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Rohstoffe > Neue Kursdimensionen

5.000 US-Dollar rücken immer näher: Gold erreicht neue Rekordstände

| Thomas Behnke

Flüssiges Gold wird aus einem Schmelztiegel in eine Barrenform gegossen.
Flüssiges Gold wird in einer Industrieanlage in eine Barrenform gegossen. Ein Arbeiter steuert den Guss aus einem Schmelztiegel. Gold notiert aktuell auf Rekordniveau. (Foto: shutterstock)

Goldpreis auf Rekordhoch: Über 4.600 US-Dollar je Feinunze, 5.000 rücken näher. Geldpolitik, schwacher US-Arbeitsmarkt und geopolitische Risiken treiben Gold in neue Kursdimensionen.

Der Goldpreis bewegt sich nicht mehr in Hundert-Dollar-Schritten, sondern in Tausenderdimensionen. Die Marke von 4.000 US-Dollar wurde erst im Oktober 2025 überschritten, also vor rund drei Monaten. Mit aktuellen Notierungen von über 4.600 US-Dollar je Feinunze ist die nächste runde Schwelle von 5.000 US-Dollar inzwischen in greifbare Nähe gerückt. Bis dorthin fehlen weniger als neun Prozent. Selbst das von einigen Marktbeobachtern genannte längerfristige Kursziel von 10.000 US-Dollar entspräche aus heutiger Sicht lediglich einer Verdopplung. Mehrere Faktoren haben sich zuletzt überlagert und den Goldpreis weiter nach oben getrieben.

Goldpreis gleicht Jahresendkorrektur vollständig aus

Die Korrektur des Goldpreises zum Jahresende 2025 ist vollständig aufgeholt. Am 12. Januar 2026 überschritt das Edelmetall sowohl am US-Spotmarkt als auch am Terminmarkt erstmals die Marke von 4.600 US-Dollar je Feinunze. Gleichzeitig wurden auch neue Höchststände in Euro erreicht. Damit lagen die Notierungen klar über den bisherigen Rekorden aus der letzten Weihnachtszeit. Die übergeordneten Treiber für den Goldpreis sind weiterhin vorhanden und haben durch die jüngsten Ereignisse und Konjunkturdaten zusätzliche Unterstützung erhalten.

Politischer Zugriff auf die Geldpolitik wird offen sichtbar

Ein wesentlicher Hintergrund der aktuellen Entwicklung ist die politische Unsicherheit rund um die US-Notenbank. Gegen den amtierenden Fed-Chef Jerome Powell läuft ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren des US-Justizministeriums. An den Finanzmärkten wird dies als möglicher Angriff auf die institutionelle Stellung der Federal Reserve wahrgenommen. Entsprechend haben die Zweifel zugenommen, ob geldpolitische Entscheidungen künftig frei von politischem Einfluss getroffen werden. Tatsächlich ist diese Frage nicht neu. Aktuell tritt dieses Spannungsverhältnis jedoch besonders deutlich zutage.

Bereits seit Längerem übt die US-Regierung Druck auf die Notenbank aus, um die Leitzinsen und damit das Zinsniveau zu senken. Hintergrund ist der hohe Refinanzierungsbedarf der US-Staatsverschuldung. Vereinfacht ausgedrückt gilt die Formel: Je niedriger das Zinsniveau, desto geringer fallen die Kosten für neue Kredite aus. Jeder Basispunkt weniger reduziert die Zinslast um Milliardenbeträge.

Dies ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Die andere Seite einer lockeren Geldpolitik ist eine fortgesetzte und beschleunigte Entwertung der Kaufkraft. Genau diese Entwicklung durch eine wachsende Geldmenge zählt zu den zentralen Triebfedern der Goldnachfrage – unabhängig vom kurzfristigen Zinszyklus und nicht nur in den USA, sondern weltweit.

Schwacher Arbeitsmarkt, stabile Zinserwartungen, steigender Goldpreis

In diese Gemengelage fügen sich die US-Arbeitsmarktdaten, die am vergangenen Freitag veröffentlicht wurden. Die Beschäftigungszuwächse im Dezember blieben unter den Erwartungen, während die Arbeitslosenquote anstieg. Diese Datenlage liefert Argumente für jene Marktteilnehmer, die von der Fed ein höheres Tempo bei künftigen Zinssenkungen fordern.

Der Markt selbst rechnet kurzfristig jedoch nicht mit einer geldpolitischen Kursänderung. Die auf den Fed-Funds-Futures basierenden Wahrscheinlichkeiten sprechen weiterhin für einen unveränderten Leitzins bei den kommenden Sitzungen im Januar, März und April. Erst für den Juni ergibt sich derzeit eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung.

Den Goldpreis scheint diese zeitliche Distanz möglicher Zinsschritte jedoch nicht zu bremsen. Neben den zunehmenden Konjunktursorgen wirken weitere Faktoren preistreibend.

Eskalation im Iran

Parallel dazu spitzt sich das geopolitische Umfeld weiter zu. Im Iran kommt es Berichten zufolge zu massiven Unruhen mit hohen Opferzahlen. Zugleich wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation bis hin zu einer möglichen militärischen Zuspitzung und einer stärkeren Einbindung der USA. Diese Entwicklungen haben die Unsicherheit an den Finanzmärkten erhöht.

Auch Venezuela bleibt ein Belastungsfaktor. In den vergangenen Wochen kam es zu US-Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Land sowie zu einer verstärkten Durchsetzung bestehender Sanktionen, darunter Eingriffe in den Ölhandel und Einschränkungen für Tankerflotten. Beide Konfliktfelder haben das geopolitische Umfeld zusätzlich belastet und zählen damit ebenfalls zu den Faktoren, die den Anstieg des Goldpreises zuletzt begleitet haben.

Goldpreis: 5.000 und 10.000 US-Dollar rücken als Kursmarken in den Fokus

Seit dem Überschreiten der 4.000-US-Dollar-Marke im Oktober 2025 hat der Goldpreis um mehr als 600 US-Dollar zugelegt. Damit ist ein großer Teil der Strecke bis zur nächsten runden Schwelle von 5.000 US-Dollar bereits zurückgelegt. Auch die vielfach genannte längerfristige Marke von 10.000 US-Dollar erhält dadurch einen anderen Maßstab. Ausgehend vom aktuellen Kursniveau entspräche sie rechnerisch lediglich etwas mehr als einer Verdopplung.

Wann der Goldpreis in US-Dollar fünfstellig notiert, lässt sich jedoch nicht vorhersagen, und eine entsprechende Prognose wäre nicht seriös. Festhalten lässt sich aber, dass derzeit weiterhin mehrere wirksame Katalysatoren vorhanden sind, die das Edelmetall in den kommenden Monaten und Jahren antreiben können. Diese Entwicklung muss dabei keineswegs gradlinig verlaufen. Zwischenzeitliche Korrekturen, auch größere, sind jederzeit möglich. Solange sich an den grundlegenden treibenden Kräften nichts ändert, insbesondere an der weltweit wachsenden Geldmenge, dürfte der jüngste Kursrekord aber nicht der letzte gewesen sein. 

Goldpreis auf Rekordhoch: Antworten auf zentrale Fragen

Warum erreicht der Goldpreis aktuell neue Rekordstände?
Der Goldpreis profitiert von einer Kombination mehrerer Faktoren. Dazu zählen politische Unsicherheiten im Umfeld der Geldpolitik, schwächere Konjunktursignale aus den USA, geopolitische Spannungen sowie eine weltweit wachsende Geldmenge. Diese Faktoren wirken gleichzeitig und stützen die Nachfrage nach Gold.

Welche Rolle spielen Zinserwartungen für den Goldpreis?
Sinkende oder erwartete Zinssenkungen erhöhen die Attraktivität von Gold, da das Edelmetall keine laufenden Zinsen abwirft. Auch wenn der Markt kurzfristig keine Zinssenkungen in den USA einpreist, zeigt der aktuelle Kursverlauf, dass Gold nicht ausschließlich von kurzfristigen Zinsschritten abhängt.

Ist ein Goldpreis von 5.000 oder 10.000 US-Dollar realistisch?
Ob und wann solche Marken erreicht werden, lässt sich nicht seriös vorhersagen. Faktisch ist jedoch, dass der Goldpreis seit dem Überschreiten der 4.000-US-Dollar-Marke mehr als die Hälfte der Strecke bis 5.000 US-Dollar bereits zurückgelegt hat. Die Marke von 10.000 US-Dollar entspräche aus heutiger Sicht rechnerisch einer Verdopplung.

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