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Märkte > KI-Sorgen

Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um Software-Aktien zu kaufen?

| Oliver Götz

Trader bei der Arbeit an der New York Stock Exchange (NYSE).
Investoren haben Software-Aktien zuletzt gemiesen. Das könnte sich ändern. (Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Ted Shaffrey)

Ja, sagt die Deutsche Bank. Die Bewertungen sind deutlich gesunken. Auch die Finanzanalytiker von Morningstar stimmen ausgewählte Kriterien optimistisch.

Tech-Aktien im Allgemeinen, allen voran aber die von Software-Anbietern, sind in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten. Investoren fürchten, dass KI-Anwendungen in nicht allzu ferner Zukunft die Geschäftsmodelle bedrohen, indem sie Code automatisch schreiben, Anwendungen erstellen oder Funktionen ersetzen, die bisher nur durch spezialisierte Software darstellbar waren. Dadurch entsteht die Sorge, dass Eintrittsbarrieren sinken, neue Wettbewerber schneller Produkte entwickeln können und sich die Preissetzungsmacht etablierter Anbieter abschwächt.

Im Zuge des Iran-Kriegs, der die Märkte branchenübergreifend belastet, konnten sich viele Titel aus dem Software-Sektor noch nicht von diesen Kursverlusten erholen, sodass sich nun Stimmen mehren, die auf eine mögliche Unterbewertung zielen.  

Ignorieren Anleger die Fakten?

„Softwareunternehmen werden derzeit mit historisch niedrigen Aufschlägen gegenüber dem Markt gehandelt“, schrieben die Deutsche Bank-Analysten Maximilian Uleer, Carolin Raab and Francesca Mazzali unter der Woche in einer Sektor-Studie. Bis zum Beginn des Iran-Konflikts seien die Bewertungen von europäischen und US-amerikanischen Software-Firmen innerhalb von sechs Monaten um 23 und 19 Prozent zurückgegangen. „Die aktuellen Bewertungen lassen darauf schließen, dass Softwareunternehmen nicht mehr stärker wachsen werden als der breitere Index. Die Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache“, so die Deutsche Bank. Die Gewinne von US-Softwareunternehmen seien im vierten Quartal 2025 um 29 Prozent gestiegen, die Ergebniserwartungen für 2026 nach oben korrigiert worden. Man sei darüber hinaus auf „nicht ein einziges Softwareunternehmen gestoßen, dass für 2026 negative Auswirkungen von KI auf den eigenen Umsatz erwartet“. Investoren hätten den Fokus bis dato zu sehr auf mögliche negative Auswirkungen gelegt, so die Analysten der größten deutschen Privatbank weiter. Positive Effekte, wie geringere Programmierkosten oder potenzielle Produktinnovationen durch KI seien außer Acht gelassen worden. Demzufolge glauben die Research-Experten, dass „die Befürchtungen hinsichtlich einer Disruption durch KI ihren Höhepunkt erreicht haben“ und stuften den Software-Sektor innerhalb des gesamtem Technologie-Sektors auf „Übergewichten“ hoch.

Morningstar-Analyse: In keinem Sektor so viele unterbewerte Aktien

Optimismus verbreiten auch die Finanzanalytiker von Morningstar. Eine frische Erhebung zeigt: rund 26 Prozent der von den US-Amerikanern erfassten unterbewerteten Aktien stammen aktuell aus dem Technologiebereich. Vor einem Jahr waren das knapp neun Prozent, vor drei Monaten 17 Prozent. Zwei Drittel, also die überwiegende Mehrheit, der nach Morningstar-Einschätzung unterbewerteten Tech-Aktien, kommen aus der Softwarebranche. „Viele Menschen hatten Sorge, dass KI-gestütztes Programmieren bestimmte Softwarepakete überflüssig macht, weil sie einfach nachzubauen wären. Aber wir sehen nicht, dass das passieren wird“, erklärte der Chef-Marktstratege von Morningstar, Dave Sekera. Anleger sind seiner Ansicht nach deshalb zu pessimistisch. Damit bestätigt Sekera das, was auch die Analysten der Deutschen Bank vermuten: Die Lage ist besser, als Anleger sie im Moment beurteilen. „Der Technologiesektor hat weiterhin einen langen Wachstumspfad vor sich, angetrieben durch künstliche Intelligenz und den Investitionsboom in diesem Bereich“, so Sekera weiter. Es gebe eine Reihe unterbewerteter Aktien. Darunter die zuletzt besonders stark gefallen Titel von Workday, Adobe, ServiceNow und Salesforce. ServiceNow habe im vierten Quartal die Umsatzprognosen übertroffen, während Adobe bereits das sechste Quartal in Folge stärker als erwartete Erlöse meldete. Salesforce derweil habe die jährlich wiederkehrenden Erlöse seiner KI-gestützten Datenplattformen um 114 Prozent gesteigert, während der Umsatz im Rahmen der Erwartungen gelegen habe.

Überschätzen Anleger Value-Aktien im Industriesektor?

Zur Vorsicht mahnt Sekera hingegen im Value-Sektor, der zuletzt stark performt hat und in den einige Investoren ihre Gewinne aus den Tech-Verkäufen steckten, um sich in turbulenten Börsenzeiten abzusichern. Value-Warte gelten als weniger schwankungsanfällig und dividendenstark, dafür häufig als wachstumsschwach. Besonders im Industriezweig haben sich Morningstar zufolge mit dem Switch von Growth- zu Value-Werten Überbewertungen ergeben. Knapp 27 Prozent der von Morningstar als überbewertet eingestuften Aktien kommen aus der Industrie. Stratege Sekera sieht dies darin begründet, dass Anleger möglicherweise zu große Hoffnungen in den Ausbau von KI-Infrastruktur, allen voran in den von Rechenzentren, gesteckt hätten. „Ich würde sagen, dass der Markt bis zu einem gewissen Grad wahrscheinlich überschätzt, wie viel diese Industrieunternehmen verdienen werden und wie lange sie ihre überdurchschnittlichen Gewinne erzielen können, bevor wir wieder zu einem normaleren wirtschaftlichen Umfeld zurückkehren.“

Es wäre dahingehend nicht das erste Mal an der Börse, dass Anleger gut damit beraten sind, gegen den aktuellen Trend zu shoppen. Gleichzeitig bleiben die Märkte ob des Iran-Kriegs für den Moment ein volatiles Pflaster. Hinzu gesellen sich die Sorgen vor Kreditausfällen im Private-Debt-Bereich. So bleibt vielleicht auch das Vorhalten von etwas mehr „Cash“ ein probates Mittel, um sich vor möglichen Verwerfungen am Markt zu schützen. Beruhigt sich die Lage, könnten Software-Aktien auf Basis ihrer aktuellen Bewertungen aber wohl mit in den Einkaufswagen.

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