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Märkte > Gates-Stiftung

Bill Gates verkauft 17 Millionen Microsoft-Aktien

| Oliver Götz

Microsoft-Gründer Bill Gates.
Bill Gates verkauft Microsoft im großen Stil. (Foto: Paolo Bona / Shutterstock)

Der Gründer des Windows-Konzerns hat sich von mehr als der Hälfte seiner Anteile, die er über die Gates-Stiftung hielt, getrennt. Es war nicht die einzige Bewegung innerhalb des milliardenschweren Trusts.

Mit über 20 Prozent steht die Microsoft-Aktie seit Jahresbeginn im Plus. Gründer Bill Gates, der über die Gates Foundation insgesamt 36,5 Milliarden US-Dollar verwaltet, hat im dritten Quartal dennoch knapp 65 Prozent seiner Anteile am Konzern verkauft. In Summe: 17 Millionen Aktien. Dabei hatte Gates schon in den drei Monaten zuvor rund 2,3 Millionen Microsoft-Papiere aus dem Stiftungs-Portfolio geworfen.

Darüber, ob es sich um Gewinnmitnahmen handelt, oder ob Gates dem derzeit zweitwertvollsten Konzern der Welt an der Börse keine großen Sprünge mehr zutraut, lässt sich nur spekulieren. Für ersteres spricht, dass Gates im Frühjahr ankündigte, die Stiftung, die er 1999 mit seiner damaligen Ehefrau Melinda French Gates in Seattle gegründet hatte, Ende 2045 auflösen zu wollen. Bis dahin will Gates sein gesamtes Vermögen, das inklusive des Trust-Werts bei rund 200 Milliarden Dollar liegen dürfte, gemeinnützig spenden. Über die Gates Foundation werden seit Jahrzehnten Milliardenprojekte im Bereich Gesundheit, Bildung und Bekämpfung von Armut finanziert. Besonders bekannt ist die Stiftung für ihre Beiträge zur Eliminierung der Polio-Krankheit, gemeinhin als Kinderlähmung bezeichnet.

Bereitet Gates die Liquidation der Stiftung vor, oder sorgt er sich vor einer größeren Korrektur am Markt?

Gates, inzwischen 70 Jahre alt, könnte womöglich damit begonnen haben einen Teil seines Vermögens in Cash umzuwandeln. Nach den jüngsten Kursrekorden der Microsoft-Aktie womöglich nicht der schlechteste Zeitpunkt dafür. Trotzdem überrascht die Vehemenz mit der sich Gates von den Anteilen des inzwischen von Satya Nadella geführten Tech-Multis, zuletzt verabschiedet hat. Da Gates den Trust nicht selbst verwaltet, sondern die Cascade Asset Management Company, womit einige der wohl Besten Ihres Fachs Investitionsentscheidungen genauestens prüfen werden, kommt der fünftreichste Mensch der Welt mit seinen Verkäufen vielleicht auch einer größeren Korrektur zuvor.

Microsoft jedenfalls ist gemessen an den jüngsten 13-F-Filings der SEC mit 13 Prozent nun nur noch die viertgrößte Position im Trust-Portfolio. Die US-Börsenaufsicht veröffentlicht quartalsweise eine Übersicht über die Bestände in den Depots von Großinvestoren mit mehr als 100 Millionen Dollar verwaltetem Vermögen. Für Anleger stets eine spannende Angelegenheit, da ihnen diese Offenlegungspflicht ermöglicht, das Anlageverhalten der Profis in Teilen nachzuvollziehen. Gleichwohl entsprechen die veröffentlichten Werte immer nur einer Momentaufnahme, nämlich der am letzten Tag des betreffenden Quartals. Schon einen Tag später kann das Portfolio völlig neu zusammengesetzt sein.

Gates in Verkaufslaune – auch Berkshire-Aktien fliegen raus

Ein Verkauf von 17 Millionen Microsoft-Aktien aber ist ein Statement – und wird wohl kaum weniger Tage später rückabgewickelt worden sein. Überhaupt war Gates zuletzt offenbar in Verkaufslaune. Im dritten Quartal reduzierte er auch seine Beteiligung an Warren Buffetts Berkshire Hathaway um 9,8 Prozent. Mit einem Portfolioanteil von insgesamt fast 30 Prozent nehmen die Aktien des Mega-Konglomerats aber weiterhin mit Abstand Rang Eins im Trust der Gates Foundation ein.

Ein weiterer Aktien-Liebling von Gates ist seit Jahren Waste Management. Der US-Konzern kümmert sich um alles rund ums Thema Müll – von der Abholung über Recycling bis zur Energiegewinnung aus Abfall. Waste Management betreibt hunderte Deponien – an der Börse ging es in den vergangenen Jahren kontinuierlich aufwärts. Auch hier trennte sich Gates nun von 10,2 Prozent der Anteile. Auf Jahressicht lief die Aktie auch lange Zeit nur seitwärts und verlor zuletzt sogar deutlich an Wert.

Kein einziger Kauf – UPS-Position komplett aufgelöst

Weiterhin schmiss Gates Aktien von Canadian National Railway, Kraft Heinz, FedEx und Caterpillar aus dem Stiftungsdepot, die Positionen rundum UPS und dem US-Telekom-Unternehmen Crown Castle International löste er gänzlich auf.

Käufe derweil gab es nicht – keinen Einzigen. Das Portfolio des Trusts differenziert sich durch die Verkäufe innerhalb der bisherigen Top-Positionen dennoch weiter aus. In der Entschiedenheit, wie im dritten Quartal zu beobachten, kommt das einem Strategieschwenk gleich. Bislang setzte der Gates Foundation Trust viel Geld auf wenige Einzeltitel. Nun also soll es ein ausgeglicheneres Portfolio inklusive einer Menge Cash richten. Vorausgesetzt Gates steckt das Geld nicht direkt in Stiftungszwecke, sondern wird damit doch noch einmal am Markt aktiv, wären allein durch die jüngsten Microsoft-Verkäufe 8,3 Milliarden Dollar an zusätzlicher Liquidität für neue Investments vorhanden.

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