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Tops und Flops > Tops & Flops der Woche

Börsenwoche 29: Palantir stark, Oracle auf Rekordjagd, Redcare profitiert

| Thomas Behnke

Schriftzug „Tops & Flops“ zur Übersicht der stärksten und schwächsten Aktien der Börsenwoche 29
Tops & Flops der Börsenwoche 29 im Fokus: u. a. Palantir, Oracle, Redcare Pharmacy.

Palantir erreicht neues Allzeithoch. Oracle wird vierter Hyperscaler. Redcare Pharmacy nach BGH-Urteil stark. ASML enttäuscht. Micron korrigiert dynamisch.

Börsenwoche 29 im Rückblick: Technische Stärke und rechtliche Klarheit prägen Einzeltitel

In Kalenderwoche 29 zeigten sich bei ausgewählten Einzelwerten deutliche Unterschiede in der Kursentwicklung. Während einige Aktien mit klaren Aufwärtstendenzen überzeugten, gerieten andere unter Druck. Unser Rückblick stellt auffällige Gewinner und Verlierer der Woche vor – und ordnet die Hintergründe ein.

+++ Tops +++

Palantir Technologies erreicht neues Allzeithoch

Die Palantir-Technologies-Aktie (ISIN: US69608A1088) gehörte in der vergangenen Woche zu den größten Gewinnern des NASDAQ-100, markierte ein neues Allzeithoch und bestätigte damit den übergeordneten Aufwärtstrend. Sie zeigt weiterhin Stärke, weshalb sie unter Berücksichtigung der hohen Volatilität für trendfolgende Long-Strategien geeignet sein könnte. Ein Risiko stellt jedoch die inzwischen sehr ambitionierte Bewertung dar. Mehr dazu im Beitrag „Palantir-Aktie auf Rekordhoch: Wachstumsstory oder Bewertungsblase?”.

Palantir Technologies

Oracle markiert neues Allzeithoch

Der S&P-500-Wert Oracle (ISIN: US68389X1054) hat in der vergangenen Woche seine Rekordjagd fortgesetzt und ein neues Allzeithoch erreicht. Unter den 20 größten börsennotierten US-Firmen war die Aktie der größte Gewinner. Neuigkeiten vom Unternehmen gab es keine. Dem Spezialisten für cloudbasierte Firmensoftware, Datenbanken und Cloud-Infrastrukturen werden offenbar nach wie vor gute Geschäftsperspektiven im KI-Zeitalter eingeräumt. Der jüngste geschäftliche Aufwärtstrend von Oracle, unterstützt durch einen Deal, der bis zum Geschäftsjahr 2028 bis zu 30 Mrd. US-Dollar an Cloud-Computing-Umsatz bringen könnte, führte dazu, dass Evercore ISI das Unternehmen als „vierten globalen Hyperscaler“ bezeichnete. Die anderen drei globalen Cloud-Riesen sind Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure. Aufgrund ihrer Trendstärke bleibt die Aktie charttechnisch aktuell ein Kandidat für trendfolgende Long-Strategien. Hinsichtlich der Bewertung liegen mit einem KGV von über 40 bzw. über 30 jedoch Werte vor, die deutlich über den historischen Durchschnittswerten von 16,2 bzw. 15 liegen und somit eine klare Überbewertung andeuten. Investoren mit Value-Ansatz sollten sich daher fragen, ob diese Bewertung gerechtfertigt ist.

Oracle

Redcare Pharmacy von Urteil beflügelt?

Der MDAX-Wert Redcare Pharmacy (ISIN: NL0012044747) verzeichnete in der vergangenen Woche einen dynamischen Aufwärtsimpuls und zählte damit zu den größten Wochengewinnern am deutschen Aktienmarkt. Ein Impulsgeber könnte ein Gerichtsurteil des Bundesgerichtshofs (BGH) gewesen sein, der die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) bestätigte. Demnach sind Online-Apotheken mit Sitz in der EU nicht an die deutschen Festpreise für verschreibungspflichtige Arzneimittel gebunden. Im Fokus stand ein Bonusmodell, das in Deutschland beim Einlösen von Rezepten Preisvergünstigungen ermöglicht. Der BGH wies die Klage eines deutschen Apothekerverbands ab und erklärte solche Boni für rechtlich zulässig. Laut einer Mitteilung von Redcare Pharmacy schafft dieses Urteil rechtliche Klarheit und stellt einen Meilenstein für die Arzneimittelversorgung in Deutschland dar. Charttechnisch hat die Aktie mit dem Kursanstieg die Erholung seit dem Korrekturtief im Juni dynamisch fortgesetzt. Diese Erholung ist jedoch bislang nur als technische Gegenbewegung in einem übergeordneten, intakten Abwärtstrend zu werten. Die nun erreichte Marke von 107,20 Euro, die aus dem Zwischentief von April resultiert, könnte die nächste Hürde darstellen.

Redcare Pharmacy

+++ Flops +++

Jungheinrich unter Druck nach Prognoseabsenkung

In der vergangenen Woche gehörte der MDAX-Wert Jungheinrich (ISIN: DE0006219934) zu den größten Verlierern am deutschen Aktienmarkt. Besonders am Donnerstag kam es zu einem heftigen Kurseinbruch. Auslöser war die vorsichtige Neubewertung der Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr durch das Unternehmen. Die Prognosen für Umsatz und Auftragseingang wurden angepasst und das Gewinnziel gesenkt. Das Ergebnis vor Finanzergebnis und Ertragsteuern (EBIT) wird nun zwischen 280 Mio. Euro und 350 Mio. Euro liegen (bisher: 430 Mio. Euro bis 500 Mio. Euro). Diese Senkung erfolgt unter anderem aufgrund von Einmalkosten in Höhe von 90 Mio. Euro für ein neues Sparprogramm, das Stellenstreichungen beinhaltet und mittelfristig Kosteneinsparungen von rund 100 Mio. Euro erzielen soll. Jungheinrich gehört zu den weltweit führenden Anbietern auf dem Gebiet Intralogistik. Bekannt ist die Gesellschaft vor allem für ihre Gabelstapler. Charttechnisch hat sich das Bild durch den Kurseinbruch am Donnerstag deutlich eingetrübt. Der seit April dieses Jahres bestehende kurzfristige Aufwärtstrend wurde gebrochen und der Kurs fiel unter die 21- und 100-Tage-Durchschnittslinien, die den kurz- bzw. mittelfristigen Trend beschreiben.

Jungheinrich

ASML Holding knickt ein nach vorsichtigen Ausblick

Die Aktie der ASML Holding (ISIN: NL0010273215) sticht in der vergangenen Woche als einer der größten Verlierer aus dem EURO STOXX 50 hervor. Insbesondere am Mittwoch kam es nach der Vorlage von Quartalszahlen zu einem deutlichen Kursrückgang. Zwar wurden die durchschnittlichen Analystenerwartungen bei Umsatz und Gewinn übertroffen. In der zurückliegenden Berichtsperiode profitierte das Unternehmen von einer guten Nachfrage nach seinen Maschinen, angetrieben durch den Boom bei Künstlicher Intelligenz, was sich auch positiv bei der Auftragslage niederschlug. ASML zählt zu den Herstellern der weltweit modernsten Halbleiteranlagen und ist Technologieführer in der sogenannten Fotolithografie, die insbesondere für die weitere Verkleinerung von Halbleiterchips entscheidend ist. Der Ausblick fiel jedoch zurückhaltend aus. Das Unternehmen warnte, dass es das Wachstum für 2026 aufgrund makroökonomischer und geopolitischer Entwicklungen nicht bestätigen könne. Der Konzern sieht sich derzeit weitreichenden Exportbeschränkungen seiner Anlagen nach China ausgesetzt. Zudem kämpfen große Kunden wie Intel (ISIN: US4581401001) oder Samsung (ISIN: KR7005930003) mit Problemen. Charttechnisch betrachtet, war die Aktie in er vergangenen Woche zwischenzeitlich unter die Marke von 632,60 Euro gerutscht. Diese stellt das untere Ende der potenziellen Unterstützungszone dar, die sich aus der seitwärts gerichteten Konsolidierung seit Mitte Mai ergibt. Zuletzt befand sich der Kurs aber wieder darüber. Ein nachhaltiger Bruch dieser Marke könnte für eine Fortsetzung des übergeordneten Abwärtstrends sprechen.

ASML Holding

Micron Technology korrigiert nach Rallye

Die Aktie des Speicherspezialisten Micron Technology (ISIN: US5951121038) verzeichnete seit dem markanten Korrekturtief im April dieses Jahres einen sehr dynamischen Anstieg. Bis zum Verlaufshoch am 26. Juni betrug das Kursplus mehr als 100 %. Seither ist jedoch eine Korrektur zu erkennen, die sich in der vergangenen Woche dynamischer fortsetzte. Die Aktie zählte zu den größten Verlierern im S&P 500 und NASDAQ-100, obwohl es keine Unternehmensneuigkeiten gab. Ein möglicher Grund für die aktuelle Schwäche könnten Gewinnmitnahmen nach dem rasanten Anstieg in den vergangenen Monaten sein. Außerdem gehen die Analysten von Goldman Sachs davon aus, dass die Preise für High-Bandwidth-Speicher bis 2026 sinken werden, da der Wettbewerb in diesem Bereich zunimmt. Sie hatten daher die Aktie des südkoreanischen Konkurrenten SK Hynix (ISIN: US78392B1070) herabgestuft. Zurückhaltung bei der Micron-Technology-Aktie könnte aber auch durch die bis zum Monatsende erwartete Entscheidung der US-Regierung über die Höhe der US-Importzölle für Chip-Produkte und die damit verbundene Unsicherheit ausgelöst worden sein.

Micron Technology

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