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Aktien > Defensive gefragt

Schutzschild Dividenden: 4 Dax-Titel für volatile Zeiten

| Oliver Götz

Börsenhändler.
Die Börsen schwanken teils kräftig. Im Dax gibt es Aktie, die dagegenhalten. (Foto: Picture Alliance / Reuters / Brendan Mc Dermid)

Politische Weltbörsen erleben dieser Tage ein wildes Auf und Ab. Gegen die Schwankungen helfen, könnten Dividendenwerte aus dem Dax.

Ein Statement des US-Präsidenten auf Social Media zum Fortgang des Iran-Kriegs reicht, schon springen weltweit die Aktienkurse an – oder krachen zu Boden. Die Märkte sind politisch geworden – und damit entsprechend volatil. Seit Tagen wandert Donald Trump im Iran auf einem schmalen Grat zwischen der Aussicht auf Friedensverhandlungen und militärischer Eskalation. Der Ausgang dieses riskanten Trips bestimmt über den Kurs der Weltwirtschaft. Die exponierte Lage des Kriegsgebietes am arabischen Golf verzahnt Geopolitik und globale Ökonomie enger als je zuvor. Angriffe auf Öl- und Gas-Infrastruktur und die Teil-Blockade der Straße von Hormus durch den Iran bedingen Knappheit nicht nur bei Energierohstoffen, auch die Produktion vieler chemischer Grundstoffe, die aus der Region normalerweise in den Weltmarkt fließen, ist gestört. Preissteigerungen sind die Folge und an den Märkten sorgt man sich begründet vor einem höheren Zinsniveau und Stagflation, also einem Mix aus wenig bis keinem Wachstum und hohen Teuerungsraten. Gift für jede Volkswirtschaft ist das – und damit auch für die Börsen. Allein, das ist nur ein Szenario. Beenden die USA, Israel und Iran den Krieg, dürften trotz einer wahrscheinlichen Übergangsphase ob vieler zerstörter Anlagen in den Golf-Staaten, die Preise für Öl und Gas und deren Nebenprodukte mittelfristig wieder fallen. Die Inflationserwartungen würden sinken, die Zinsen fallen.

Das erklärt die Nervosität am Markt. Es geht um keine systemische Wirtschaftskrise, sondern um eine geopolitisch herbeigeführte Energie- und Transportkrise, die sich zumindest in Teilen zügig rückabwickeln lässt. So kann es im Positiv-Szenario eines schnellen Kriegsendes zügig nach oben gehen mit den Kursen. Verpassen will das niemand. Doch wie positionieren, wenn das Negativ-Szenario eines langen Krieges tagtäglich wie ein Damoklesschwert über den Märkten hängt. So hat sich ein wildes Auf und Ab an den Börsen etabliert. Die Politik macht die Kurse, Fundamentaldaten der Unternehmen geraten in den Hintergrund. Besonders Privatanleger kommen da leicht unter die Räder, steigen zum falschen Zeitpunkt aus und wieder ein.

Dabei gibt es Aktien, die erscheinen wie gemacht, für politische Märkte: Value-Titel mit defensiven Geschäftsmodellen, starker Marktpositionierung und hohen Dividendenrenditen. In Deutschlands Leitindex gibt es da gleich vier davon, die in den vergangenen Wochen bereits gezeigt haben, wie robust sie sich durch volatile Märkte manövrieren können.

1. Munich Re

Die Aktie des weltgrößten Rückversicherers hat seit Beginn des Iran-Kriegs am 28. Februar nur geringfügig an Wert verloren. Der Kurs pendelt um die 550-Euro-Marke. Kurzfristige Einbrüche gab es, eine schnelle Erholung folgte prompt. Das deutet daraufhin, dass viele Investoren auf Einstiegsgelegenheiten bei den Münchnern warten – und zugreifen, sobald sich eine Kursdelle auftut. Das Geschäftsmodell spielt im aktuellen Umfeld seine Stärke aus. Versicherer und insbesondere Rückversicherer, die wiederum die Risiken der Erstversicherer absichern, müssen keine Warenströme umleiten oder sich mit verteuernden Vorprodukten herumschlagen. Eine anziehende Inflation und daraus resultierende Zinserhöhungen spielen ihnen sogar in die Karten, weil sie ihr vieles Kapital am Markt gewinnbringender anlegen können. Die Nachfrage nach der eigenen Dienstleistung ist wenig konjunkturanfällig, ein Großteil der Einnahmen ist planbar, beständig und wiederkehrend. Große Wachstumssprünge sind zwar nicht zu erwarten, dafür mittelfristig konstante Gewinnsteigerungen. Im vergangenen Jahr übertraf die Münchner Rück mit 6,1 Milliarden Euro ihr Vorjahresergebnis von 5,7 Milliarden Euro einmal mehr deutlich. Das führt auch dazu, dass trotz erheblicher Kurssteigerungen in den vergangenen drei Jahren, das KGV noch bei moderaten 10,8 verweilt. Die Dividendenrendite liegt bei 4,7 Prozent, was vor allem deshalb ein erstklassiger Wert ist, da die aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik der Münchner für die kommenden Jahre gesichert scheint. Für 2025 steigt die Dividende deutlich, um 20 Prozent, auf 24 Euro je Aktie. In den Jahren danach soll es jeweils um mindestens fünf Prozent nach oben gehen, orientiert am Gewinn, mit dem klaren Ziel, die Dividende selbst in schwächeren Jahren stabil zu halten. Zusätzlich unterstreicht ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm den Anspruch, Kapital konsequent an die Aktionäre zurückzuführen. In Bedrängnis bringen kann die Aktie aktuell wohl nur ein größerer Crash am Kapitalmarkt. Da Versicherer die Prämien ihrer Kunden anlegen, können fallende Kurse und Bewertungen, die Bilanz belasten.

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2. Allianz

Der Dax wartet noch mit einem weiteren Versicherungskoloss auf. Die Allianz ist Europas größter Erstversicherer und profitiert eine Wertschöpfungsstufe früher von denselben defensiven Qualitäten wie die Münchner Rück. Teure Energierohstoffe verteuern nicht das Schnüren eines Versicherungspakets. Unternehmen und Privathaushalte brauchen Assekuranzen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, während der Autokauf aufgeschoben werden kann. Das sorgt für planbare Ausgaben und Einnahmen trotz geopolitscher Ausnahmezustände. So hat auch die Allianz-Aktie seit Kriegsbeginn im Iran nicht nennenswert an Wert verloren. Die Dividendenrendite liegt bei fast fünf Prozent, das KGV bei 12. Umsatz- und Ergebnisentwicklung stiegen zuletzt parallel zum Aktienkurs. 2025 kletterte das Geschäftsvolumen um acht Prozent auf 186,9 Milliarden Euro, das operative Ergebnis sprang um den gleichen Satz auf 17,4 Milliarden Euro nach oben, der Nettogewinn verbesserte sich um elf Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Aktionärsseitig kann es sich die Allianz erlauben, verlässlich zu bleiben. Die Dividende steigt von 15,40 auf 17,10 Euro je Aktie. Ein neues Aktienrückkaufprogramm über 2,5 Milliarden Euro ist beschlossen. In Sachen Kapitalausstattung glänzt die Allianz durch eine Solvenzquote von 218 Prozent. Der Zielwert liegt mit 180 Prozent deutlich niedriger.

Münchner Rück und Allianz schütten Ende April und Anfang Mai ihre Dividenden an die Aktionäre aus. Wer rechtzeitig vor der jeweiligen Hauptversammlung einsteigt, nimmt die hohen Dividendenrenditen noch in diesem Jahr mit. Zum Einstieg drängen lassen, sollte man sich davon freilich nicht. Oft gibt es die Aktien nach der Ausschüttung mit einem gewissen Abschlag, auch das kann dann eine Einstiegsgelegenheit sein.

Allianz-Aktie

3. Eon

Nach einer starken Kursentwicklung liegt die Dividendenrendite der Eon-Aktie mit drei Prozent inzwischen deutlich niedriger. Noch vor einem Jahr war die Rendite ähnlich hoch wie bei den beiden genannten Versicherern. Drei Prozent bleiben parallel zu einem bislang stabilen Kurs trotz Iran-Krieg aber ein Wort. Das KGV liegt derweil mit 18,5 hoch für einen defensiven Versorger-Wert. Das zeigt: Anleger schätzten die Aktie ob ihrer defensiven Stärke und akzeptieren dafür eine leichte Überbewertung auf Basis fundamentaler Kennzahlen. Eon überzeugt im aktuellen Krisen-Umfeld als „sicherer Hafen“. Planbare Erträge aus dem regulierten Netzgeschäft sorgen für griffige Prognosen. Anleger müssen keine bösen Überraschungen fürchten. Rund drei Viertel des operativen Gewinns stammen bei Eon aus dem Betrieb von Strom- und Gasleitungen, deren Renditen staatlich festgelegt und weitgehend unabhängig von kurzfristigen Marktverwerfungen sind. Die Energiewende verlangt zudem einen massiven Ausbau der Netze, den Eon mit Milliardeninvestitionen vorantreibt, womit sich die Gewinne in diesem Geschäftsfeld in den kommenden Jahren automatisch erhöhen werden. Bis 2030 rechnet Eon mit einem konzernweiten Ebitda in Höhe von 13 Milliarden Euro, der Nettogewinn soll bis dahin auf 3,8 Milliarden Euro steigen. 2025 lagen beide Werte bei 9,8 und drei Milliarden Euro. Es geht also auch bei Eon nicht um massives Gewinnwachstum, sondern um verlässliche, Stück für Stück steigende Ergebnisse. So dürfte auch die Dividende mitklettern, die für das abgelaufene Geschäftsjahr bereits um vier Prozent auf 57 Cent je Aktie angehoben werden wird.

Eon-Aktie

4. Deutsche Börse

Die Aktie der Deutschen Börse erweist sich bislang als eine der wenigen Profiteure des Iran-Kriegs. Seit Beginn des Konflikts haben die Papiere der Frankfurter fast zehn Prozent an Wert zugelegt. Börsenbetreiber profitieren von volatilen Märkten. Wird häufiger gekauft und verkauft, steigen die Einnahmen durch die dafür anfallenden Gebühren. Den deutlichen Anstieg innerhalb der vergangenen Wochen verdanken die Papiere aber auch ebenso deutlichen Kursverlusten im Vorfeld. Nach einer langen Rally war die Aktie zu Beginn des Jahres in einem Mix aus Gewinnmitnahmen, der Aussicht auf sinkende Zinsen und einem Markt mit wenig Handelsaktivität, gefallen. Nun also läuft der Kurs zurück in seine ursprüngliche Aufwärtsbewegung. Die Aussicht auf höhere Zinsen lässt Anleger dabei auch auf höher als erwartete Treasury-Ergebnisse hoffen. Für Barclays-Analyst Benjamin Goy bleibt die Aktie trotz der jüngsten Erholung attraktiv bewertet. Für Anleger, die den aktuellen Schwankungen am Markt aus dem Weg gehen wollen, ist vielmehr die Resilienz der Frankfurter von Bedeutung. Das Geschäftsmodell wird von geopolitischen Verwerfungen kaum tangiert, die Einnahmen sprudeln, wenn auch je nach Marktlage unterschiedlich stark, verlässlich. Gehandelt wird immer. Über geschickte Übernahmen im Bereich der Datenverarbeitung erweiterte die Deutsche Börse ihr Portfolio darüber hinaus um zusätzliche und vor allem wiederkehrende Einnahmen. Im vergangenen Jahr waren der Umsatz um drei Prozent auf etwas mehr als sechs Milliarden Euro geklettert, das Ebitda auf 3,5 Milliarden Euro. Die Dividende steigt mit – von vier auf 4,20 Euro für 2025. Die Dividendenrendite liegt bei knapp zwei Prozent. Das ist deutlich niedriger als bei Allianz, Munich Re oder Eon, dafür verspricht die Aussicht auf ein höheres Gewinnwachstum schnellere Kurssteigerungen.

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