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Krypto > Krypto-Szene in Aufruhr

Ausmaß viel größer als gedacht: Strategy verkauft tausende Bitcoins

| Oliver Götz

Strategy-Logo und Bitcoins.
Trotz niedrigem Kurs verkauft Strategy über 3.500 Bitcoins. (Foto: Picture Alliance / imageBROKER / Mojahid Mottakin)

Gerät da ein Kartenhaus ins Wanken? Bitcoin-Star Michael Saylor trennt sich von Bitcoins im Wert von über 200 Millionen US-Dollar – und der Markt wird hellhörig.

Seit Jahren verfolgt der von Michael Saylor geprägte US-Konzern eine ebenso einfache wie radikale Strategie: möglichst viele Bitcoins kaufen und langfristig halten. Mit milliardenschweren Anleihen, Kapitalerhöhungen und Vorzugsaktien wurde immer wieder frisches Geld eingesammelt – fast ausschließlich mit dem Ziel, den Bitcoin-Bestand weiter auszubauen.

Diese kompromisslose Haltung machte Strategy für viele Anleger zum Synonym des sogenannten "HODL"-Gedankens. Verkauft wird nicht – egal, wie stark der Kurs schwankt. „HODL“ wurde zum Kult-Meme in der Kryptoszene, nachdem vor vielen Jahren ein Nutzer in einem Bitcoin-Forum das Wort „Hold“ falsch geschrieben hatte und wurde später auch als Abkürzung für „Hold on for dear life“, also das „Halten um jeden Preis“, gedeutet.

Transaktion siebenmal größter als zunächst gedacht

Nun hat Strategy innerhalb einer Woche 3.588 Bitcoin verkauft und damit rund 216 Millionen US-Dollar erlöst. Das Ausmaß überraschte selbst erfahrene Marktbeobachter. Zuvor hatten On-Chain-Analysten lediglich eine Transaktion über 491 Bitcoin entdeckt und diese für den gesamten Vorgang gehalten. Schon das hatte für Aufsehen in der Kryptoszene gesorgt. Tatsächlich fiel der Verkauf jedoch mehr als siebenmal so groß aus.

Für viele Investoren stellt sich damit eine unbequeme Frage: Beginnt ausgerechnet der größte institutionelle Bitcoin-Bulle damit, seine Strategie zu verändern? Mit aktuell 843.775 Bitcoin verfügt Strategy weiterhin über den mit Abstand größten Bitcoin-Bestand eines börsennotierten Unternehmens weltweit. Der Verkauf entspricht weniger als einem halben Prozent der Reserven. Von einem grundlegenden Ausstieg kann also keine Rede sein. Dennoch markiert die Transaktion einen wichtigen Wendepunkt. Denn bislang galt Bitcoin für Strategy praktisch als unantastbare Reserve. Nun nutzt das Unternehmen seine Bestände erstmals in größerem Umfang aktiv als Finanzierungsinstrument. Michael Saylor machte keinen Hehl aus dem Hintergrund der Transaktion. Die Erlöse wurden verwendet, um Dividenden auf mehrere Vorzugsaktien des Unternehmens zu finanzieren.

Bitcoin wird für Strategy zur Liquiditätsquelle

Damit verändert sich die Rolle von Bitcoin innerhalb des Konzerns. Die Kryptowährung dient nicht mehr ausschließlich als langfristiger Vermögensspeicher, sondern zunehmend auch als Liquiditätsquelle für das eigene Finanzierungssystem. Strategy hat in den vergangenen Jahren ein komplexes Kapitalmodell aufgebaut. Das Unternehmen finanziert neue Bitcoin-Käufe über unterschiedliche Instrumente – darunter Wandelanleihen und Vorzugsaktien mit festen Dividendenansprüchen. Solange ausreichend Kapital zufließt und der Bitcoin-Kurs steigt, funktioniert dieses Modell nahezu reibungslos.

Doch die Kehrseite wird nun sichtbar. Dividenden müssen unabhängig von der Kursentwicklung gezahlt werden. Dafür wird Liquidität benötigt. Und genau diese stammt nun erstmals in größerem Umfang direkt aus den Bitcoin-Reserven.

Bereits vor wenigen Wochen hatte Strategy mit dem Verkauf von lediglich 32 Bitcoin für Diskussionen gesorgt. Damals galt der Schritt noch als Ausnahme. Nun folgt jedoch eine Transaktion, die mehr als hundertmal größer ausfällt. Das lässt sich kaum noch als Einzelfall abtun.

Gleichzeitig wäre es übertrieben, daraus unmittelbar eine Krise abzuleiten. Strategy verfügt neben seinen Bitcoin-Beständen weiterhin über liquide Mittel in Höhe von rund 2,55 Milliarden US-Dollar. Diese Reserve verschafft dem Unternehmen finanziellen Spielraum für kurzfristige Verpflichtungen. Zudem betont Saylor unverändert seine langfristige Überzeugung für Bitcoin.

Die Bitcoin-Szene könnte künftig anders auf Strategy schauen

Dennoch dürfte der Markt künftig deutlich genauer hinschauen. Denn mit dem neuen Monetarisierungsprogramm hat Strategy offiziell festgelegt, Bitcoin bei Bedarf verkaufen zu können. Aus einer reinen Kaufstrategie wird damit ein flexibleres Treasury-Modell. Für Aktionäre und Bitcoin-Anleger verändert das die Ausgangslage. Bislang galt jeder neue Kapitalzufluss bei Strategy praktisch automatisch als zusätzliche Nachfrage nach Bitcoin. Künftig könnten Teile der Bestände hingegen regelmäßig genutzt werden, um Dividenden oder andere Verpflichtungen zu finanzieren.

Ob daraus ein dauerhaftes Muster entsteht, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend wird sein, wie sich der Bitcoin-Kurs entwickelt, wie hoch die laufenden Ausschüttungen auf die Vorzugsaktien ausfallen und ob Strategy künftig ausreichend neue Finanzierungsmöglichkeiten erschließen kann, ohne auf weitere Verkäufe zurückgreifen zu müssen.

Signalwirkung für den gesamten Kryptomarkt

Für den Kryptomarkt besitzt die Entwicklung deshalb weit über die eigentliche Transaktion hinaus Signalwirkung. Michael Saylor hat den Ruf des kompromisslosen Bitcoin-Maximalisten geprägt wie kaum ein anderer Manager. Wenn selbst er beginnt, Reserven zumindest punktuell zu monetarisieren, zeigt das vor allem eines: Auch die überzeugtesten Langfristinvestoren müssen ihre Bilanz am Ende nach betriebswirtschaftlichen Regeln steuern. Das bedeutet keineswegs, dass das Kartenhaus bereits wankt. Aber erstmals zeigt sich, dass selbst Strategy seine Bitcoin-Bestände nicht mehr ausschließlich als unantastbaren Schatz betrachtet. Aus der reinen "Buy-and-Hold"-Philosophie wird Schritt für Schritt ein aktives Finanzierungsinstrument. Genau diese Entwicklung dürfte Anleger in den kommenden Quartalen mindestens ebenso aufmerksam verfolgen wie den Bitcoin-Kurs selbst.

 

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