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Goldpreis unter Druck: Korrektur als langfristige Kaufchance

| Thomas Behnke

Goldbarren in zwei Händen
Ein Goldbarren wird in zwei Händen gehalten. Nach dem starken Preisrutsch könnte Gold für langfristige Anleger wieder als Kaufgelegenheit interessant sein. (Foto: Shutterstock)

Der Goldpreis steckt nach seinem Höhenflug in einer kräftigen Korrektur. Warum Inflation, Zinsen und US-Dollar belasten und weshalb sich für langfristige Anleger dennoch eine Kaufchance ergeben könnte.

Was an der Börse hoch steigt, kann auch wieder fallen, manchmal sogar sehr deutlich. Der Goldpreis ist dafür ein aktuelles Beispiel. Lange Zeit ein Anlegerliebling, ist das Edelmetall zuletzt deutlicher unter die Räder gekommen. An welcher Stelle die Korrektur stoppt, ist offen. Dennoch könnte sich jetzt ein Zeitfenster geöffnet haben, in dem der langfristige Kauf des Edelmetalls infrage kommt. Das sind die Gründe.

Goldpreis korrigiert nach historischem Höhenflug deutlich

Mit über 5.600 US-Dollar hatte der Goldpreis im Januar dieses Jahres sein Allzeithoch markiert. Vorausgegangen war eine beeindruckende Rally. Mit Blick auf die Performance war 2025 eines der besten Jahre der jüngeren Geschichte. Nur zweimal seit 1970 hatte der Goldpreis besser abgeschnitten. Der Anstieg im vergangenen Jahr war der drittgrößte, und zuletzt hatte es 1979 ein größeres Plus gegeben. Nicht unüblich für solche starken Zuwächse sind entsprechend auch größere Korrekturen, so wie aktuell. Seit dem Rekordhoch ist der Goldpreis um rund 27 Prozent gefallen. Das ist eine bemerkenswerte Hausnummer. Ist damit die Goldparty endgültig beendet? Oder handelt es sich dabei lediglich um eine größere Verschnaufpause? Um diese Frage zu beantworten, muss man auf die aktuellen Belastungsfaktoren schauen.

Inflations- und Zinssorgen belasten das Edelmetall

Die Argumentationskette für die Schwäche des Edelmetalls beginnt mit dem Irankrieg. Es sieht nicht nach einem schnellen Ende des Konflikts aus. Das könnte an den Energiemärkten längere Zeit zu höheren Preisen führen. Dadurch haben weltweit die Inflationssorgen stark zugenommen, was zu steigenden Renditen an den Anleihemärkten führt. Von sprunghaft gestiegenen Zinserwartungen zu sprechen, ist dabei keine Übertreibung. Vor einem Monat war der Markt noch davon ausgegangen, dass die US-Notenbank im Juni oder Juli ihre Leitzinsen senken könnte. Davon ist inzwischen nichts mehr übrig. Stattdessen wird bereits über Zinsanhebungen spekuliert. Dieses Umfeld aus zunehmenden Inflations- und Zinssorgen stärkt den US-Dollar und ist damit ein negativer Faktor für das unverzinste Gold. Das überwiegt offenbar auch den üblichen Safe-Haven-Effekt, der Gold in einem geopolitischen Krisenumfeld nachgesagt wird. Aber sollte man den Goldpreis nun gänzlich wieder abschreiben?

Eine Entspannung im Nahen Osten könnte den Druck auf Gold mindern

Zunächst einmal bleibt der Irankrieg ein großer Unsicherheitsfaktor. Solange sich hier keine Lösung abzeichnet, könnte der Goldpreis dadurch weiter unter Druck geraten. Auf der anderen Seite steigt mit zunehmender Dauer des Konflikts im Nahen Osten jedoch der Druck auf die USA als wichtigen Spieler in diesem geopolitischen Machtpoker. Die Energie- beziehungsweise Inflationskarte ist nicht zu unterschätzen. Sie ist das Letzte, was die Trump-Regierung vor den in diesem Jahr anstehenden Zwischenwahlen um die Mehrheit im Kongress gebrauchen kann. Auch wenn das Thema Iran und Naher Osten vielschichtig ist, könnte der Drang der US-Regierung groß sein, dieses Kapitel so schnell wie möglich abzuschließen. Natürlich ist ein solches Szenario nicht garantiert. Sollte es jedoch eintreten, könnte das Zinspendel wieder in die andere Richtung ausschlagen. Weg von Zinsanhebungen hin zu womöglich deutlichen Senkungen, um die US-Konjunktur zu stützen.

Sinkende Zinsen bleiben das zentrale Langfristargument

Zum anderen sind sinkende Zinsen vor dem Hintergrund der enormen US-Staatsverschuldung sowie der nötigen Umschuldungen eine wichtige Stellschraube für die US-Fiskalpolitik. Damit ihnen der ganze Laden nicht um die Ohren fliegt, ist die US-Regierung schon beinahe dazu verdammt, das Zinsniveau mit allen Mitteln nach unten zu bekommen. Wenn man dies alles berücksichtigt und davon ausgeht, dass die US-Zinsen mittel- bis langfristig runter müssen, um einen finanziellen Kollaps zu vermeiden, könnten Korrekturen des Goldpreises wie die aktuelle eine Gelegenheit darstellen, um Positionen im Edelmetall selbst und bei dessen Produzenten auf- beziehungsweise auszubauen. Angesichts des derzeit angeschlagenen charttechnischen Bildes müsste man dabei allerdings antizyklisch investieren, was mit entsprechenden Risiken verbunden ist. Denn es ist nicht abzusehen, wann die aktuelle Korrektur beendet ist.

200-Tage-Linie als Unterstützung?

Vielleicht bietet die nun erreichte 200-Tage-Linie eine Chance auf Stabilisierung. Garantiert ist das jedoch nicht. Aktuell verläuft sie beim Spotpreis bei rund 4.090 US-Dollar. Sollte sie unterschritten werden, könnte das Zwischentief von Oktober 2025 bei 3.886 US-Dollar eine nächste potenzielle Unterstützungszone sein. Sollte es nun nach dem dynamischen Rückgang an den letzten Handelstagen eine technische Gegenbewegung geben, stellt der Bereich von ca. 4.380 bis 4.400 US-Dollar einen Widerstand dar. Er resultiert aus dem Zwischenhoch von Oktober 2025 und dem Korrekturtief von Anfang Februar 2026. Nicht abzuschätzen ist, wie hartnäckig sich diese Marke erweisen wird. Eine nachhaltige Zurückeroberung könnte jedoch auch das charttechnische Bild wieder aufhellen und darauf hindeuten, dass die Bullen doch nicht aufgegeben haben, so wie es derzeit den Anschein hat.

Stufenweise Käufe können in der Goldkorrektur sinnvoll sein

Die aktuelle Korrektur des Goldpreises stellt investierte Anleger auf eine harte Probe. Deshalb ist es wichtig festzulegen, wozu ein Investment in diesem Edelmetall dient. Hat es spekulativen Charakter oder dient es als Schutz vor Kaufkraftverlust? Ist Letzteres das Kernargument, könnte die aktuelle Schwäche eine Einstiegsgelegenheit bieten. Das Problem dabei ist, dass nicht abzusehen ist, wie weit es noch runtergehen kann. Solange der Mix aus hohen Energiepreisen, steigenden Inflationserwartungen, verschobenen Zinssenkungserwartungen sowie dem festen US-Dollar intakt bleibt, muss mit einer fortgesetzten Korrektur gerechnet werden. 

Stufenweise Käufe können daher sinnvoll sein, wenn man davon ausgeht, dass die aktuelle Schwäche nur eine Verschnaufpause in einem übergeordneten Aufwärtstrend ist. Das maßgebliche Argument bleibt dabei, dass in den USA wie auch weltweit die wachsende Verschuldung und der steigende Refinanzierungsbedarf kaum mit einem dauerhaft hohen Zinsniveau zusammenpassen. Auch wenn diese Argumentation eine gewisse Nervenstärke voraussetzt, könnte die aktuelle Goldkorrektur eine bewusst genutzte Gelegenheit darstellen, darauf zu setzen, dass sich der Zinsdruck nicht beliebig gegen die finanzpolitischen Realitäten aufrechterhalten lässt.

Was Anleger zur Goldkorrektur jetzt wissen müssen

  1. Ist die aktuelle Schwäche beim Goldpreis schon eine Kaufchance?
    Das kann für langfristig orientierte Anleger der Fall sein. Entscheidend ist, ob sie die Korrektur als vorübergehenden Rücksetzer und nicht als Trendbruch bewerten.
  2. Worauf sollten Anleger jetzt besonders achten?
    Wichtig sind die weitere Entwicklung von Zinsen, US-Dollar und der geopolitischen Lage. Sie dürften maßgeblich darüber entscheiden, wie lange der Druck auf Gold anhält.
  3. Warum kann antizyklisches Vorgehen sinnvoll sein?
    Weil sich das Ende der Korrektur nicht sicher bestimmen lässt. Wer gestaffelt vorgeht, kann das Risiko eines ungünstigen Einstiegs besser begrenzen.
  4. Für wen ist Gold in dieser Phase überhaupt interessant?
    Vor allem für Anleger, die Gold nicht rein spekulativ sehen, sondern als langfristige Beimischung und Absicherung gegen Kaufkraftverlust.

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