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Rohstoffe > Die unterschätzte Gefahr bei Rohstoff-ETCs

Vorsicht vor dem Roll-Effekt

| Redaktion Börse am Sonntag

Goldbarren und Kurs-Graphik.
Der Goldpreis steigt, aber der eigene ETC nicht? Das kann aufgrund von Roll-Effekten passieren. (Foto: Shutterstock)

Steigende Goldpreise - und das eigene Zertifikat tritt trotzdem auf der Stelle? Wer über nicht physisch besicherte ETCs oder Zertifikate in Rohstoffe investiert, sollte den sogenannten Roll-Effekt kennen.

Rohstoffe gelten als sinnvolle Beimischung im Portfolio. Sie dienen als Inflationsschutz, profitieren von geopolitischen Spannungen oder globalen Wachstumsimpulsen und sind häufig nur schwach mit Aktien korreliert. Viele Privatanleger greifen deshalb zu börsengehandelten Produkten wie ETCs oder Zertifikaten, um unkompliziert an der Preisentwicklung von Gold, Silber, aber auch Öl, Gas, Kupfer oder Agrarrohstoffen zu partizipieren.

Was viele nicht wissen: Wer nicht direkt in physisch hinterlegte Produkte investiert – wie etwa bei Goldbarren-ETCs mit tatsächlicher Lagerung – bildet häufig nicht den Kassapreis (Spotpreis) ab, sondern investiert indirekt über Terminkontrakte, sogenannte Futures.

Wie der Roll-Mechanismus funktioniert

Futures haben eine begrenzte Laufzeit. Läuft ein Kontrakt aus, muss der Emittent des Produkts diesen verkaufen und einen länger laufenden Future erwerben. Dieser Vorgang wird als „Rollen“ bezeichnet.

Hier entsteht das Problem: Befindet sich der Markt in einer sogenannten Contango-Struktur, sind länger laufende Futures teurer als kurzfristige. Das Produkt verkauft also den auslaufenden, günstigeren Kontrakt – und kauft gleichzeitig einen teureren nach. Für Anleger bedeutet das faktisch: niedrig verkaufen, hoch einkaufen.

Die Preisdifferenz zwischen altem und neuem Kontrakt wirkt wie ein dauerhafter Renditeabzug – der sogenannte Rollverlust.

Contango als Renditebremse

Besonders ausgeprägt ist der Roll-Effekt in Märkten mit Angebotsüberhang, etwa bei Öl oder Gas in Phasen hoher Lagerbestände. Hier notieren spätere Liefertermine regelmäßig über dem aktuellen Spotpreis.

Das führt dazu, dass ein ETF oder ETC trotz steigender Rohstoffpreise kaum oder gar nicht an Wert gewinnt – oder im Extremfall sogar fällt. Anleger wundern sich dann, warum der zugrunde liegende Rohstoff deutlich zugelegt hat, ihr Produkt jedoch hinterherhinkt.

Das Gegenteil ist die sogenannte Backwardation: Hier sind länger laufende Futures günstiger als kurzfristige. In diesem Fall kann das Rollen sogar einen positiven Effekt haben. Historisch ist Contango jedoch bei vielen Energie- und Industriemetallen häufiger anzutreffen als Backwardation.

Der Roll-Effekt ist kein theoretisches Randphänomen. Gerade bei Rohstoffen mit hohen Lagerkosten oder saisonalen Angebotsmustern kann die Terminstruktur dauerhaft im Contango liegen. Über Monate oder Jahre hinweg summieren sich Rollverluste zu einem erheblichen Performance-Unterschied gegenüber der reinen Spotpreisentwicklung.

Bei Edelmetallen wie Gold ist der Effekt häufig geringer ausgeprägt, insbesondere wenn Produkte physisch besichert sind. Hier entsteht kein Rollmechanismus, da kein Future nachgekauft werden muss.

Was Anleger beachten sollten

  1. Produktstruktur prüfen:
    Ist das Produkt physisch hinterlegt oder futures-basiert?

  2. Terminstruktur analysieren:
    Liegt der Markt aktuell im Contango oder in Backwardation?

  3. Langfristige Haltedauer hinterfragen:
    Futures-basierte Produkte eignen sich oft besser für taktische, kurzfristige Positionen.

  4. Alternative Strategien prüfen:
    Manche Produkte arbeiten mit optimierten Rollstrategien, bei denen nicht automatisch der nächstfällige Future gekauft wird, sondern günstigere Laufzeiten ausgewählt werden.

Merke: 

Rohstoff-ETCs und Zertifikate bieten einfachen Zugang zu Märkten, die sonst schwer zugänglich wären. Doch der Roll-Effekt ist eine oft unterschätzte Renditebremse. In Contango-Phasen kann er die Performance spürbar belasten – selbst dann, wenn der Rohstoffpreis steigt.

Wer in Rohstoffe investiert, sollte daher nicht nur auf den Chart des Basiswerts schauen, sondern auch auf die Struktur des Produkts. Denn zwischen Spotpreis und tatsächlicher Rendite kann eine erhebliche Lücke entstehen – und die hat ihren Ursprung häufig im unscheinbaren, aber wirkungsvollen Roll-Mechanismus.

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