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Startet der gold-silberne Superzyklus erst noch?

| Oliver Götz

Gold und Silberbarren schematisch.
Gold und Silber haben nach Kursexplosionen konsolidiert. Die Rally bleibt intakt. (Foto: creativetan / Shutterstock)

Ein Blick auf Angebot, Nachfrage und Geopolitik lässt vermuten: die Edelmetallrally ist noch lange nicht zu Ende. Ob und wie ein Investment lohnt.

Die explosionsartigen Ausbrüche des Gold- und Silberkurses zu Jahresbeginn haben ein paar Glückspilze, die zum richtigen Zeitpunkt ein- und ausgestiegen sind, reich gemacht. Ansonsten waren sie das, was solche Blitz-Rallys fast immer sind: eine Übertreibung. So ließ die Korrektur auch nicht lange auf sich warten. Binnen kürzester Zeit sackte der Goldpreis um über 20 Prozent ab, der von Silber sogar um rund 40 Prozent. Eine natürliche Konsolidierung nach den Kurssprüngen zuvor. Sicher auch eine weitere Warnung unter vielen, an der Börse nicht zu gierig zu handeln oder aus Sorge davor, etwas zu verpassen, noch schnell auf absurd anmutenden Kurshöhen einzusteigen.

An den Push-Faktoren, die Gold und Silber zuvor Monat um Monat zu neuen Rekorden getrieben hatten, hat sich derweil kaum etwas verändert. Deshalb kam es auch zu keinem ernsthaften Preis-Crash, der mittelfristige Aufwärtstrend in den Charts von Gold und Silber ist nach wie vor in Takt. Anleger sollten sich daher von den jüngsten Kursstürzen nicht verunsichern lassen. Sie waren mehr technisch, als fundamental begründet. Das wiederum lässt die Vermutung zu: die Edelmetallrally könnte sich fortsetzen.

Angesichts der Vielzahl geopolitischer Risiken, einer ausufernden Staatsverschuldung in fast allen Teilen der Welt, besonders aber zuletzt in den USA, und ein damit einhergehender Vertrauensverlust in US-Staatsanleihen sowie einem schwächelnden US-Dollar, sind Anleger weiter auf der Suche nach sicheren Häfen. Hinzu kommt in den USA weiter eine – wenn auch abgeschwächte – hartnäckige Inflation. Dass gleichzeitig, nahezu über den gesamten Rohstoffmarkt hinweg, die Nachfrage das Angebot übersteigt oder mindestens ausgleicht, schafft günstige Rahmenbedingungen für die Entwicklung eines Superzyklus – für Rohstoffe insgesamt, und nicht zuletzt für Gold und Silber. Sollte sich ein solcher Superzyklus auftun, dann wären auf lange Sicht noch deutlich höhere Kurse denkbar, als die zu Beginn des Jahres. „Wir rechnen mit einem strukturellen Superzyklus“, schreiben die Fidelity-Experten. Francisco Blanch, Rohstoffanalyst bei Bank of America Securities glaubt an „Inflationspotenzial über das gesamte Spektrum der Metalle hinweg“.

Lohnt trotz hoher Preise also noch ein Kauf von Gold- und Silber? Ein komprimierter Blick auf die Ausgangssituation und Investitionsmöglichkeiten.

Gold - Der ewige Dauerbrenner an den Finanzmärkten

In schwachen Jahren häufig abgestempelt als renditelose Anlageform, da es weder Zinsen noch Dividenden abwirft und auch kein Wachstum erzeugt, das wiederum den Kurs steigen lässt, in starken Jahren plötzlich wieder als das Investment schlechthin gefeiert, weil knapp, begehrt und krisensicher. Fakt ist: zu Jahresbeginn übersprang der Goldpreis zum ersten Mal in seiner Geschichte die 5.000-Dollar-Marke. Trotz Durststrecken entspricht das in 25 Jahren mehr als 1.600 Prozent Kursgewinn. 2025 verteuerte sich Gold so stark, wie seit 1979 nicht mehr und stellte dabei 53 neue Allzeithochs auf. „Auch wenn dieser Anstieg des Goldpreises nicht linear verlaufen ist und auch in Zukunft nicht linear verlaufen wird, glauben wir, dass die Trends, die diesen Aufwärtstrend des Goldpreises antreiben, noch nicht ausgeschöpft sind“, sagt Natasha Kaneva, Leiterin der globalen Rohstoffstrategie bei J.P. Morgan. Die US-Bank hält einen Goldpreis von 6.300 Dollar je Unze zum Jahresende hin für möglich. Für Privatanleger sollte nach Meinung der Experten des Goldhändlers proaurum ohnehin nicht die Frage nach dem Hoch im Vordergrund stehen, sondern: „Welche Rolle soll Gold in meinem Portfolio übernehmen?“ Wer Gold als Versicherung gegen systemische Risiken versehe, für den sei Timing zweitrangig. „Entscheidend ist die strategische Beimischung – nicht die kurzfristige Kursprognose.“

Die Goldnachfrage hängt kaum von der Industrie ab, vielmehr von einer psychologisch begründeten Nachfrage nach einem sicheren Hafen. Da sind die hohen Staatsverschuldungen, die Inflation, die Geopolitik, die Staaten, Investoren und Privatanleger in das als Wertaufbewahrungsmittel deklarierte Edelmetall treiben. Erstmals wurden im vergangenen Jahr mehr als 5.000 Tonnen physisches Gold nachgefragt, wie Daten des World Gold Council (WGC) zeigen. Die geförderte Menge lag in etwa bei 3.600 Tonnen. Im Positiv-Szenario rechnet das WGC damit, dass der Goldpreis 2026 noch um bis zu 30 Prozent steigen könnte. Optimistisch stimmt die Experten unter anderen, dass in Gold-ETCs seit 2024 in etwa 850 Tonnen frisches Gold geflossen sind. Es gab Gold-Bullenmärkte, da waren die Zuwächse größer.

Investieren in Gold

Gold bietet Privatanlegern, wie kaum ein anderer Rohstoff, die Chance, mit geringem Aufwand physisch zu investieren. Dazu entfällt die Mehrwertsteuer beim Kauf. Seit Jahrzehnten wird Gold in der klassischen Portfoliotheorie als Beimischung empfohlen – und hat als wertbeständiges Investment über lange Zeiträume hinweg immer geliefert. Natürlich lässt sich wie bei viele Rohstoffen auch bei Gold mit Zertifikaten, CFDs und ETCs auf Preisanstiege oder Kursverluste setzen. Wer will, tut das mit Hebel. ETCs stellen eine besondere Form des Zertifikate-Handels dar. Dabei handelt es sich um unbefristete, besicherte Schuldverschreibungen des Emittenten, die den Wert abbilden und damit eng der Wertentwicklung folgen. Sie unterliegen im Gegensatz zu ETFs jedoch einem Emittentenrisiko. Wem das zu komplex wird und oder physische Investments zu teuer sind, der wird auch am Aktienmarkt fündig. Bekannte Branchengrößen sind Newmont Mining, Barrick Gold und Franco-Nevada. Breit in einen Goldpreisanstieg investieren, geht zudem über Goldminen-Aktien-ETFs wie den VanEck Gold Miners UCITS ETF.

Silber – KI als Kirsche und Kurstreiber

Klettert der Goldpreis, tut das meist auch der von Silber. Und, da deutlich volatiler, häufig mit einer Art Hebel. Das war auch im Anstieg zum Jahreswechsel zu beobachten, als der Silberkurs nochmal deutlich explosiver nach oben schoss als der von Gold. Im Gegensatz zu Gold, hat Silber aber neben seinen Qualitäten als „sicherer Hafen“ auch schon immer eine Bedeutung als Industrierohstoff, welche im Zuge der Technologisierung in den vergangenen Jahren sprunghaft zugenommen hat. Besonders Energiewende, KI und Robotik treiben die Nachfrage. Gleichzeitig hinkt das Angebot hinterher, da Silber zu mehr als zwei Dritteln als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Rohstoffe gewonnen wird, womit Bergbaukonzerne wenig agil auf Nachfrageschwankungen reagieren können. Laut dem Silver Institute lag das Angebot zuletzt irgendwo zwischen 31.000 und 32.000 Tonnen Silber im Jahr. Die Nachfrage lag 2024 bei etwas mehr als 36.000 Tonnen. Das Silberangebot unterliegt schon länger einem strukturellen Defizit, was als Preistreiber fungiert. Im Hoch zu Beginn des Jahres übertraf der Silberkurs die letzte große Preisspitze von 2011 – wenn auch nur kurz – um mehr als Doppelte. Die JPMorgan-Analysten rechnen mit einem Preis von etwas über 80 US-Dollar je Unze für das laufende Jahr. Bis 2027 könnte es auf 85 Dollar nach oben gehen. Grundsätzlich sei für die langfristige Preisentwicklung die Marktstimmung, die Nachfrage und die Positionierung der Anleger aber viel wesentlicher als bei Gold, hieß es in einer Studie der Bank weiter.

Investieren in Silber

Die Geldanlage in Silber unterscheidet sich kaum von der in Gold. Anleger haben die Wahl zwischen physischen Investments oder Derivaten am Finanzmarkt. Wer kurzfristig an der Preisentwicklung teilhaben will, greift auf Zertifikate zurück, wer längerfristig auf steigende Preis setzt, kauft eher einen Barren. Aktien wie die von Silvercorp-Metals oder Pan-American-Silver bieten Anlegern die Option über Minenbetreiber am Nachfrageüberhang am Markt zu partizipieren. Breit auf die Industrie lässt sich beispielsweise über den Global X Silver Miners UCITS ETF setzen.

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