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Rohstoffe > El Nino treibt Future-Preise

Und auf einmal schlägt Zucker den S&P 500

| Oliver Götz

Zuckerrüben nach der Ernte auf einem Haufen.
Die Zuckerrübenernte in Europa dürfte in diesem Jahr schlechter ausfallen als sonst. (Foto: picture alliance / Shotshop | Erich Teister)

Im August ist der Preis für Zucker so stark gestiegen, wie seit 16 Jahren nicht mehr. Das hat auch mit Europas Hitzesommer zu tun – und dem Ölpreis.

Über die vergangenen drei Jahre war Zucker an der Börse immer günstiger geworden. In diesem Jahr passierte dann monatelang wenig – bis Ende Juli. Auf einmal zogen die Preise für das beliebte, weil so billige, Süßungsmittel deutlich an. Im August schoss der Zuckerpreis um 21,5 Prozent nach oben. Einen stärkeren Monatsanstieg hatte es zuletzt im Oktober 2010 gegeben. Auf Jahressicht liegt Zucker damit rund 20 Prozent im Plus. Der S&P 500 kommt im gleichen Zeitraum lediglich auf knapp 13 Prozent. Wer Anfang 2026 auf den vermeintlich unspektakulären Agrarrohstoff statt auf US-Aktien gesetzt hätte, wäre damit besser gefahren.

Diese regelrechte Preisexplosion rührt nicht daher, dass die Welt plötzlich so viel mehr Zucker verbraucht. Vielmehr wächst die Sorge, dass das Angebot in der kommenden Saison deutlich knapper ausfallen könnte als sonst.

Europas Hitzesommer hinterlässt Spuren

In Europa hat der ungewöhnlich heiße und trockene Sommer den Zuckerrüben zugesetzt. Die Europäische Kommission rechnet für das Zuckerwirtschaftsjahr 2026/27 inzwischen nur noch mit einer EU-Produktion von rund 13,4 Millionen Tonnen. In der Vorsaison waren es noch 16,6 Millionen Tonnen – ein Rückgang um fast ein Fünftel. Eine Produktionslücke, die im Normalfall global auszugleichen ist. Jedoch nicht, wenn gleichzeitig in fast allen wichtigen Anbaugebieten Ernteausfälle auftreten. Thailand, Indien und Brasilien zeichnen gemeinsam für rund 70 Prozent des globalen Zuckerangebots verantwortlich – und in allen drei Ländern könnte gerät dieses unter Druck.

In Indien sorgen unterdurchschnittliche Niederschläge in wichtigen Anbaugebieten für Unsicherheit. Das Land hat deshalb kürzlich erstmals seit mehreren Jahren wieder zollfreie Importe von Rohzucker zugelassen. Einer der größten Zuckerproduzenten der Welt tritt somit selbst als Käufer auf. Das spricht dafür, dass die heimische Versorgung knapper ist als bislang angenommen. Gleichzeitig bedeutet die Entscheidung, dass Indien möglicherweise weniger Zucker für den Export zur Verfügung stellt.

In Thailand könnte ein möglicher Rekord-El-Niño, wie ihn Forscher für dieses Jahr vorhersagen, unregelmäßigere Niederschläge bringen und die Wasserversorgung verschärfen. El Niño beschreibt eine wiederkehrende Erwärmung großer Teile des tropischen Pazifiks. Seine Auswirkungen reichen weit über den Pazifik hinaus und können Niederschlagsmuster und Temperaturen in wichtigen Agrarregionen verändern. Noch ist nicht ausgemacht, wie stark das Ereignis ausfallen wird. Für den Markt reicht aber bereits die Möglichkeit eines ungewöhnlich starken Ereignisses, um eine Risikoprämie einzupreisen.

Ölpreis als zusätzlicher Faktor

In Brasilien kann beispielsweise Trockenheit die Erträge des Zuckerrohrs drücken. Zu starke Regenfälle wiederum können die Ernte behindern und den Zuckergehalt des Rohrs beeinträchtigen. „Brasilien bleibt der entscheidende ausgleichende Lieferant am Markt, doch wetterbedingte Risiken bei der Abwicklung während der verbleibenden Ernte lassen kaum Spielraum für Fehler“, schrieb Citi-Analyst Arkady Gevorkyan in einer Mitteilung. Gleichzeitig besitzt die brasilianische Zuckerindustrie eine Besonderheit: Zuckerrohr kann je nach Preis entweder zu Zucker oder zu Ethanol verarbeitet werden. Steigende Ölpreise machen Ethanol attraktiver. Für die Zuckerindustrie entsteht damit ein zusätzlicher Anreiz, mehr Zuckerrohr in den Biokraftstoff zu lenken und weniger Zucker auf den Weltmarkt zu bringen.

Die Citibank rechnet inzwischen mit einem globalen Zucker-Defizit von rund 1,3 Millionen Tonnen und ist kurzfristig für keinen anderen an der Intercontinental Exchange gehandelten Agrarrohstoff so bullisch positioniert. 19 Cent pro Pfund lautet das aktuelle Kursziel der US-Großbank.

 

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