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Tops und Flops > Gewinner und Verlierer

Tops & Flops KW 20/2026: Delivery Hero, Cisco Systems und MTU Aero Engines im Fokus

| Thomas Behnke | Lesezeit: 7 Min.

Schriftzug „Tops & Flops“ zur Kennzeichnung der wöchentlichen Übersicht über auffällige Gewinner und Verlierer bei Aktien.
Tops & Flops KW 20/2026: Strategische Fantasie, KI-Nachfrage und neue Prognosen sorgten für Gewinner. Gewinnmitnahmen und KI-Sorgen belasteten einzelne Aktien.

Börsenwoche 20/2026: Delivery Hero, Cisco Systems und Jenoptik profitieren von KI-Fantasie, Strategieimpulsen und starken Zielen. MTU Aero Engines, SanDisk und Thomson Reuters geraten unter Druck.

KI-Nachfrage, neue Ziele und Gewinnmitnahmen bewegen Einzelwerte

Die Tops und Flops der Börsenwoche 20/2026 zeigen eine Woche, in der konkrete Unternehmenssignale die Kurse bewegten. Gefragt waren Titel mit Fantasie auf strategische Neuordnung, angehobenen Zielen oder starker KI-bezogener Nachfrage. Belastet wurden andere Werte durch Gewinnmitnahmen, fehlende operative Impulse und Sorgen vor veränderten Geschäftsmodellen durch generative KI.

+++ Tops der Börsenwoche 20/2026 +++

Delivery Hero mit kräftigem Kurssprung

Mit einem bemerkenswerten Plus von über 30 Prozent gehörte die Aktie von Delivery Hero (ISIN: DE000A2E4K43) in der vergangenen Woche zu den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt. Am Montag wurde bekannt gegeben, dass Großaktionär Prosus seine Beteiligung an dem MDAX-Wert weiter verringert hat. Ein Aktienpaket von rund 5 Prozent wurde an den Investor Aspex Management verkauft. Laut Mitteilung lag der Verkaufspreis bei 22 Euro je Aktie und damit 10 Prozent über dem Preis beim vergangenen Verkauf von 4,5 Prozent an den US-Fahrdienstleister Uber Mitte April. Durch das Geschäft steigt der Anteil von Aspex an Delivery Hero auf rund 14 Prozent, während die Beteiligung von Prosus auf etwa 17 Prozent sinkt.

Aspex hatte sich zuletzt für einen Wechsel an der Konzernspitze starkgemacht, falls das Management die angekündigten Vermögensverkäufe nicht umsetze. Der Betreiber von Lieferplattformen für Essen und Quick-Commerce (Lebensmittel und Haushaltswaren) hatte im Dezember mitgeteilt, den Verkauf von Unternehmensteilen zu prüfen, seither aber noch keine Fortschritte bekannt gegeben. Es gab daher zuletzt immer wieder Berichte, wonach größere Investoren Druck auf das Management ausüben könnten. Offenbar mit Erfolg. Denn kurz nach dem weiteren Anteilsverkauf an Aspex in der vergangenen Woche hat Delivery-Hero-Gründer und -Chef Niklas Ostberg bekannt gegeben, die Leitung des Konzerns bis zum 31. März 2027 abzugeben. Während der Übergangsphase will er weiter die operativen Geschäfte führen und die nächste Phase der eingeleiteten strategischen Prüfung sowie die damit verbundenen M&A-Prozesse leiten. Bis Ende 2026 soll zudem ein Nachfolger gefunden werden. Anteilsverkauf und Personalie scheinen damit neue Fantasie bei den Aktionären entfacht zu haben, das Unternehmen strategisch neu zu ordnen. Auch die Schließung von Short-Positionen dürfte den Kurs der Delivery-Hero-Aktien in der vergangenen Woche gestützt haben.

Delivery Hero

Cisco Systems erreicht neue Rekorde

Am US-Aktienmarkt stach bei den größten Gewinnern der vergangenen Woche Cisco Systems (ISIN: US17275R1023, Symbol: CSCO) heraus. Die Aktie des Netzwerkausrüsters gehörte zu den stärksten Werten aus S&P 500 und NASDAQ-100 und erreichte neue Rekorde. Sie bestätigte damit ihren übergeordneten Aufwärtstrend. Einen besonders kräftigen Kurssprung machte das Papier am Donnerstag und reagierte damit positiv auf die am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen. Das Unternehmen hatte die durchschnittlichen Markterwartungen übertroffen. Außerdem hob es die Umsatz- und Gewinnprognose für das Gesamtjahr an.

Ebenfalls gut aufgenommen worden sein dürften die angekündigten umfassenden Umstrukturierungsmaßnahmen im Zusammenhang mit der eigenen KI-Strategie. „Die Unternehmen, die im Zeitalter der KI erfolgreich sein werden, sind diejenigen, die zielstrebig und entschlossen vorgehen und die Disziplin aufbringen, ihre Investitionen kontinuierlich in die Bereiche zu verlagern, in denen die Nachfrage und die langfristige Wertschöpfung am größten sind“, schrieb Konzernchef Chuck Robbins in einem Blogbeitrag. „Ich bin zuversichtlich, dass Cisco zu diesen Gewinnern gehören wird. Das bedeutet, schwierige Entscheidungen zu treffen: darüber, wo wir investieren, wie wir organisiert sind und wie unsere Kostenstruktur die vor uns liegenden Chancen widerspiegelt.“

Cisco Systems

Jenoptik profitiert vom Halbleiterboom

Der KI-getriebene Halbleiterboom und die damit verbundene Branchenstärke haben in der vergangenen Woche auch den deutschen Technologiekonzern Jenoptik (ISIN: DE000A2NB601) weiter beflügelt und zu einem Kurszuwachs von mehr als 20 Prozent geführt. Die Aktie des MDAX- und TecDAX-Wertes gehört damit zu den stärksten Gewinnern auf dem deutschen Kurszettel und setzte ihren Aufwärtstrend der vergangenen Monate fort. Sie kletterte dabei über das bisherige Allzeithoch von Juni 2018 bei 39,54 Euro.

Neben dem positiven Branchenumfeld gab es positive Nachrichten vom Unternehmen. Es war mit einem Gewinnsprung in das neue Geschäftsjahr gestartet. Der Vorstand sprach von einer sehr dynamischen Nachfrage im OEM-Geschäft seit Jahresbeginn, insbesondere vonseiten der Halbleiterausrüstungsindustrie. Auch wenn sich diese hohe Dynamik voraussichtlich so nicht fortsetzen werde, sei die Basis für ein erfolgreiches 2026 gut. Das Management bestätigte daher die Jahresziele. Der Umsatz soll im einstelligen Prozentbereich zulegen. Gleichzeitig wird eine Marge auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (EBITDA) von 19 bis 21 Prozent erwartet. 2025 hatte der Umsatz knapp 1,05 Milliarden Euro und die EBITDA-Marge 18,4 Prozent betragen. Mit Zuwächsen rechnet das Unternehmen in den Kernmärkten Halbleiter, Medizintechnik, Messtechnik sowie Smart Mobility.

Jenoptik ist ein Photonik-Konzern mit Fokus auf optische Technologien für Halbleiterausrüstung, Medizintechnik, industrielle Messtechnik und Smart Mobility. Das Unternehmen liefert unter anderem Präzisionsoptiken, Mikrooptiken, optoelektronische Systeme, Laser- und Automatisierungslösungen, Mess- und Prüftechnik sowie Verkehrssicherheits- und Mautsysteme. Adressiert werden vor allem Märkte mit hohen Anforderungen an Miniaturisierung, Präzision und Automatisierung. Strukturelle Treiber sind Investitionen in Halbleiterkapazitäten, Digitalisierung, datengetriebene Mobilität, Medizintechnik und effizientere industrielle Fertigung.

Jenoptik

+++ Flops der Börsenwoche 20/2026 +++

MTU Aero Engines unter Druck:

Nach dem deutlichen Aufwärtsimpuls in der Vorwoche ging es bei der Aktie des Triebwerkherstellers MTU Aero Engines (ISIN: DE000A0D9PT0) in der vergangenen Woche wieder abwärts. Sie war sogar der schwächste Wert im DAX. Neuigkeiten aus dem Unternehmen gab es keine. Aus charttechnischer Sicht stellt sich die Erholung aus der Vorwoche damit als technische Gegenbewegung dar. Der Kurs hat nun beinahe wieder das Zwischentief von Ende April bei 276,60 Euro erreicht. Sollte diese Marke unterschritten werden, würde sich der Abwärtstrend seit dem Allzeithoch von Februar dieses Jahres bei 404,80 Euro bestätigen.

MTU Aero Engines

SanDisk korrigiert nach starkem Jahreslauf

Mit einem Minus von mehr als 10 Prozent gehörte die SanDisk-Aktie (ISIN: US80004C2008) in der vergangenen Woche zwar zu den größten Verlierern im S&P 500. Die Spitzenposition bei der Kursperformance im bisherigen Jahresverlauf hält sie mit rund 480 Prozent jedoch weiterhin fest. Aus charttechnischer Sicht sieht es zudem bislang nach einer normalen Korrektur aus, und der übergeordnete Aufwärtstrend ist weiterhin intakt. Neuigkeiten zum operativen Geschäft des Speicherspezialisten gab es nicht.

Allerdings hatte das Unternehmen seine Aktionäre vor einem nicht unterstützten Mini-Übernahmeangebot von Tutanota LLC gewarnt. Tutanota will bis zu 100.000 Aktien kaufen, aber die Auszahlung hängt von Bedingungen ab und kann unter dem Marktwert liegen. Zudem könnte sich die Zahlung lange verzögern. SanDisk rät, nichts zu unternehmen. Tutanota hatte zuletzt mehrere Mini-Tender-Angebote für Aktien verschiedener börsennotierter Unternehmen gemacht. Diese Angebote betreffen weniger als fünf Prozent der jeweiligen Aktien und unterliegen daher nicht vielen SEC-Regeln, die Anleger schützen. Die SEC warnt, dass Mini-Tender-Angebote unter dem Marktpreis liegen können und Anleger irreführen, wenn sie das Angebot nicht mit den aktuellen Kursen vergleichen.

SanDisk

Thomson Reuters unter Druck: KI-Sorgen belasten

Das kanadische Unternehmen Thomson Reuters ist ein informations- und softwarebasierter Anbieter für professionelle Kunden in Recht, Steuern, Rechnungswesen, Unternehmen, Medien und Nachrichten. Das Portfolio umfasst juristische Recherche und Workflow-Lösungen, Steuer- und Compliance-Software, E-Invoicing, regulatorische Daten, Unternehmensinformationen, Reuters-Nachrichten sowie KI-gestützte Assistenzsysteme wie CoCounsel.

Die Aktie (ISIN: CA8849038812) befindet sich seit dem Allzeithoch im Juli 2025 bei 221,83 US-Dollar in einem Abwärtstrend, der sich in der vergangenen Woche fortsetzte. Sie gehörte zu den größten Verlierern aus dem NASDAQ-100. Neuigkeiten vom Unternehmen gab es keine. Die Schwäche der vergangenen Monate ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, dass Informationsdienstleister wie Thomson Reuters unter der Sorge leiden, generative KI könnte klassische Daten- und Research-Geschäftsmodelle entwerten, was Bewertungsdruck auslöste. Dieser Prozess könnte noch nicht abgeschlossen sein. Charttechnisch betrachtet hat der Kurs nun das Zwischentief von Februar dieses Jahres bei 80,96 US-Dollar unterschritten und damit den übergeordneten Abwärtstrend bestätigt. Das spricht für eine mögliche Fortsetzung der Talfahrt.

Thomson Reuters

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