Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
ETFs & Fonds > Mehr Anleger

Aktienanlage 2025: Ein Comeback, das aufhorchen lässt

| Thomas Behnke

Person sitzt in einem Sessel und schaut auf dem Smartphone eine Aktien-App mit Kursverlauf an.
Eine Person prüft auf dem Smartphone eine Aktien-App mit Kursverlauf – mobile Geldanlage gehört für viele Anleger inzwischen zum Alltag. Sparpläne und ETFs prägen dabei zunehmend den langfristigen Vermögensaufbau. (Foto: shutterstock)

Mehr Anleger, mehr Sparpläne, mehr ETFs: Die Aktionärszahlen 2025 zeigen einen Wandel im Anlageverhalten. Doch politische Debatten gefährden ausgerechnet den langfristigen Effekt.

Nach zwei Jahren mit rückläufigen Zahlen ist die Aktienanlage in Deutschland 2025 wieder gewachsen. 14,1 Millionen Menschen investierten in Aktien, Aktienfonds oder ETFs und damit rund zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Investiert wurde vor allem über Fonds, ETFs und Sparpläne, häufig regelmäßig und langfristig ausgerichtet. Die aktuellen Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts zeigen, wie sich die Beteiligung der Bevölkerung am Aktienmarkt im vergangenen Jahr entwickelt hat.

Still, regelmäßig, routiniert

Es begann oft unspektakulär. Ein Dauerauftrag, ein kurzer Blick ins Depot, sonst nichts. Aktienanlagen liefen 2025 meist im Hintergrund. Viele Käufe entstanden aus Routine, etwa über Sparpläne mit festen Ausführungsterminen, statt aus dem Versuch, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu treffen. Fonds und ETFs wurden regelmäßig bespart, ohne dass jede Marktbewegung nachverfolgt wurde. Viele Anlegerinnen und Anleger ließen ihre Investments laufen und griffen nur selten ein. Darauf deuten die aktuellen Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts hin.

Fonds und ETFs dominieren die Depots

Die meisten Anlegerinnen und Anleger setzten dabei 2025 auf breit gestreute Produkte. 9,2 Millionen Menschen investierten ausschließlich in Aktienfonds oder ETFs. Weitere 2,9 Millionen kombinierten Fonds, ETFs und Einzelaktien. Damit verfügten insgesamt 12,1 Millionen Menschen über ein Fonds- oder ETF-Investment. Einzelaktien hielten insgesamt 4,9 Millionen Menschen, darunter 2,0 Millionen ausschließlich Einzelaktien-Anleger sowie 2,9 Millionen, die Einzelaktien mit Fonds oder ETFs kombinierten. Für viele blieb die direkte Aktienanlage damit eine Ergänzung zu breit gestreuten Investments und nicht der alleinige Schwerpunkt im Depot.

Sparpläne treiben das Wachstum

Ein wesentlicher Teil des Anstiegs geht auf die zunehmende Nutzung von Sparplänen zurück. 2025 investierten 5,3 Millionen Menschen in Deutschland per Sparplan und damit 1,7 Millionen mehr als im Vorjahr. Das entsprach 37 Prozent aller Anlegerinnen und Anleger mit Aktienanlage. Besonders verbreitet waren Sparpläne bei ETF-Investments: 52 Prozent der ETF-Besitzer nutzten einen ETF-Sparplan. Bei gemanagten Aktienfonds lag der Anteil bei rund 26 Prozent. Deutlich seltener kamen Sparpläne bei Einzelaktien vor, hier nutzten 15 Prozent dieses Instrument. Regelmäßige Einzahlungen wurden damit für viele Anleger zur bevorzugten Art, am Aktienmarkt beteiligt zu sein.

Die neue Generation an der Börse

Den größten Beitrag zum Anstieg der Aktionärszahlen leisteten 2025 die Jüngeren. 4,9 Millionen Menschen unter 40 Jahren investierten in Aktien, Aktienfonds oder ETFs. Das waren 1,2 Millionen mehr als im Vorjahr und damit über 60 Prozent des gesamten Zuwachses. Sparpläne und ETF-Investments waren in dieser Altersgruppe besonders verbreitet und wurden deutlich häufiger genutzt als bei älteren Anlegerinnen und Anlegern. Seit Mitte der 2010er-Jahre hat sich die Zahl der unter 40-Jährigen mit Aktienanlage mehr als verdoppelt. Sie stellen seit 2024 die größte Anlegergruppe. Der dahinterstehende Grund für diese Entwicklung liegt nahe: Langfristig angelegte, breit gestreute Aktieninvestments gelten grundsätzlich als gut geeignetes Instrument für die eigene Altersvorsorge. Gerade bei jüngeren Anlegerinnen und Anlegern deutet vieles darauf hin, dass das Thema Altersvorsorge stärker in den Blick rückt.

Frauen holen auf

Auch bei den Anlegerinnen zeigte sich 2025 eine deutliche Bewegung. Die Zahl der Frauen mit Aktienanlage stieg gegenüber dem Vorjahr um rund eine Million auf 5,4 Millionen und damit um 24 Prozent. Bei den Männern fiel der Zuwachs mit 940.000 Personen und einem Plus von 12 Prozent auf 8,7 Millionen deutlich geringer aus. Damit wuchs der Kreis der Anlegerinnen doppelt so schnell wie der der Anleger. Dennoch verringerte sich der Abstand zu den Männern nur leicht, sie bleiben insgesamt deutlich häufiger am Aktienmarkt investiert. 

Unabhängig von Geschlecht und Altersgruppe zeigt sich dabei ein gemeinsames Muster im Anlageverhalten.

Gesellschaftlicher Rückenwind für die Aktie

Langfristig, breit gestreut und regelmäßig investiert, lassen sich mit Aktienanlagen durchschnittliche Erträge von sechs bis neun Prozent pro Jahr erzielen. Die breite Streuung über Fonds und ETFs reduziert das Risiko einzelner Titel oder Branchen, während Sparpläne Kursschwankungen über die Zeit glätten. Diese Kombination macht Aktienanlagen besonders geeignet für langfristige Anlageziele. Das Anlageverhalten vieler Investoren im Jahr 2025 scheint genau diesen Grundprinzipien zu folgen.

Politik bleibt hinter der Entwicklung zurück

Während sich die Aktienanlage in der Bevölkerung weiter verbreitet, hinkt die Politik dieser Entwicklung hinterher. Zwar wurden mit dem Standortfördergesetz und verschiedenen Ankündigungen auf europäischer Ebene erneut Reformen in Aussicht gestellt, doch konkrete Verbesserungen für Privatanleger blieben auch 2025 begrenzt. Seit Jahren wird über steuerliche Anreize, einfache Anlagestrukturen oder eine stärkere Einbindung von Aktien in die Altersvorsorge diskutiert. Umgesetzt wurde davon bislang wenig.

Im Gegenteil: Die steuerliche Behandlung von Kapitalanlagen gerät immer wieder ins Visier einzelner politischer Strömungen. Wiederkehrende Debatten über zusätzliche Belastungen oder Eingriffe untergraben ausgerechnet jene Planungssicherheit, die für eine langfristige Aktienanlage notwendig wäre. Damit wird das Potenzial geschwächt, das Aktien für den langfristigen Vermögensaufbau und die private Altersvorsorge bieten können.

Aktienkultur in Deutschland: Ein Fortschritt auf unsicherem Fundament

So erfreulich die aktuellen Aktionärszahlen auch sind, sie sollten nicht darüber hinwegtäuschen, wie fragil diese Entwicklung bleibt. Eine wachsende Zahl von Anlegerinnen und Anlegern allein reicht nicht aus, um eine stabile Aktienkultur zu verankern. Dafür braucht es vor allem verlässliche Rahmenbedingungen und politische Zurückhaltung bei Eingriffen in bestehende Strukturen. Die Zahlen zeigen, welches Potenzial vorhanden ist. Ob es sich langfristig entfalten kann, hängt weniger von der Bereitschaft der Anleger ab als von der Verlässlichkeit der Regeln, unter denen sie investieren.

Bleiben Sie stets informiert: Mit dem kostenlosen Newsletter der BÖRSE am Sonntag, Deutschlands größtem Online-Magazin und einzigem Online-Pflichtblatt an deutschen Börsen, erhalten Sie wöchentlich aktuelle Marktanalysen, Unternehmensnachrichten und fundierte Anlagestrategien direkt in Ihren Posteingang.

Jetzt kostenlos abonnieren!

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Das Magazin

BÖRSE am Sonntag

Zur Online Ausgabe

Ähnliche Artikel