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Rohstoffe > Marktmechanik

Shorte niemals Erdgas, wenn es Winter ist

| Thomas Behnke

Gasarbeiter bedient Ventile an einer Erdgasleitung im Winter.
Arbeiten an Erdgasventilen bei winterlichen Temperaturen. In der Heizsaison spielt die Gasinfrastruktur eine zentrale Rolle für Angebot und Versorgung. (Foto: Shutterstock)

Der US-Erdgaspreis ist seit Freitag um mehr als 50 Prozent gestiegen. In der winterlichen Heizsaison kommen solche extremen Marktbewegungen immer wieder vor und verdeutlichen die Tücken dieses Trading-Objektes.

Erdgas ist ein Biest. Wer auf die Preisbewegungen des wichtigen Rohstoffs spekuliert, braucht nicht nur einen strikten Handelsplan, sondern auch starke Nerven. Denn der Energieträger ist berüchtigt für massive Ausschläge aus dem Nichts. Beispiel gefällig? Seit vergangenem Freitag ist der Preis in den USA um mehr als 50 Prozent gestiegen. Was ist passiert?

Erdgas: Preisentwicklung im Winter als zentraler Einflussfaktor

Erdgas gehört weltweit zu den wichtigsten Energieträgern. Gerade in der Winterzeit ist es in der nördlichen Hemisphäre essenziell als Quelle für Wärme und Strom. Einen großen Einfluss auf die Preisentwicklung hat daher die Witterung. Vereinfacht lautet die Formel: Ist es kalt, steigt die Nachfrage. Das ist ein potenzieller Kurstreiber. So auch zuletzt in den USA. In Teilen des Landes kam es zu einem unerwartet starken arktischen Kälteeinbruch, und auch die Wettermodelle deuten auf eine länger anhaltende Kälteperiode hin. Das lässt einen höheren Bedarf an Erdgas zum Heizen erwarten. Gleichzeitig trifft diese Entwicklung auf niedriger als erwartete Speicherstände. Eigentlich hatte eine milde Witterung im Dezember, was sich auch in einer Preiskorrektur niedergeschlagen hat, höhere Vorräte erwarten lassen.

Marktreaktionen verstärken den Erdgaspreisanstieg

Mit dem abrupten Re-Rating der Preise in den vergangenen Tagen kam wiederum ein anderer Mechanismus zum Tragen. Spekulanten, die während der Korrektur seit Anfang Dezember auf fallende Preise gesetzt hatten, nahmen entweder Gewinne mit oder mussten ihre Positionen aufgrund des Anstiegs glattstellen und traten somit als Käufer auf. Die dadurch einsetzende Spirale dürfte den Preisanstieg zusätzlich befeuert haben. Solche impulsiven Entwicklungen sind aufgrund des starken Einflusses der Witterung auf Angebot und Nachfrage typisch für Erdgas und immer wieder zu beobachten.

Spekulanten und Short-Positionen im Erdgasmarkt

Diese dynamischen Auf- und Abwärtsbewegungen des US-Erdgaspreises wecken naturgemäß Begehrlichkeiten. Zudem wird der an der Terminbörse NYMEX gehandelte Rohstoff sehr rege gehandelt und ist daher äußerst liquide, ein weiterer relevanter Punkt für Trader. Erdgas-Futures und andere Derivate wie Optionen gehören damit für viele Spekulanten zum festen Handwerkszeug. Wie das aktuelle Beispiel zeigt, hat dieses Trading-Vehikel jedoch auch seine Tücken, und man kann hier schnell auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Erdgas-Trading an der NYMEX und Risikomanagement

Wer sich in diesem Umfeld bewegt, muss über ein striktes Risikomanagement verfügen und starke Nerven mitbringen. Erdgas macht auch im Januar 2026 deutlich, warum ein alter Rat erfahrener Erdgas-Trader immer wieder genannt wird: Gehe nicht Short in der Winterzeit.

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