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Märkte > Nach Crash der Kryptowährung

JPMorgan sieht Gründe für nahende Kursexplosion beim Bitcoin

| Oliver Götz

Digitalwährung Bitcoin.
Der Bitcoin im Bärenmarkt. Aber unter bestimmten Bedingungen könnte sich das bald ändern. (Foto: tungtaechit / Shutterstock)

Geht es nach der US-Bank könnte der Token bald schon 170.000 US-Dollar kosten. Entscheidend sind zwei Bedingungen.

Anfang Oktober noch das Rekordhoch bei etwas über 126.000 US-Dollar, dann folgte der große Kurssturz. Innerhalb von zwei Monaten verlor der Bitcoin gut 30 Prozent seines Werts, kostete Ende November nur noch 85.000 Dollar. Trotz einer darauffolgenden Stabilisierung und kleineren Kursgewinnen bis auf zuletzt rund 90.000 Dollar, ist damit der gesamte Jahresgewinn dahin. Die bekannteste und bedeutendste Kryptowährung der Welt steht auf Jahressicht nun sogar leicht im Minus.

Wer in den Bitcoin investiert, weiß im besten Fall mit einem volatilen Kursverlauf umzugehen. Jedoch dürfte die Deutlichkeit der jüngsten Korrektur dann doch für viele überraschend gekommen sein. Dabei vermengten sich zur gleichen Zeit drei Faktoren zu einem umfassenden Negativszenario. Anleger nahmen nach vielerorts hohen Kursgewinnen zuletzt Abstand vor riskanten Anlagen wie Kryptowährungen, während Ängste über die künftige Zinspolitik den Druck zusätzlich erhöhten. Verstärkt wurde die plötzliche Kater-Stimmung durch Spekulationen um Strategy, den größten institutionellen Bitcoin-Halter: Die Befürchtung, dass das Unternehmen Teile seiner Bestände verkaufen könnte, sorgt für ordentlich Abwärtsdruck.

JPMorgan-Experten sehen 90 Prozent Kurspotenzial

Die mit JPMorgan wertvollste US-Bank weist nun allerdings ihre Kunden in einem Schreiben darauf hin, dass es in den kommenden zwölf Monaten auch ziemlich zügig wieder nach oben gehen könnte mit dem Kurs. Und zwar bis auf 170.000 US-Dollar. Damit hätte der Bitcoin aktuell ein Kurspotenzial von fast 90 Prozent. „Unsere volatilitätsbereinigte Bitcoin-zu-Gold-Vergleichskennzahl deutet weiterhin auf einen theoretischen Bitcoin-Preis von nahe 170.000 US-Dollar hin, was für Bitcoin in den nächsten 6–12 Monaten erhebliches Aufwärtspotenzial suggeriert“, schrieben Strategen der Bank unter der Woche in einer Mitteilung.

Neben der Annahme der US-Bank, dass Bitcoin zu einer digitalen Goldalternative avanciert und damit in seiner Kursentwicklung von ähnlichen Faktoren abhängt wie das Edelmetall, welches bis dato nur leicht negativ korrigiert hat, sprechen aber vor allem zwei Faktoren für eine baldige Erholung des berühmtesten aller Token – insofern sie denn eintreten.

Strategy: Michael Saylors Unternehmen ist entscheidend für den Bitcoin-Kursverlauf

Die zentrale Rolle spielt einmal mehr Strategy. Dabei handelt es sich zunächst um ein US-amerikanisches Software- und Business-Intelligence-Unternehmen, das sich in den letzten Jahren jedoch als größter institutioneller Bitcoin-Halter profiliert hat. Das Unternehmen investiert einen erheblichen Teil seiner Bilanz in Bitcoin und betrachtet die Kryptowährung als Kernbestandteil seiner Treasury-Strategie. Aufgrund dieser Position gilt Strategy als wichtiger Indikator für den institutionellen Bitcoin-Markt: Jede Andeutung, dass das Unternehmen Teile seiner Bestände verkaufen könnte, erzeugt Unsicherheit und kann den Kurs kurzfristig stark belasten. Gleichzeitig signalisiert ein Halten der Bestände Vertrauen in Bitcoin, was für den Markt stabilisierend wirken kann.

Wo Strategy also für einen beinahe crashartigen Abverkauf wie zuletzt mit verantwortlich sein kann, kann das von Bitcoin-Fan Michael Saylor gegründete Unternehmen die Kryptowährung auch wieder nach oben hieven. Sollte Strategy am Ende seine Bitcoins nämlich behalten und sich die Sorge vor einem Verkauf zerschlagen, fiele einer drei Faktoren, die zu den jüngsten Kursverlusten führten, weg.

Strategy setzt seinen Bitcoin-Bestand ins Verhältnis mit dem eigenen Marktwert. Der dabei entstehende Indikator sollte nicht unter 1,0 fallen. Aktuell liegt er bei 1,1. Die JPMorgan-Strategen betonen, dass Strategy kürzlich seine Barreserven um 1,4 Milliarden Dollar aufgestockt hat. Mit diesem Polster könnte das Unternehmen etwa zwei Jahre lang laufende Kosten wie Dividenden oder Zinszahlungen decken, ohne Bitcoin verkaufen zu müssen. Die Experten sehen in den Reserven ein starkes Argument dafür, dass ein erzwungener Verkauf zunehmend unwahrscheinlich ist. Sollte das Verhältnis von Marktwert zu Bitcoin-Beständen über 1,0 bleiben und Strategy den Verkauf vermeiden, könnten die Märkte beruhigt werden und das Schlimmste für den Bitcoin-Kurs wäre vermutlich überstanden.

Bleibt Strategy in den MSCI-Indizes spricht viel für eine Bitcoin-Rally

Die zweite Bedingung für eine ausgeprägte Erholung des Bitcoin-Kurses liegt in der auch zukünftig gewährleisteten Teilhabe an den MSCI-Indizes. Anfang kommenden Jahres wird darüber entschieden, ob Unternehmen wie Strategy, die mehr als die Hälfte ihrer Vermögenswerte in digitale Assets gesteckt haben, in den Indizes verbleiben dürfen. Bei einem Nein rechnet JPMorgan für Strategy mit einem Wertverlust von 2,8 Milliarden Dollar durch Abflüsse, unter anderem weil die Aktie dann aus den ETFs auf die jeweiligen Indizes fliegt.

Passiert hingegen das Gegenteil, könnte das dem Bitcoin einen großen Schub geben. „Wenn die MSCI-Entscheidung am 15. Januar positiv ausfällt, dürften sowohl MicroStrategy als auch Bitcoin zu den Niveaus vor dem 10. Oktober zurückkehren“, schrieben die JPMorgan-Experten.

Von „Anlegen“ kann man bei einem Investment in den Bitcoin vor diesem Hintergrund wohl kaum sprechen, für den Moment wäre der Einstieg, behält JPMorgan recht, eher eine Wette. Geht die gut aus, lässt sich damit aber in kurzer Zeit viel Rendite machen.

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