Beitrag teilen

Link in die Zwischenablage kopieren

Link kopieren
Suchfunktion schließen
Rohstoffe > Iran-Krieg

Ölpreise steigen: Kehrt die Rally zurück?

| Redaktion Börse am Sonntag

Hand in Erdöl.
Die Ölpreise ziehen wieder an. (Foto: Hiroshi Teshigawara / Shutterstock)

Die Nordseesorte Brent hat die Marke von 85 US-Dollar je Barrel zurückerobert. Wie viel Luft ist noch nach oben?

Der Krieg im Nahen Osten sorgt wieder für Nervosität an den Rohstoffmärkten. Nachdem US-Präsident Donald Trump den vereinbarten Waffenstillstand mit dem Iran für beendet erklärt hat, setzen Anleger wieder verstärkt auf steigende Ölpreise. Die Nordseesorte Brent überschritt am Dienstag erneut die Marke von 85 US-Dollar je Barrel, auch die US-Sorte WTI legte deutlich zu.

Kann der Ölpreis auf 100 Dollar steigen?

Die entscheidende Frage lautet nun, ob Brent den Sprung in Richtung 100 US-Dollar schaffen kann. Aus Sicht vieler Analysten ist dieses Szenario keineswegs ausgeschlossen – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen. Für weiter steigende Preise spricht vor allem eine mögliche Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Trotz der jüngsten Angriffe des Iran auf seine Nachbarstaaten und den neuen Bombardements der USA, befinden sich beide Länder noch weit von dem offenen Krieg aus dem Frühjahr entfernt. Donald Trump betonte trotz neuer militärischer Auseinandersetzungen zuletzt erneut, es gebe ein US-Interesse an Verhandlungen. Die Sorge davor, dass die für den Ölhandel so wichtige Straße von Hormus, aber nun noch länger und auf unbestimmte Zeit für Tanker kaum zu passieren ist, könnte für einen ordentlichen Risikoaufschlag bei den Preisen reichen.  

Damit kehren auch spekulative Investoren zunehmend in den Markt zurück. Steigende Ölpreise ziehen häufig weitere Käufe nach sich, wodurch kurzfristige Bewegungen zusätzlich verstärkt werden können.

Trotz der geopolitischen Risiken gibt es auch Argumente gegen einen dauerhaften Höhenflug.

Bislang sind die physischen Öllieferungen aus der Region weitgehend stabil. Viele Marktbeobachter gehen deshalb davon aus, dass bereits ein erheblicher Teil des geopolitischen Risikos im aktuellen Preis enthalten ist. Sollte sich die Lage entspannen oder diplomatische Lösungen wahrscheinlicher werden, könnte dieser Risikoaufschlag rasch wieder verschwinden.

Hinzu kommt die schwächere Weltkonjunktur. Vor allem in China entwickelt sich die Nachfrage nach Rohöl seit Monaten weniger dynamisch als erwartet. Auch in Europa bleibt das Wirtschaftswachstum verhalten. Eine schwächere Industriekonjunktur reduziert in der Regel den Energiebedarf und wirkt damit preisdämpfend.

Zudem könnten steigende Ölpreise mittelfristig selbst zum Problem werden: Höhere Energiekosten belasten Verbraucher und Unternehmen, treiben die Inflation an und erhöhen den Druck auf die Notenbanken, die Zinsen länger hoch zu halten. Das wiederum könnte die Weltwirtschaft weiter bremsen – und damit auch die Ölnachfrage.

Fazit

Der Ölmarkt befindet sich erneut im Krisenmodus. Solange die Spannungen im Nahen Osten anhalten und insbesondere die Gefahr einer Beeinträchtigung der Straße von Hormus besteht, dürfte der geopolitische Risikoaufschlag hoch bleiben. Ein Anstieg der Nordseesorte Brent in Richtung 90 oder sogar 100 US-Dollar ist deshalb durchaus denkbar.

Ob daraus jedoch eine nachhaltige Preisrally wird, hängt weniger von der aktuellen Stimmung an den Börsen als von der tatsächlichen Entwicklung des Konflikts ab. Bleiben die Lieferketten intakt und beruhigt sich die Lage, könnte der Ölpreis ebenso schnell wieder nachgeben. Für Anleger bleibt der Rohstoff damit vorerst vor allem eines: ein Markt, der stark von politischen Schlagzeilen bewegt wird.

bevorzugte Quelle 

Börse am Sonntag als bevorzugte Quelle festlegen

Sie möchten Finanz- und Wirtschaftsnachrichten von Börse am Sonntag häufiger bei Google sehen?

Bei Google bevorzugen

Das Magazin

BÖRSE am Sonntag

Zur Online Ausgabe

Ähnliche Artikel