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Rohstoffe > Gespenst beim Edelmetall

Goldpreis mit Bärensignal: Wer hat Angst vorm Todeskreuz?

| Thomas Behnke | Lesezeit: 4 Min.

Dunkle Silhouette eines Steinkreuzes vor blauem Himmel mit Wolken, hinter denen Sonnenstrahlen hervorbrechen.
Silhouette eines Kreuzes vor aufreißendem Wolkenhimmel. Beim Goldpreis und beim GLD hat sich ein sogenanntes Death Cross gebildet, zu Deutsch Todeskreuz, das als bärisches Chartsignal gilt. (Foto: picture alliance / imageBROKER | sanivalphoto)

Beim Goldpreis und beim weltgrößten Goldvehikel GLD hat sich ein Death Cross gebildet. Was das Todeskreuz bedeutet, welche Kursmarken jetzt zählen und warum das Bärensignal auch eine Einstiegschance sein kann.

Ein Chartmuster mit düsterem Namen sorgt bei Goldanlegern für Unruhe. Ein Gespenst namens Death Cross geht um.

Death Cross beim GLD: Was das Verkaufssignal bedeutet

Die Goldbullen müssen jetzt tapfer sein. Es gibt weitere schlechte Nachrichten. Der SPDR Gold Trust (GLD), das mit Abstand größte mit physischem Gold hinterlegte Anlagevehikel für das Edelmetall, hat am 30. Juni ein sogenanntes Death Cross gebildet. Übersetzt bedeutet das in etwa Todeskreuz. Das Muster ist auch als Dark Cross bekannt, wobei Todeskreuz in seiner Aussage natürlich wesentlich wuchtiger daherkommt. Es handelt sich dabei um ein bärisches Chartmuster, das auftritt, wenn der gleitende 50-Tage-Durchschnitt eines börsennotierten Anlageobjektes seinen langfristigen gleitenden Durchschnitt nach unten kreuzt, in der Regel den 200-Tage-Durchschnitt. Der gängigen Definition zufolge kann dieses Muster darauf hindeuten, dass der kurzfristige Verkaufsdruck die Oberhand gewinnt und eine längere Abwärtsphase folgen könnte.

Goldpreis nach rund 30 Prozent Minus: Muster bestätigt den Abwärtstrend

Und natürlich finden sich in der Börsenhistorie Beispiele, bei denen genau das passiert ist. So auch beim Goldpreis, etwa im Februar 2013: Nachdem sich ein Death Cross gebildet hatte, ging es in den folgenden knapp fünf Monaten um weitere rund 25 Prozent abwärts.

Das Problem mit solchen Mustern ist jedoch, dass sie manchmal zwar passen, sich daraus aber keine Gesetzmäßigkeiten ableiten lassen. So gibt es genügend Gegenbeispiele, bei denen kurz nach der Bildung eines Death Cross ein größerer Erholungsimpuls oder sogar ein neuer Aufwärtstrend einsetzte. Das liegt im Wesen der bei diesem Muster berücksichtigten gleitenden Durchschnitte: Es handelt sich um nachlaufende Indikatoren. Kommt es zum Schnitt, ging dem in der Regel bereits eine größere Abwärtsbewegung voraus.

So auch aktuell beim Goldpreis. Er hatte bereits am 26. Juni ein Death Cross gebildet, bis zu diesem Zeitpunkt ausgehend vom Allzeithoch im Januar dieses Jahres aber schon rund 30 Prozent nachgegeben. Letztlich ist das nun gebildete Muster beim Goldpreis und beim GLD damit das Resultat einer bereits erfolgten kräftigen Korrektur. Es kann als Bestätigung des derzeit vorherrschenden Abwärtstrends angesehen werden.

Mit Blick auf das insgesamt angeschlagene Chartbild gibt es objektiv betrachtet auch eher Anhaltspunkte dafür, von weiter fallenden Kursen auszugehen, als nun auf eine Trendumkehr zu setzen. Hierzu gehören der Bruch der 200-Tage-Durchschnittslinie Anfang Juni oder das zuletzt unterschrittene markante Korrekturtief von März dieses Jahres bei knapp 4.100 US-Dollar. Aktuell, am 2. Juli 2026, notiert der Goldpreis mit 4.070 US-Dollar leicht unter dieser potenziellen Unterstützung. Noch besteht die Chance auf eine schnelle Rückeroberung. Ein nachhaltiger Bruch würde indes das Tief vom Oktober 2025 bei 3.887 US-Dollar als nächstes Korrekturziel in den Fokus rücken. Eine weitere nennenswerte Unterstützungszone findet sich dann erst wieder im Bereich von 3.400 bis 3.500 US-Dollar, gebildet durch die Verlaufshochs der Konsolidierungsphase zwischen April und August 2025.

Gegenbeispiel September 2023: Als das Todeskreuz ins Leere lief

Das Death Cross ist dennoch kein Grund, um nun in Panik zu verfallen und zwangsläufig von weiteren massiven Kursverlusten auszugehen. Auch hier zeigt die Historie genügend Beispiele, bei denen kurz nach dem Auftreten dieses Musters die Richtung drehte. So auch beim gelben Edelmetall selbst: Das letzte Death Cross zuvor bildete sich im September 2023. Im Vorfeld war der Preis um rund 9 Prozent gesunken, nach dem Verkaufssignal ging es dann nur um etwas mehr als 3 Prozent weiter abwärts, bevor sich eine Trendwende und letztlich ein neuer Aufwärtstrend bildete.

Natürlich ist das keine Blaupause für die aktuelle Situation. Es heißt also nicht, dass der Goldpreis nun das Gröbste überstanden hat und bald wieder kräftig anzieht. Dennoch zeigt das Beispiel, dass man Muster wie das Death Cross zwar wahrnehmen und die weitere Entwicklung danach im Auge behalten sollte, sich von ihnen allein aber nicht zu unüberlegten Handlungen verleiten lassen darf.

Zwischen Zinsangst und Schuldenberg: Was langfristig für Gold spricht

Was derzeit auffällt, ist die negative Stimmung bei den Goldanlegern. Der deutliche Rückgang seit dem Allzeithoch im Januar hat zweifelsohne Spuren gelassen, auch wenn dem eine starke Rallye vorausgegangen war. Hinzu kommt mit Kevin Warsh ein neuer US-Notenbankchef, der restriktiver eingestellt zu sein scheint. Zumindest kurzfristig sieht es in den USA daher eher nach Zinsanhebungen als nach Zinssenkungen aus, was zusammen mit dem starken US-Dollar den Goldpreis belastet. Auch die anhaltenden Abflüsse aus Goldvehikeln wie dem GLD zeugen vom derzeit schlechten Sentiment für Gold. Ist das vielleicht ein Kontraindikator? Die Frage ist damit, inwieweit die negativen Faktoren bereits in der Korrektur der vergangenen Monate eingepreist sind und wann das Hauptargument für das Halten von Gold wieder stärker in den Vordergrund rückt.

Gemeint ist der weltweit immer höhere Schuldenberg. Die gesamte Verschuldung von Staaten, Unternehmen und Haushalten steigt weiter, und die damit erhöhte globale Geldmenge führt in letzter Konsequenz zu einer Entwertung des Geldes. Für Gold, das nicht beliebig vermehrt werden kann, ist das auf lange Sicht ein strukturelles Kaufargument. Möglicherweise bietet die aktuelle Korrektur damit eine Gelegenheit, um weiter in Gold zu investieren. Wer so denkt, muss sich vor dem Todeskreuz nicht fürchten, sondern kann es als Wegweiser zu günstigeren Einstiegskursen lesen.

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