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Zinsen auf Gold: So funktioniert es mit einer einfachen Optionsstrategie

| Thomas Behnke

Nahaufnahme eines Goldbarrens mit Praegung
Nahaufnahme eines Goldbarrens mit eingeprägter Reinheitsangabe auf glänzender Oberfläche. Das Edelmetall steht exemplarisch für Gold als Vermögensspeicher, der sich mithilfe von Optionsstrategien um laufende Erträge ergänzen lässt. (Foto: Shutterstock)

Gold gilt als ertragsloses Investment. Mit Covered Calls auf Gold-ETCs wie IAU oder GLD können Anleger laufende Prämien vereinnahmen und ihr Edelmetall strategisch um regelmäßige Einnahmen ergänzen.

Gold liegt im Tresor. Still. Schwer. Wertvoll. Es arbeitet nicht und wirft keine laufenden Erträge ab. Daraus ist ein fest verankerter Glaubenssatz entstanden: Gold sei zwar ein sicherer Hafen, als Investment jedoch zwangsläufig ertragslos. Diese Annahme ist jedoch nur teilweise richtig.

Gold als Vermögensspeicher ohne laufenden Cashflow

Sparbuch, Anleihe oder Aktie können laufende Erträge generieren. Genau darin unterscheidet sich Gold von den meisten klassischen Anlageformen. Deshalb betrachten viele Investoren das Edelmetall als defensiven Vermögensspeicher, aber nicht als renditefähige Anlage. Einige stellen den Sinn eines Goldinvestments sogar grundsätzlich infrage. Für Kritiker wie Warren Buffett oder Charlie Munger liegt Gold nur herum. Eine gute Firma sei dagegen produktiv und schaffe Wert.

Gleichwohl ist Gold derzeit gefragter denn je. In Zeiten überschuldeter Staatshaushalte und einer anhaltenden Ausweitung der weltweiten Geldmenge gilt es vielen Menschen als Schutz vor Kaufkraftverlust. Doch der strukturelle Nachteil bleibt bestehen. Gold erzeugt keinen Cashflow. Was viele übersehen: Dieses Manko lässt sich teilweise umgehen.

Covered Call als Strategie zur Ertragsgenerierung

Ausgangspunkt ist ein nüchterner Blick auf bestehende Positionen. Wer Gold als Absicherung hält und nicht auf maximale Kursgewinne spekuliert, kann sich fragen: Muss dieses Investment tatsächlich vollständig ertragslos bleiben? Lässt sich das Edelmetall nicht doch nutzen, um laufende Einnahmen zu erzielen, ohne die Schutzfunktion aufzugeben? Genau an diesem Punkt setzt eine einfache Optionsstrategie an: der Covered Call, also der Verkauf einer Kaufoption auf eine bestehende Gold-Position. Sie verändert nicht den Charakter von Gold als defensiven Vermögensbaustein, wohl aber seine Rolle im Portfolio.

Optionierbare Gold-ETCs als Voraussetzung für Prämieneinnahmen

Allerdings funktioniert das nicht mit physischem Gold. Barren, Münzen oder Schmuck im Tresor werfen weder Zinsen noch Dividenden ab. Sie sind Sachwerte, aber keine Instrumente zur Einkommensgenerierung. Regelmäßige Einnahmen werden erst dort möglich, wo Gold standardisiert und liquide handelbar ist. Börsengehandelte, mit physischem Gold hinterlegte ETCs bilden den Goldpreis nahezu eins zu eins ab und sind an den Terminbörsen optionierbar, etwa der SPDR Gold Trust (GLD) oder kleinere Vehikel wie der iShares Gold Trust (IAU). Erst auf diesem Weg lassen sich Covered Calls realisieren. Nicht das Metall selbst erwirtschaftet Erträge, sondern die Nachfrage nach Absicherung gegen Kursschwankungen.

Wie funktioniert ein Covered Call mit Gold-ETCs

Ein Covered Call setzt voraus, dass der Investor den zugrunde liegenden Basiswert bereits besitzt. In der Regel sind dies 100 Anteile eines Gold-ETCs, da sich Optionen meist auf diese Stückzahl beziehen. Auf diese Position verkauft er eine Kaufoption (Call). Der Käufer erwirbt damit das Recht, den ETC zu einem festgelegten Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen. Für dieses Recht zahlt er eine Prämie, die dem Verkäufer sofort zufließt. Dieser Cashflow ist der zentrale Ertrag der Strategie.

Liegt der Goldpreis am Laufzeitende unter dem vereinbarten Ausübungspreis, verfällt die Option wertlos. Die Anteile verbleiben im Depot, die Prämie bleibt beim Covered-Call-Halter.

Ertragsprofil und Renditevergleich am Beispiel des IAU

Angenommen, der IAU-ETC wurde zu rund 90 US-Dollar gekauft. Der Investor hält 100 Anteile, sodass das Basisinvestment 9.000 US-Dollar beträgt. Der aktuelle Kurs liegt bei 92,70 US-Dollar. Er verkauft nun einen Call mit einer Laufzeit von rund zwölf Monaten und einem Basispreis von 130 US-Dollar, was 40 Prozent über dem aktuellen Kurs liegt. Die Prämie von 3,15 US-Dollar entspricht, bezogen auf das eingesetzte Kapital, etwa 3,5 Prozent und damit der Rendite einer einjährigen US-Staatsanleihe. Der Ertrag ist damit von Beginn an definiert. Die Prämie fließt unabhängig vom weiteren Kursverlauf.

Zugang zu US-Gold-ETCs über Cash-Secured-Puts

Hinweis: US-Gold-ETCs wie GLD oder IAU sind für europäische Anleger in der Regel nicht direkt kaufbar. Der Einstieg kann jedoch über die Andienung per Cash-Secured-Put erfolgen. Hintergrund für die Auswahl der US-Gold-ETCs sind deutlich liquidere Optionsmärkte als bei vergleichbaren europäischen Gold-ETCs.

Begrenztes Aufwärtspotenzial bei unverändertem Abwärtsrisiko

Der Ertrag ist mit einem bewussten Verzicht verbunden. Die vereinnahmte Prämie ist die Gegenleistung dafür, dass Kursgewinne oberhalb des Basispreises nicht mehr dem Investor zufallen. Steigt der Preis des Gold-ETCs über den im Beispiel gewählten Basispreis von 130 US-Dollar, greift die Verpflichtung aus der verkauften Option. In diesem Fall werden die 100 Anteile des ETCs zu genau diesem Preis an den Käufer des Calls geliefert. Ein weiterer Kursanstieg kommt dem Verkäufer dann nicht mehr zugute.

Wichtig ist: Diese sogenannte Andienung muss nicht zwingend erst am Laufzeitende erfolgen, sondern kann auch während der Laufzeit eintreten. Werden dabei Kursgewinne realisiert, kann dies steuerliche Folgen haben.

An der grundsätzlichen Risikostruktur der Strategie ändert dies jedoch nichts. Fällt der Goldpreis, verhält sich die Covered-Call-Position nicht schlechter als eine reine ETC-Anlage. Im Gegenteil: Die vereinnahmte Optionsprämie wirkt wie ein kleiner Puffer. Sie reduziert Verluste und verbessert die Rendite im Vergleich zum bloßen Halten des Gold-ETCs.

Covered Calls erhöhen somit nicht das Abwärtsrisiko des Goldinvestments, sondern beschneiden bewusst einen Teil des Aufwärtspotenzials. Der Investor tauscht mögliche zusätzliche Kursgewinne gegen einen planbaren Ertrag. Ob dieser Tausch sinnvoll ist, hängt weniger von der Strategie als von der Markterwartung und der Funktion von Gold im Portfolio ab.

Steuerung von Basispreis, Laufzeit und Volatilität

Wie hoch der laufende Ertrag aus Covered Calls ausfällt, lässt sich gezielt steuern. Entscheidend ist vor allem die Wahl des Basispreises. Liegt dieser nahe am aktuellen Kurs des Gold-ETCs, fällt die Optionsprämie zwar höher aus, dafür wird jedoch das Aufwärtspotenzial früher begrenzt. Ein weiter entfernter Basispreis reduziert die laufenden Einnahmen, gibt dem Goldpreis aber mehr Spielraum.

Ähnliches gilt für die Laufzeit der Option. Kürzere Laufzeiten ermöglichen häufigere Prämieneinnahmen und mehr Flexibilität, erfordern jedoch ein aktiveres Management. Längere Laufzeiten liefern planbare Erträge über einen längeren Zeitraum, binden die Position allerdings stärker. Welche Kombination gewählt wird, richtet sich nach der Einschätzung der Goldpreisentwicklung.

Die Höhe der Prämie hängt jedoch nicht allein von diesen Stellschrauben ab. Sie spiegelt auch wider, wie stark der Markt in den kommenden Monaten mit Kursschwankungen rechnet. In unruhigen Phasen sind die Prämien tendenziell höher, in ruhigeren entsprechend niedriger.

Covered Calls als kalkulierbare Ergänzung im defensiven Portfolio

Covered Calls verändern den Charakter von Gold-ETCs nicht grundlegend. Auch mit dieser Konstruktion bleibt es das, was es war: ein defensiver Baustein zur Stabilisierung eines Portfolios. Die Optionsstrategie macht aus dem Edelmetall kein produktives Unternehmen und ersetzt keinen operativen Wertzuwachs. Sie erweitert jedoch die Möglichkeiten. Wer Gold primär zur Absicherung hält, kann mithilfe von Optionen einen laufenden Rückfluss erzielen, ohne die Grundfunktion aufzugeben. Der Preis dafür ist klar definiert: Ein Teil möglicher Kursgewinne wird gegen planbare Einnahmen getauscht. Dabei spielt die eigene Erwartung an die Entwicklung des Goldpreises eine wesentliche Rolle. Dynamische Anstiege sollten nicht erwartet werden, da Covered Calls sonst die Performance bremsen. Wer diese Strategie jedoch nicht als spekulatives Aufwärtsinstrument versteht, sondern als Stabilitätsanker, kann über ETCs und Covered Calls aus einem vermeintlich ertragslosen Vermögenswert eine kalkulierbare Einkommensquelle generieren.

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