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Tops und Flops > Gewinner und Verlierer

Tops & Flops KW 27/2026: Bayer, Nagarro, Micron & Co.

| Thomas Behnke | Lesezeit: 6 Min.

Schriftzug „Tops & Flops“ zur Kennzeichnung der wöchentlichen Übersicht über auffällige Gewinner und Verlierer bei Aktien.
Tops und Flops der Börsenwoche 27/2026: Während Nagarro nach dem Übernahmeangebot des indischen Konzerns Persistent an die SDAX-Spitze springt und Bayer weiter vom Glyphosat-Urteil profitiert, wettet Michael Burry gegen den Chip-Highflyer Micron Technology.

Nagarro springt nach einem Übernahmeangebot an die SDAX-Spitze, Bayer gelingt der Glyphosat-Befreiungsschlag, und Michael Burry wettet gegen Micron: die Tops und Flops der Börsenwoche 27/2026.

Übernahmeprämie und Glyphosat-Befreiungsschlag treffen auf Burrys Wette gegen den Chip-Boom

Bei den Tops und Flops der Börsenwoche 27/2026 verläuft die Trennlinie über den Atlantik. In Deutschland sorgen ein Übernahmeangebot mit satter Prämie, ein juristischer Befreiungsschlag samt Konzernumbau und die Erholung der zuletzt gebeutelten Rüstungswerte für kräftige Gewinne. In den USA dagegen lassen die Highflyer des Halbjahres deutlich Luft ab, und ausgerechnet der bekannteste Skeptiker der Wall Street setzt nun auf weiter fallende Kurse.

+++ Tops der Börsenwoche 27/2026 +++

Bayer-Aktie baut Aufwärtsmomentum weiter aus

Nach dem kräftigen Kursplus in der Vorwoche setzte die Aktie von Bayer (ISIN: DE000BAY0017) an den vergangenen Handelstagen ihr starkes Aufwärtsmomentum fort und gehörte erneut zu den größten Gewinnern aus dem DAX. Aus charttechnischer Sicht kletterte der Kurs dabei über das Zwischenhoch im Februar dieses Jahres bei 49,78 Euro, und ein nachhaltiger Ausbruch spricht für weiteres Kurspotenzial.

Unterstützung für den Agrarchemie- und Pharmakonzern gab es in der vergangenen Woche durch weitere Nachrichten. Bayer lagert sein US-Geschäft mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat in ein eigenes Unternehmen mit Namen Ruveon aus. Erklärtes Ziel ist es, dadurch das Geschäft „optimal auf die spezifischen Anforderungen des US-Marktes auszurichten“. So könne Ruveon eigenständig agiler handeln und damit der spezifischen Wettbewerbsdynamik in dem durch Nachahmerprodukte geprägten Markt besser begegnen. 

Das klingt plausibel, dürfte aber nur die halbe Wahrheit sein. Zwar bleibt Ruveon vorerst Teil des Bayer-Konzerns, sodass etwaige künftige Glyphosat-Risiken weiterhin das Konzernergebnis belasten würden. Auch die bereits anhängigen Altklagen lassen sich durch eine Ausgliederung nicht abstreifen. Doch die neue Struktur schafft etwas anderes: die Option, das juristisch belastete Geschäft zu einem späteren Zeitpunkt sauber abzutrennen oder zu verkaufen. Analysten sehen darin denn auch weniger eine operative Neuausrichtung als den Versuch, das Haftungsprofil des Konzerns langfristig zu begrenzen. Dass die Ankündigung in unmittelbarer zeitlicher Nähe zum jüngsten Gerichtserfolg erfolgte, dürfte kein Zufall sein: Nachdem sich das rechtliche Umfeld in den USA deutlich aufgehellt hat, wäre eine Trennung vom Glyphosat-Geschäft für Bayer nun zu weitaus besseren Konditionen möglich als noch vor wenigen Monaten.

Bayer sieht sich seit Jahren in den USA mit einer milliardenteuren Klagewelle wegen möglicher Krebsrisiken bei seinem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup konfrontiert. In der vergangenen Woche hatte der Konzern dabei einen wichtigen Erfolg vor dem Obersten Gericht des Landes erzielt: Die Richter entschieden, dass Klagen auf Basis einzelstaatlichen Rechts wegen fehlender Krebswarnungen unzulässig sind, da die US-Umweltbehörde EPA einheitliche Kennzeichnungen vorschreibt. Tausenden Klagen im Zusammenhang mit Roundup dürfte damit die Grundlage entzogen werden.

Nagarro-Aktie springt nach Übernahmeangebot an die SDAX-Spitze

Seit dem Allzeithoch im Januar 2022 kannte die Aktie des IT-Dienstleisters Nagarro (ISIN: DE000A3H2200) nur eine Richtung: abwärts. Bilanzierungsprobleme und eine schwache Gewinnentwicklung hatten zu Abgabedruck geführt. In der Vorwoche wurde dabei mit 32,50 Euro der Tiefpunkt markiert. Das entsprach einem Rückgang von rund 85 Prozent seit dem Rekordwert. In der vergangenen Woche schnellte der Kurs dann deutlich nach oben, und Nagarro setzte sich damit an die Spitze unter den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt. Auslöser ist das Übernahmeangebot des indischen Konzerns Persistent (ISIN: INE262H01021). Dieser bietet 81 Euro je Nagarro-Aktie. Persistent will mindestens die Hälfte der Anteile erwerben. Rund 20 Prozent der Anteile hat sich das indische Unternehmen von der Gründerfamilie gesichert und damit bereits einen großen Schritt in Richtung der 50 Prozent geschafft. Auch Mitglieder des Vorstands beabsichtigen, ihre privat gehaltenen Aktienpakete in das Angebot einzuliefern.

Hensoldt und andere Rüstungswerte erholen sich deutlich

Nach den ausgeprägten Korrekturen in den Vorwochen zeigten die deutschen Rüstungswerte in der vergangenen Woche kräftigere Gegenbewegungen. Sowohl der DAX-Wert Rheinmetall (ISIN: DE0007030009) als auch die MDAX-Werte Renk (ISIN: DE000RENK730), TKMS (ISIN: DE000TKMS001) und Hensoldt (ISIN: DE000HAG0005) gehörten damit zu den größten Wochengewinnern am deutschen Aktienmarkt. Vor allem Hensoldt verzeichnete dabei die stärksten Zuwächse.

Nachrichten, die für einen nachhaltigen Stimmungsumschwung in der Branche sprechen würden, gab es nicht. Eher das Gegenteil war der Fall. So lässt der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS seine Börsenpläne überraschend ruhen und begründete das mit derzeit ungünstigen Marktbedingungen.

+++ Flops der Börsenwoche 27/2026 +++

Micron Technology von Michael Burry geshortet

Aus der Gruppe der US-Schwergewichte fällt in der vergangenen Woche die Schwäche bei Micron Technology (ISIN: US5951121038, Symbol: MU) auf. Das Allzeithoch in der Vorwoche, das nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen mit 1.255 US-Dollar erreicht wurde, wurde damit erst einmal abverkauft. Seither ist der Kurs bereits um rund 25 Prozent gefallen und zeigt damit eine dynamische Korrektur.

Und wenn es nach Michael Burry, dem „The Big Short“-Investor, geht, dürfte es weitere Abgaben geben. Er hatte in seinem Blog mitgeteilt, eine Short-Position in Micron Technology eröffnet zu haben. Demnach habe er die MU-Aktie bei einem Kurs von 1.051,87 US-Dollar pro Aktie leer verkauft. Die jüngste Rally der Chip-Aktie sei seiner Ansicht nach getrieben von der Angst, etwas zu verpassen (FOMO), dem „Greater-Fool“-Prinzip, also der Hoffnung, später noch einen Dümmeren zu finden, der zu einem höheren Preis kauft, sowie von öffentlichem Commitment-Bias, d. h. der Tendenz, an einmal öffentlich vertretenen Positionen festzuhalten.

Burry sagte: „Micron verkörpert Zyklizität wie kein anderes Unternehmen“, und fügte hinzu, dass die Aktie in den letzten 42 Jahren 34 Kursrückgänge von mehr als 30 Prozent verzeichnet habe. Er erklärte zudem, dass die Aktien des Unternehmens derzeit stärker über ihrem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt liegen als jemals zuvor seit 1984, „nicht einmal während des Dotcom-Booms“.

SanDisk-Aktie korrigiert nach Rekordhoch deutlich

In der vergangenen Woche ging das zweite Quartal zu Ende, und offenbar wurde das am US-Aktienmarkt zum Anlass genommen, bei den Highflyern des ersten Halbjahres 2026 weitere Gewinne mitzunehmen. Werte aus den Sektoren Halbleiter und Computer Hardware wie Micron Technology (ISIN: US5951121038), Seagate Technology (ISIN: IE00BKVD2N49) und Western Digital (ISIN: US9581021055) verzeichneten größere Verluste und setzten damit ihre Korrekturen fort, die teilweise schon in den beiden Wochen zuvor begonnen hatten. Zuletzt verzeichnete dabei die SanDisk-Aktie (ISIN: US80004C2008) die größten Verluste. Seit ihrem Allzeithoch am 22. Juni bei 2.354 US-Dollar ist sie inzwischen um mehr als 25 Prozent gefallen. Mit über 600 Prozent Zuwachs seit Jahresbeginn ist der Speicherspezialist aber nach wie vor der beste Performer im NASDAQ-100 und S&P 500. Die Dynamik der aktuellen Korrekturbewegung erklärt sich damit auch durch die rasante Rallye in den vergangenen Monaten. Offen ist, ob es sich dabei nur um ein temporäres Luftholen handelt, bevor der Aufwärtstrend fortgesetzt wird, oder ob mit dem Rekordhoch im Juni ein Top gebildet wurde, das nicht so schnell wieder erreicht wird.

Nebius-Aktie setzt Korrektur fort

Die niederländische Nebius Group (ISIN: NL0009805522, Symbol: NBIS) gehört zu den jüngsten Aufsteigern in den NASDAQ-100. Seit dem 22. Juni ist die Aktie des Unternehmens dort enthalten. Zufälligerweise ist dieser Tag auch derjenige, an dem die Aktie mit fast 300 US-Dollar ihr bisheriges Allzeithoch markiert hatte. Seither befindet sich der Kurs in einer Korrektur, die sich in der vergangenen Woche fortsetzte und zwischenzeitlich zu einem Verlust von über 30 Prozent führte. Solche dynamischen Rückschläge gab es in den letzten Monaten immer wieder. Zuletzt Anfang Juni. Somit könnte es sich auch diesmal nur um ein Luftholen handeln, bevor der Aufwärtstrend fortgesetzt wird. Sollte allerdings das Zwischentief von Anfang Juni bei 200,30 US-Dollar unterschritten werden, wäre damit der Aufwärtstrend der letzten Monate gebrochen. Das könnte wiederum weitere nennenswerte Abgaben nach sich ziehen.

Nebius ist ein auf KI-Infrastruktur spezialisiertes Cloud-Unternehmen. Das Kerngeschäft umfasst GPU-basierte Rechenkapazität, Cloud-Compute, Speicher, Netzwerkdienste und Plattformtools für Training, Fine-Tuning und Inferenz großer KI-Modelle. Adressiert werden KI-Entwickler, Start-ups, Forschungsteams und Unternehmenskunden, die skalierbare Hochleistungsinfrastruktur benötigen. Strukturelle Treiber sind der steigende Bedarf an generativer KI, knappe Beschleunigerkapazitäten, Outsourcing von KI-Rechenleistung und der Aufbau spezialisierter KI-Clouds.

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