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Aktien > (Geheim)tipps aus dem Reich der Mitte

Chinas KI-Offensive: 5 Aktien im Fokus

| Oliver Götz

Z.AI Chatfenster auf Smartphone.
Die KI des chinesischen Unternehmens Zhipu AI holt gegenüber ChatGPT und Co. auf. (Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Andre M. Chang)

Peking will bis 2030 zur globalen KI-Führungsmacht werden und steckt Milliarden in den heimischen Markt. Anlegern eröffnen sich nicht nur deshalb attraktive Alternativen zu den hoch bewerteten US-Titeln.

Zhipu AI

Hierzulande weitgehend unbekannt, ist Zhipu AI in China einer der großen Wachstumsstars im KI-Sektor. Das 2019 aus dem Umfeld der Pekinger Tsinghua-Universität hervorgegangene Unternehmen zählt zu den sogenannten „AI Tigers“ – jenen Start-ups, die als aussichtsreichste Herausforderer im globalen Wettlauf um große Sprachmodelle gelten. Im Januar dieses Jahres schaffte es Zhipu weltweit als erster Anbieter eines KI-Basis-Modells aufs Börsenparkett. Die Aktie, die seither unter dem Namen Knowledge Atlas Tech in Hongkong notiert, startete direkt durch und erzielte binnen eines halben Jahres ein sagenhaftes Kursplus von 2.000 Prozent. Mit seiner Modellfamilie GLM setzt Zhipu auf generative KI, multimodale Anwendungen und zunehmend auch auf autonome KI-Agenten. Das jüngste Flaggschiff GLM-5 wurde auf heimischer Chip-Infrastruktur entwickelt und liegt gemessen am Artificial Analysis Intelligence Index, der die Perfomance von KI-Modellen vergleicht, nicht mehr weit hinter Open AIs ChatGPT zurück. In seiner Cloud- und API-Sparte verdreifachte Zhipu 2025 den Umsatz auf 190 Millionen Yuan, zirka 24,5 Millionen Euro. Die Nachfrage soll sich Unternehmensangaben nach im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht haben. Insgesamt stiegen die Einnahmen um 132 Prozent auf umgerechnet zirka 91 Millionen Euro. Noch sind das überschaubare Summen, zudem lag Zhipus Nettoverlust 2025 bei 400 Millionen Euro. Das liegt aber branchentypisch auch an hohen Investitionen. Die Börse handelt Zhipu längst als heißeste KI-Wette Chinas.

MiniMax Group

MiniMax hat sich vor allem mit seinen multimodalen KI-Modellen sowie verbrauchernahen Anwendungen einen Namen gemacht. Besonders bekannt ist das Unternehmen für die KI-Charakter-App Talkie und den Videogenerator Hailuo AI, mit denen MiniMax den Trend hin zu KI-gestützten Unterhaltungs- und Kreativanwendungen bedient. Gleichzeitig investiert der Konzern Milliarden in die Entwicklung seiner Basismodelle mit MiniMax M3 an der Spitze. Operativ wächst das Unternehmen rasant: Analysten rechnen für 2026 mit einem Umsatzsprung auf 219 Millionen US-Dollar – fast eine Verdreifachung gegenüber den 79 Millionen US-Dollar des Vorjahres. Der Bruttogewinn legte 2025 bereits um mehr als 437 Prozent auf 20,1 Millionen US-Dollar zu. Dem steht allerdings weiterhin ein hoher Verlust gegenüber, da MiniMax massiv in neue KI-Modelle investiert. An der Börse verlief die Entwicklung zuletzt deutlich verhaltener als etwa bei Konkurrent Zhipu: Nach einer kräftigen Rally im Frühjahr notiert die Aktie inzwischen wieder auf dem Niveau vom Jahresanfang.

Cambricon Technologies

Cambricon Technologies gilt in Expertenkreisen als das „Nvidia Chinas“, entwickelt KI-Beschleunigerchips für Rechenzentren und Edge-Anwendungen. China soll Cambricon dabei helfen, sich von westlicher Hardware unabhängig zu machen und heimische KI-Chips auf westliches Spitzenniveau zu bringen, weshalb das Unternehmen massiv von den KI-Subventionen aus Peking profitiert. Entsprechend stark entwickelt sich das Geschäft. Im Jahr 2025 steigerte Cambricon den Umsatz um 453 Prozent auf rund 955 Millionen US-Dollar und erzielte mit einem Nettogewinn von 310 Millionen Dollar erstmals schwarze Zahlen. Das hohe Wachstum setzte sich auch 2026 fort: Im ersten Quartal sprang der Umsatz um knapp 160 Prozent auf 430 Millionen Dollar, während sich der Nettogewinn um 185 Prozent auf knapp 150 Millionen Dollar erhöhte. Der Aktienkurs hat sich innerhalb des ersten Halbjahres fast vervierfacht. Zwischenzeitlich wurde die Cambricon-Aktie als teuerste der Volksrepublik gehandelt. Anleger setzen mit Cambricon in jedem Fall auf einen der größten Infrastruktur-Profiteure der chinesischen Strategie, eine eigenständige KI- und Halbleiterindustrie aufzubauen.

Zhongji InnoLight

Ein eher unbekannter Name, dafür eine umso bedeutendere Technologie. Zhongji InnoLight ist Weltmarktführer bei optischen Hochgeschwindigkeits-Transceivern, die für den Datenaustausch in modernen KI-Rechenzentren unverzichtbar sind. Die Leistung herkömmlicher Kupferkabel reicht inzwischen nicht mehr aus. Zu den Kunden der Chinesen gehören Tech-Schwergewichte wie Nvidia, Amazon, Alphabet und Meta. Die Nachfrage nach den optischen Modulen des Konzerns steigt kontinuierlich. Entsprechend dynamisch entwickeln sich die Geschäfte: 2025 kletterte der Umsatz um gut 60 Prozent auf umgerechnet rund 5,3 Milliarden US-Dollar, während sich der Nettogewinn auf etwa 1,5 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppelte. Die Aktie befindet sich seit Jahren in einer beeindruckenden Aufwärtsbewegung und konnte ihren Wert allein im ersten Halbjahr erneut verdoppeln. Die Marktkapitalisierung erreichte zeitweise Werte von über 200 Milliarden Dollar, womit InnoLight zu den wertvollsten börsennotierten chinesischen Konzernen gehört. Ein Risiko bleibt allerdings die hohe Abhängigkeit vom Auslandsgeschäft und damit vor allem von den US-Hyperscalern.

Baidu

Baidu gehört zu den bekanntesten und größten Tech-Konzernen der Volksrepublik und wird gern auch als das „Google Chinas“ bezeichnet. Ähnlich seinem US-amerikanischen Pendant, ist Baidu längst über das reine Angebot einer Internetsuche hinausgewachsen und hat sich zu einem der aussichtsreichsten KI-Player Chinas entwickelt. Ende 2025 stellte Baidu mit ERNIE 5.0 die neueste Generation seines Sprachmodells, welches die Chinesen inzwischen in ihr gesamtes Ökosystem integriert haben, vor. Parallel baut der Konzern mit den neuen KI-Chips Kunlun M100 und M300 auch die Hardware-Seite aus und adressiert damit sowohl das Training als auch den Betrieb großer KI-Modelle. Welche Wachstumsdynamik sich daraus entfaltet, beweisen die Zahlen. Im abgelaufenen Quartal legte der Umsatz des KI-getriebenen Kerngeschäfts um 49 Prozent auf mehr als zwei Milliarden Dollar zu und stand erstmals für mehr als die Hälfte der Konzerneinnahmen. Das Cloud-Segment wuchs massiv um 79 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Der Bereich GPU-Cloud legte sogar um 184 Prozent zu. An der Börse reichte es zuletzt nicht für die großen Sprünge. Als breit aufgestellter Tech-Krösus hat der KI-Hochlauf in China nicht ganz so viel Einfluss auf die Bewertung, wie bei den im Vorfeld genannten Spezialisten.

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