Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Rohstoffe > Öl als Machtfaktor

Was kostet die Welt? Venezuelas Rohstoffe im Wert von 20 Billionen Dollar

| Thomas Behnke

Spielmaterial des Brettspiels „Was kostet die Welt?“ mit Karten für Öl, Kohle, Eisen und Spielgeld auf einer beschädigten Spieleschachtel
Spielmaterial des Brettspiels „Was kostet die Welt?“ mit der Länderkarte Venezuela sowie Markern für Rohstoffe wie Öl, Kohle und Metalle. Das südamerikanische Land steht mit geschätzten Rohstoffreserven von rund 20 Billionen US-Dollar derzeit im Fokus geopolitischer Machtinteressen. (Foto: Börse am Sonntag)

Venezuela sitzt auf Rohstoffen im Wert von 20 Billionen Dollar. Der US-Eingriff Anfang 2026 macht deutlich, welche Rolle Öl, Gas und Metalle im globalen Machtpoker spielen.

Im geopolitischen Machtpoker spielen Rohstoffe oft eine zentrale Rolle. Der weltweit steigende Hunger nach Energie sowie nach Basismetallen wie Kupfer war schon immer ein wichtiger Faktor bei diplomatischen oder weniger diplomatischen Interessenbekundungen zwischen einzelnen Ländern oder Machtblöcken. Es wäre naiv, daran zu zweifeln. Der Angriff auf Venezuela und die Festnahme des Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar 2026 durch die USA haben daher auch mehr mit den Bodenschätzen des Landes zu tun als mit Drogen- oder Terrorbekämpfung. Man muss sich lediglich ansehen, welche Rohstoffvorkommen in Venezuela vorhanden sind, und diese Dimension in den globalen Maßstab einordnen. Es geht um nicht weniger als 20 Billionen US-Dollar.

Rohstoffe als strategisches Machtinstrument

Kennen Sie das Brettspiel „Was kostet die Welt?“ aus den 1980er- und 1990er-Jahren, auch bekannt als die deutsche Ausgabe von „Wealth of Nations“? Im Mittelpunkt stehen der Erwerb, die Vernetzung und der Handel von Rohstoffen und Industrien über Kontinente hinweg. Erfolg entsteht durch strategische Investitionen, geschickte Handelsentscheidungen und das Ausnutzen wirtschaftlicher Abhängigkeiten, um möglichst großen Einfluss und Reichtum aufzubauen. Während dieses Wirtschaftsspiel von vorausschauender Planung sowie vom Tauschen und Handeln lebt, geht es in der realen Welt bei der Sicherung von Rohstoffinteressen nicht immer so friedlich zu. Die Geschichtsbücher sind voll von Beispielen kriegerischer Auseinandersetzungen, die dem Zugriff auf wichtige Bodenschätze dienten. Nachdem die USA nun die Karte Venezuela „gezogen“ haben, kommt ein weiteres Kapitel hinzu.

Operation Absolute Resolve: Militärischer Eingriff und Rohstoffinteressen

Die nächtliche Militäraktion „Operation Absolute Resolve“ der USA gegen Ziele im Norden Venezuelas zur Gefangennahme von Nicolás Maduro am 3. Januar 2026 wird offiziell mit langjährigen Anklagen wegen Narco-Terrorismus, Drogenhandels und Korruption begründet. Kritisch betrachtet dienen diese Vorwürfe jedoch als Rechtfertigung für eine völkerrechtswidrige militärische Intervention, die primär wirtschaftliche Interessen verfolgt, wie die anschließenden Ankündigungen belegen. Washington erklärte kurz nach dem Angriff, man werde Venezuelas Ölproduktion und -exporte unter US-Aufsicht stellen und Milliarden an blockiertem Rohöl vermarkten, um US-Interessen zu dienen, während US-Konzerne in die marode Infrastruktur investieren sollen. Einige Ölfirmen aus den USA, wie ExxonMobil und ConocoPhillips, haben zudem noch Milliardenforderungen aus früheren Verstaatlichungen. Damit wird deutlich, dass das zentrale Motiv in der Kontrolle venezolanischer Rohstoffe liegt. Und in dieser Hinsicht hat das Land einiges zu bieten.

Größte Ölreserven der Welt: Venezuelas Rohstoffvorkommen im internationalen Vergleich

Vor allem Erdöl und Erdgas schlummern im Boden. Venezuela besitzt mit über 300 Milliarden Barrel die weltweit größten nachgewiesenen Ölvorräte. Der Anteil an den Weltvorkommen liegt bei rund 17 bis 18 Prozent und damit über den Werten von Saudi-Arabien mit etwa 15 Prozent und Iran mit rund 12 Prozent als zweit- und drittplatzierten. Bei Erdgas beläuft sich der Anteil auf rund 3 Prozent. Hinzu kommen Eisen mit etwa 7 Prozent und Gold mit rund 4 Prozent, aber auch Bauxit, Kohle und Nickel. Zusätzlich soll es in Venezuela Vorkommen an Lithium, Seltene-Erden sowie weiteren strategisch wichtigen Metallen wie Tantal und Niob im Erzgemisch Coltan geben. Die beiden letztgenannten sind zentral für Kondensatoren, Hochleistungselektronik und Rüstungstechnik. Coltan in Venezuela könnte perspektivisch einen Teil der derzeit stark auf Kongo und China fokussierten Lieferketten ergänzen und zugleich chinesischen Zugriff begrenzen.

Insgesamt wird damit die strategische Dimension der US-Intervention in dem südamerikanischen Land vor dem Hintergrund globaler Ressourcenknappheit und im Wettbewerb um die Sicherung essenzieller Rohstoffe deutlich. Angesichts der weltweiten Tech-Nachfrage und der chinesischen Dominanz bei seltenen Erden ist Venezuela für die USA heute vor allem eine potenzielle, aber noch weitgehend unerschlossene Rohstoffoption in der eigenen Hemisphäre, mit der sich langfristig Öl-, Aluminium-, Gold- und Coltan-Ströme von China weg und in US-freundliche Lieferketten umleiten lassen. Wichtig dabei ist, dass es sich zunächst vor allem um eine Zukunftsoption handelt und um ein Mittel, China den Zugriff zu erschweren. Venezuela ist aktuell noch kein zentraler Lieferant. Neben der großen strategischen Bedeutung der Bodenschätze Venezuelas ist auch ein Blick auf ihre wirtschaftliche Dimension aufschlussreich. Sie liefert einen weiteren Schlüssel, um die Aktivitäten der USA in dem Land besser einzuordnen.

Venezuelas Rohstoffe: Öl, Gas und Metalle im Wert von rund 20 Billionen US-Dollar

Auf Basis aktueller Reservendaten (OPEC, USGS, Energy Institute) und heutiger Preise lassen sich Venezuelas Untergrund-Ressourcen heute grob im zweistelligen Billionen-Dollar-Bereich verorten. Das Kernstück bilden die Ölreserven mit allein über 17 Billionen US-Dollar. Addiert ergibt sich für Venezuelas wichtigste Rohstoffe ein theoretischer Gesamtwert von knapp 20 Billionen US-Dollar. Rechnet man dieselbe Methodik auf andere große Rohstoffländer an, also den kombinierten Wert aus Energie und Metallen, zählen heute vor allem Russland (ca. 32 Bio. US‑Dollar), die USA (ca. 32 Bio. US-Dollar) und Australien (ca. 26 Bio. US-Dollar) zu den Spitzenreitern. Venezuela liegt damit knapp vor China und deutlich vor Saudi‑Arabien und Iran, also etwa auf Rang vier dieser Gruppe.

Die folgende Tabelle zeigt eine grobe Schätzung auf Basis aktuell verfügbarer Daten und Preise für die wichtigsten Rohstoffe Venezuelas. Wichtig ist: Es handelt sich um theoretische Bruttowerte, also Reserven multipliziert mit dem jeweiligen Preis, ohne Abschläge für Förderkosten, Investitionen, Steuern, Risiken oder Diskontierung. Der real wirtschaftlich erzielbare Wert läge deutlich darunter; die Berechnungen sind als Näherungen zu verstehen, die naturgemäß mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind und sich mit Markt- und Förderbedingungen verändern können.

Venezuelas wichtigste Rohstoffe: Theoretischer Bruttowert im Überblick

Rohstoff Geschätzte Reserven* Preis (USD, 08.01.2026)

Theoretischer Bruttowert (USD)

Erdöl 303 Mrd. 56,45 17,1 Bio.
Erdgas 201 Mrd. 3,566 0,7 Bio.
Gold 75 Mio. 4431 0,3 Bio.
Eisenerz 4,2 Mrd. 108,48 0,5 Bio.
Bauxit 3,5 Mrd. 70 0,2 Bio.
Kohle  10 Mrd. 106,9 1,1 Bio.
Summe     19,9 Bio.

*Reserven: Erdöl in Barrel, Erdgas in m³, Gold in Feinunzen, übrige Rohstoffe in Tonnen. Alle Werte stellen theoretische Bruttowerte dar und berücksichtigen keine Förder-, Investitions- oder Risikokosten.

Alle Angaben basieren auf öffentlich zugänglichen Reservenschätzungen und Marktpreisen zum Stichtag 08.01.2026. Es handelt sich um Näherungswerte mit erheblichen Unsicherheiten hinsichtlich tatsächlicher Förderbarkeit, künftiger Preise und geopolitischer Rahmenbedingungen.

Vom Spiel zur Realität: Bodenschätze im Zeitvergleich

Ein Blick auf die Spielmechanik von „Was kostet die Welt?“ macht vor allem den zeitlichen Abstand sichtbar. Das Spiel entstand vor mehr als 30 Jahren, in einer Phase, in der Rohstoffmärkte, Lieferketten und geopolitische Abhängigkeiten deutlich anders strukturiert waren als heute. Gemessen an den Kaufpreisen der Anteilsscheine repräsentiert Venezuela dort lediglich rund 0,3 Prozent des gesamten Rohstoffwerts und spielt im Spielgefüge nur eine untergeordnete Rolle. Der Vergleich verdeutlicht weniger eine damalige Fehleinschätzung als vielmehr, wie stark sich Bewertungsmaßstäbe über Jahrzehnte verschieben können – und wie begrenzt der Aussagewert selbst plausibler Modelle bleibt, wenn sich technologische, wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen verändern. Wer hat heute schon verlässliche Gewissheiten darüber, welche Regionen in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren bei der Suche nach strategisch wichtigen Rohstoffen im Mittelpunkt stehen werden? Diese Unsicherheit ist kein theoretisches Problem, sondern spiegelt sich bereits heute ganz konkret in politischen Entscheidungen und Machtverschiebungen wider.

Rohstoffe, Macht und Märkte: Eine nüchterne Einordnung

Hat man die Zahlen zu den Bodenschätzen verinnerlicht, wirkt Venezuela wie ein besonders wertvolles Feld auf dem Spielbrett von „Was kostet die Welt?“. Wer hier die Kontrolle erlangt, sichert sich nicht nur enorme Rohstoffreserven, sondern langfristigen Einfluss auf Energie- und Metallströme in einer zunehmend fragmentierten Weltwirtschaft. Öl, Gas, Metalle und potenziell strategische Rohstoffe wie Coltan stehen dabei für konkrete Hebel: Versorgungssicherheit bei Energie, Zugriff auf industrielle Basismaterialien und zusätzliche Optionen im Wettbewerb um kritische Metalle.

Vor diesem Hintergrund erscheint die militärische Intervention der USA zu Beginn des Jahres 2026 weniger als ein isolierter militärischer Eingriff, sondern als Ausdruck der strategischen Bedeutung essenzieller Rohstoffe. Unabhängig von jeder moralischen Bewertung macht diese Entwicklung zugleich deutlich, welchen Stellenwert Bodenschätze im globalen Machtgefüge haben. Für Anleger bedeutet das nüchtern betrachtet: Die Anlageklasse Rohstoffe bleibt ein Faktor, den man im Kontext geopolitischer Entwicklungen im Blick behalten sollte. Denn das Ringen um Ressourcen zeigt eindrücklich, dass es hier längst nicht mehr um ein Spiel geht.

Venezuelas Rohstoffe: Antworten auf zentrale Fragen

Wie groß sind die Ölreserven Venezuelas?
Venezuela verfügt mit über 300 Milliarden Barrel über die weltweit größten nachgewiesenen Erdölreserven. Das entspricht rund 17 bis 18 Prozent der globalen Ölvorkommen.

Welche weiteren Rohstoffe sind in Venezuela vorhanden?
Neben Erdöl und Erdgas verfügt Venezuela über bedeutende Vorkommen an Eisen, Gold, Bauxit, Kohle und Nickel. Zusätzlich werden Vorkommen an Lithium, Seltenen Erden sowie an Tantal und Niob im Erdgemisch Coltan vermutet.

Welchen theoretischen Wert haben Venezuelas Rohstoffe?
Auf Basis heutiger Preise und bekannter Reserven ergibt sich für Venezuelas wichtigste Rohstoffe ein theoretischer Bruttowert von rund 20 Billionen US-Dollar. Dieser Wert berücksichtigt keine Förder-, Investitions- oder Risikokosten.

Welche Rolle spielen Rohstoffe im Konflikt zwischen den USA und Venezuela?
Die Rohstoffvorkommen Venezuelas gelten als ein zentraler strategischer Faktor. Sie liefern den wirtschaftlichen Hintergrund für das internationale Interesse an dem Land und prägen die geopolitische Einordnung der militärischen Intervention der USA Anfang 2026.

Erstellt am 8. Januar 2026, ergänzt am 9. Januar 2026.

Bleiben Sie stets informiert: Mit dem kostenlosen Newsletter der BÖRSE am Sonntag, Deutschlands größtem Online-Magazin und einzigem Online-Pflichtblatt an deutschen Börsen, erhalten Sie wöchentlich aktuelle Marktanalysen, Unternehmensnachrichten und fundierte Anlagestrategien direkt in Ihren Posteingang.

Jetzt kostenlos abonnieren!

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Das Magazin

BÖRSE am Sonntag

Zur Online Ausgabe

Ähnliche Artikel