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Rohstoffe > Konsolidierung oder Fortsetzung?

Goldpreis nach 20-Prozent-Korrektur vor neuem Test

| Thomas Behnke

Geöffneter Tresor mit Zahlenschloss und Goldbarren im Hintergrund.
Ein geöffneter Tresor mit Zahlenschloss, im Hintergrund liegen Goldbarren. Gold gilt als kreditrisikofreie Reserveanlage und wird von Notenbanken weltweit zur Diversifikation und Stabilisierung ihrer Währungsreserven eingesetzt. (Foto: Shutterstock)

Goldpreis nach 20-Prozent-Korrektur: Nach dem Rekordhoch über 5.600 US-Dollar stellt sich die Frage, ob die Rally weitergeht oder ein erneuter Test tieferer Marken droht. Fundamentale Treiber bleiben intakt.

Nach dem neuen Allzeithoch Ende Januar von über 5.600 US-Dollar zeigte der Goldpreis eine kurze und heftige Korrektur, hat sich inzwischen jedoch deutlich erholt. Ist damit die Pause bereits beendet? Oder melden sich die Bären noch einmal zu Wort?

Korrektur nach Rekordlauf wirft Fragen zur Trendkraft auf

Und plötzlich ging es ganz schnell: Ende Januar hatte der Goldpreis in der Spitze über 5.600 US-Dollar gekostet. Zum Korrekturtief zwei Tage später waren es rund 4.900 US-Dollar. Das entsprach einem Minus von über 20 Prozent. Dem Edelmetall war nach der zuvor dynamischen Rekordjagd offenbar die Puste ausgegangen. Seit dem Mehrjahrestief im September 2022 hatte der Goldpreis um fast 250 Prozent zugelegt. Dabei kam es immer wieder zu Korrekturen, die jedoch nicht deutlich über Rückgänge von 10 Prozent hinausgingen.

Der jüngste Einschlag ist daher bemerkenswert. Ist er vielleicht ein Indiz dafür, dass den Goldbullen nun langsam die Kraft ausgeht? Oder ist diese größere Pause einfach dem Umstand geschuldet, dass der Preisanstieg zuletzt zu dynamisch war, um dauerhaft durchgehalten zu werden? Allein seit dem Verlaufstief Ende Oktober war der Goldpreis bis Ende Januar um über 40 Prozent gestiegen.

Lockere Geldpolitik und Notenbankkäufe stützen den Goldpreis

Letzteres erscheint für das Innehalten eher wahrscheinlich. Denn ein Blick auf die Katalysatoren, die den Goldpreis seit einiger Zeit stützen, zeigt keine Veränderung. Ganz im Gegenteil: In vielen Teilen der Welt setzt sich die lockere Geldpolitik fort, die Staatsverschuldungen steigen. Die globale Geldmenge M2 weitet sich weiter aus und führt zu einer fortgesetzten Entwertung der Kaufkraft vieler Fiat-Währungen. Insbesondere Gold wird deshalb verstärkt als Wertspeicher angesehen, was die Nachfrage von Privatpersonen, aber auch von Notenbanken ankurbelt, die mit ihren Edelmetallkäufen ihre strategischen Währungsreserven diversifizieren. Zuletzt hatte beispielsweise die People's Bank of China berichtet, ihre Goldkaufserie im Januar auf 15 Monate ausgeweitet zu haben, wodurch sich der Wert der chinesischen Goldreserven um rund 60 Milliarden US-Dollar auf knapp 370 Milliarden US-Dollar erhöhte.

Diese Entwicklung unterstreicht die große strategische Bedeutung des Edelmetalls für viele Notenbanken. Gold dient ihnen unter anderem als wertstabile, kreditrisikofreie Anlage, die im Gegensatz zu Staatsanleihen oder Devisen kein Emittentenrisiko beinhaltet. Gleichzeitig kann es als Liquiditätssicherungsinstrument eingesetzt werden und zur Absicherung gegen Währungsrisiken sowie zur Stabilisierung der Gesamtreserve dienen, insbesondere wenn US-Dollar-basierte Anlagen Teil des Notenbankportfolios sind. Damit bleiben die langfristigen Aussichten für den Goldpreis bestehen. Vor diesem Hintergrund scheint daher nicht die Frage zu sein, ob der Goldpreis seinen Anstieg fortsetzt, sondern wann.

Schwaches Volumen und Saisonalität sprechen für möglichen Rücksetzer

Ein Blick auf den Chart könnte zumindest kurzfristig Aufschluss geben. Ein mögliches Szenario ist, dass sich die aktuelle Erholung seit dem Korrekturtief Anfang Februar zunächst nur als technische Gegenbewegung erweist. Möglicherweise braucht es noch einmal tiefere Kurse, bevor sich eine tragfähige Basis für eine Fortsetzung der übergeordneten Aufwärtsbewegung ausbildet. In diesem Szenario ist ein erneuter Test der Marke von 4.400 US-Dollar denkbar.

Aber warum gerade diese Erwartung? Weil die Erholung in den letzten Wochen von einem sehr niedrigen Handelsvolumen bei den Gold-Futures-Kontrakten begleitet wurde. Das spricht dafür, dass die Bullen durch die letzte Korrektur zunächst einen Dämpfer erhalten haben und nicht sofort wieder ihre Muskeln spielen lassen. Das könnte zumindest kurzfristig für neue Attacken der Bären sprechen. Ein Blick auf die Saisonalität zeigt zudem, dass in den letzten fünf Jahren der Monat Februar eher als Pause diente und erst im März und April wieder eine stärkere Aufwärtsbewegung zu verzeichnen war. Dieses kurzfristige Muster könnte zum aktuellen Chartbild passen, zumal der zurückliegende Januar einen deutlich stärkeren Anstieg verzeichnete, als für diesen Monat in den vergangenen Jahren typisch war.

Goldpreis: Strukturelle Treiber intakt, Markt kurzfristig anfällig

Die strukturellen Treiber des Goldpreises bleiben intakt, doch der Markt wirkt nach dem steilen Anstieg der vergangenen Monate und dem letzten Einschlag anfällig. Das geringe Volumen der jüngsten Erholung deutet nicht auf eine bereits wieder geschlossene Angebotslücke hin, sondern eher auf eine Phase des Abwartens. In diesem Umfeld kann ein erneuter Rücksetzer durchaus Teil eines gesunden Konsolidierungsprozesses sein, ohne die übergeordnete Bewegung infrage zu stellen. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Sollte sich das skizzierte Szenario jedoch manifestieren, ist entscheidend, ob auf einem tieferen Niveau wieder substanzielle Nachfrage sichtbar wird und das Handelsvolumen anzieht. Bleibt diese Bestätigung aus, könnten die nächsten Wochen von einer weiterhin hohen Volatilität geprägt sein. Die anhaltende Ausweitung der weltweiten Geldmenge und fortgesetzte strategische Goldkäufe der Notenbanken bilden zwar grundsätzlich ein tragfähiges fundamentales Umfeld. Doch für eine nachhaltige Fortsetzung des Aufwärtstrends muss der Goldpreis womöglich zunächst eine stabile Basis ausloten.

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