorjahr und die größte Menge, die je in einem zweiten Quartal registriert wurde.
  • Nach zwei Monaten mit Abflüssen floss im Juli wieder mehr Kapital in Gold-Produkte hinein als heraus, ein erstes Signal für zurückkehrendes Anlegerinteresse.
  • Das im Juni gebildete Todeskreuz hat bislang zu keinem weiteren Verkaufsdruck geführt, der Goldpreis hat seither die 50-Tage-Linie zurückerobert und nähert sich mit rund 4.500 US-Dollar seinem 200-Tage-Durchschnitt.
  • Auch Goldaktien wie Newmont und Agnico Eagle sowie der Sektor-ETF GDX haben ihre 200-Tage-Linien zurückerobert, einzelne Werte wie Centerra Gold markieren bereits neue Rekorde.
  • Ein verbleibender Risikofaktor ist die US-Zinspolitik, wobei an den Terminmärkten eine Zinserhöhung inzwischen erst für Oktober statt für die Fed-Sitzung im September erwartet wird.

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