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Analysen > Zwischen Dividende und Bewertung

PepsiCo-Aktie: Comeback des Dividendenaristokraten oder nur ein Strohfeuer?

| Thomas Behnke

Drei Getränkedosen von Pepsi, 7Up und Mirinda gekühlt im Eiskübel – Marken aus dem PepsiCo-Konzern
PepsiCo-Aktie im Fokus: Der Dividendenaristokrat überzeugt mit Marken wie Pepsi, 7Up und Mirinda – Quartalszahlen sorgen für frischen Schwung. (Foto: shutterstock)

Nach einem Kurssprung nach den Quartalszahlen rückt die PepsiCo-Aktie wieder in den Fokus. Wie solide ist die Dividende? Wie attraktiv die Bewertung? Die Analyse zeigt Chancen und Grenzen der bekannten Konsumgüteraktie.

Die Pepsi-Aktie (ISIN: US7134481081), ein Klassiker unter den Dividendenaktien, hatte am vergangenen Donnerstag nach der Vorlage von Quartalszahlen einen deutlichen Kurssprung verzeichnet. Eine solche Dynamik hatte die Aktie schon länger nicht mehr gezeigt. Ist damit der Knoten geplatzt? Kommt nun neuer Schwung in den Kursverlauf? Und wie ist die aktuelle Bewertung einzuordnen?

Charttechnik: Erste Signale einer Bodenbildung

Die Entwicklung der Pepsi-Aktie in den vergangenen Jahren war alles andere als prickelnd. Das Allzeithoch von 196,88 US-Dollar stammt aus dem Mai 2023 und liegt damit bereits über zwei Jahre zurück. Seither ist der Kurs in einem Abwärtstrend. Doch seit dem Mehrjahrestief im Mai 2025 bei 126,36 US-Dollar hat sich das Bild verbessert. Die Pepsi-Aktie zeigte keinen nennenswerten weiteren Abwärtsdruck mehr, sondern trat in eine seitwärts gerichtete Konsolidierung über. Im Juni kam es fast zu einem erneuten Test des Mai-Tiefs. Dieses wurde jedoch nicht erreicht, bevor die Aktie drehte und in einen kurzfristigen Aufwärtstrend überging.

Pepsi-Aktie gewinnt neuen Schwung nach Quartalszahlen

In der vergangenen Woche setzte sich dieser Aufwärtstrend fort. Am Donnerstag sorgte die Vorlage der Quartalszahlen für einen deutlichen Kurssprung. Eine solch dynamische Bewegung war bei PepsiCo lange nicht zu beobachten. Das Chartbild hat sich damit aufgehellt. Die Aktie notiert nun wieder über der 21- und der 50-Tage-Linie. Beide gleitenden Durchschnitte zeigen inzwischen eine steigende Tendenz. Für technisch orientierte Anleger ist das ein wichtiges Signal für eine mögliche Trendwende im kurzfristigen und mittelfristigen Bereich.

Zwar zeigt der längerfristige 150-Tage-Durchschnitt noch keine Steigung. Allerdings gab es zuletzt zwei Schlusskurse über dieser Linie, die in etwa dem 30-Wochendurchschnitt entspricht. Damit gewinnt auch dieser Indikator für den längerfristigen Trend an Relevanz. Der finale technische Befreiungsschlag steht aber noch aus: Erst wenn das Hoch von März bei 158,34 US-Dollar überschritten wird, wäre der übergeordnete Abwärtstrend formal beendet. Dennoch könnte die Aktie bereits jetzt für charttechnisch orientierte Anleger einen näheren Blick wert sein.

PepsiCo

Fundamentale Daten: Solide, aber keine Wunderdinge

Auch fundamental zeigt sich ein leicht positiver Trend. Zwar läuft es bei PepsiCo noch nicht wieder rund, doch im zweiten Quartal konnten immerhin einige Fortschritte erzielt werden. So meldete der Konzern ein moderates, aber verbessertes Umsatzwachstum. Die Gewinne gingen zwar zurück – unter anderem aufgrund von Sonderabschreibungen in Milliardenhöhe auf immaterielle Vermögenswerte im Nordamerika-Geschäft – lagen aber über den Erwartungen des Marktes. Positiv fällt zudem auf, dass sich die bereinigte operative Gewinnmarge bereits im zweiten Quartal in Folge verbessern konnte.

Doch reicht das alles aus, um die PepsiCo-Aktie wieder ins Depot zu legen? Damit zur nächsten Frage: Wie sieht es beim Ausblick aus?

Unternehmensprognose: Verhaltener Optimismus

Firmenchef Ramon Laguarta zeigte sich vorsichtig zuversichtlich: Das internationale Geschäft sei dynamisch, und auch in Nordamerika zeige sich die Wettbewerbsfähigkeit verbessert. Für das Gesamtjahr rechnet PepsiCo mit einem organischen Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Bereich. Der bereinigte Gewinn pro Aktie auf konstanter Währungsbasis soll etwa auf dem Vorjahresniveau liegen. Die Gewinnprognose in US-Dollar wurde angehoben, da die Belastungen durch Wechselkurseffekte geringer ausfallen als zuvor angenommen.

Snacks robust, Getränke schwächeln

Trotz des naturgemäß vorsichtigen Optimismus des Vorstands offenbart ein Blick in die einzelnen Geschäftsbereiche weiterhin strukturelle Herausforderungen beim US-Konsumgüterriesen, der für seine Cola und andere Limonaden mit Marken wie Pepsi, 7Up und Mirinda bekannt ist. Zum Sortiment zählen außerdem Sportgetränke (Gatorade), Energy-Drinks (Mountain Dew), Wasser (Aquafina, Sodastream) und Eistee (Lipton). Die Getränkesparte, gemessen am Umsatz das zweitwichtigste Segment mit rund 42 Prozent, steht allerdings seit Längerem unter Druck – insbesondere in Nordamerika. Zwar konnten internationale Märkte diese Schwäche zuletzt auffangen, doch insgesamt vermag der Bereich weiterhin nicht vollends zu überzeugen.

Etwas besser sieht es in der größten Konzernsäule, dem Lebensmittelgeschäft, aus (Umsatzanteil: 58 Prozent). Kartoffelchips, Salzbrezeln, Mehl, Backmischungen, Nudeln, Müsli, Reiskekse und zunehmend auch Fertiggerichte (Convenience Food) gehören hier zum Sortiment. Das Markenspektrum umfasst unter anderem Lay’s, Doritos, Cheetos, Quaker und Ruffles. Das Snack-Segment präsentierte sich zuletzt robust, allerdings wurde der Ausblick für das Gesamtjahr eher bestätigt als angehoben.

Pepsi sucht Wachstum jenseits der Supermarktregale

Insgesamt hat PepsiCo somit zwar ein solides Quartal verzeichnet, das ändert aber nichts an den zentralen Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Wachstums. Offen ist insbesondere die Frage, woher langfristig Steigerungsraten kommen sollen, die über inflationsbedingte Preissteigerungen hinausgehen.

Der Vorstand sieht Wachstumschancen außerhalb des klassischen Einzelhandels (z. B. Gastronomie, Kioske, Automaten, Tankstellen), da dieser höhere Margen bietet und zusätzliche Verzehranlässe schafft. Zudem plant PepsiCo die Erweiterung des Sortiments an „gesünderen“ Produkten sowie Relaunches der Marken Lay’s und Tostitos.

Darüber hinaus setzt PepsiCo zunehmend auf Effizienzsteigerungen. Investitionen in Technologie, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz sollen helfen, Strukturen zu verschlanken. Durch stärkere Integration bislang separat geführter Geschäftsbereiche will das Unternehmen künftig agiler und kosteneffizienter entlang der gesamten Wertschöpfungskette arbeiten.

Klingt alles plausibel und nachvollziehbar, ist aber nicht sonderlich spektakulär. Die Frage ist somit: reicht das aus, um PepsiCo als stabiles Investment mit einer attraktiven Dividende zu klassifizieren.

Dividendenaristokrat: Stabil, aber mit Grenzen

Eines vorweg: PepsiCo zählt zu den sogenannten Dividendenaristokraten. Damit sind S&P 500-Unternehmen gemeint, die ihre Dividende seit mindestens 25 Jahren ununterbrochen steigern. In dieser Hinsicht beeindruckt PepsiCo mit einer Serie von mittlerweile 53 Jahren.

Die aktuelle Dividendenrendite von rund 4 Prozent wirkt auf den ersten Blick attraktiv – vor allem für Anleger, die gezielt nach soliden Dividendenaktien suchen. Doch wie nachhaltig ist diese Ausschüttung?

In den vergangenen fünf Jahren lag die durchschnittliche Ausschüttungsquote bei rund 54 Prozent vom Cashflow und 68 Prozent vom Gewinn. Das ist grundsätzlich solide und lässt noch Spielraum für moderate Erhöhungen. Allerdings dürfte das Tempo der Steigerungen begrenzt bleiben – nicht zuletzt wegen der vergleichsweise hohen Nettoverschuldung, die zuletzt mit 43,4 Milliarden US-Dollar einen neuen Höchststand erreicht hat. Zwar ist der Verschuldungsgrad nicht besorgniserregend, aber auch nicht niedrig. PepsiCo operiert damit mit einem spürbaren Leverage.

Das Unternehmen wird voraussichtlich alles daran setzen, die Dividende stabil zu halten. Größere Sprünge sind jedoch eher nicht zu erwarten. Hinzu kommt: Die Dividendenrendite bewegt sich aktuell etwa auf dem Niveau von US-Staatsanleihen. Je nach Laufzeit bieten diese sogar vergleichbare oder höhere Erträge – bei deutlich geringerem Risiko.

Vor diesem Hintergrund ist die PepsiCo-Dividende zwar solide, aber nicht außergewöhnlich attraktiv. Für sich allein genommen reicht sie daher nicht als überzeugender Kaufgrund für die Aktie aus. Ob die Bewertung bessere Argumente liefert?

Bewertung der PepsiCo-Aktie: Nicht billig, aber historisch leicht unterbewertet

Auch bei der Bewertung zeigt sich ein differenziertes Bild. Mit einem aktuellen KGV von 17,7 liegt PepsiCo unter dem historischen Durchschnitt von rund 21. Das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV) beträgt 15,2 und liegt damit ebenfalls leicht unter dem langjährigen Schnitt von 16,1. So richtig günstig ist die Aktie damit zwar nicht, aber deutlich günstiger als in den vergangenen Jahren, als der Markt dem Titel zeitweise einen deutlichen Bewertungsaufschlag zubilligte. Aktuell bewegt sich die Bewertung auf einem Niveau wie zuletzt im März 2020 – ein Umstand, der einen genaueren Blick rechtfertigt.

Auch absolut gesehen liefert das KCV einen soliden Anhaltspunkt, der für ein Investment sprechen könnte. Die daraus ableitbare Cashflow-Rendite von rund 6,6 Prozent erscheint für Value-orientierte Anleger durchaus attraktiv – insbesondere in Kombination mit der Dividendenrendite. Voraussetzung ist jedoch, dass die aktuellen Herausforderungen von PepsiCo – wie strukturelle Margenrisiken und verhaltenes Wachstum – angemessen berücksichtigt werden.

Risiken: Konjunktur, Kosten, Konsumklima

Trotz der verbesserten Bewertungskennzahlen sind die Herausforderungen nicht zu übersehen. In Nordamerika bleibt das Konsumklima angespannt. Höhere Preise kompensieren rückläufige Absatzmengen – ein Modell, das langfristig an seine Grenzen stößt. Dazu kommen steigende Zölle, volatile Logistikkosten und Wechselkursschwankungen, die auf die Margen drücken. Ohne neue Wachstumsimpulse bleibt das Ertragspotenzial begrenzt.

Warum PepsiCo eher Beimischung als Kerninvestment ist

PepsiCo präsentiert sich aktuell als solides, aber keineswegs dynamisches Investment. Die jüngste Kursentwicklung und positive charttechnische Signale lassen zwar auf eine mögliche Trendwende hoffen, doch fundamental bleiben die Wachstumsperspektiven begrenzt.

Einzelne Segmente wie das Snack-Geschäft liefern stabile Beiträge, und auch die Dividende bietet Verlässlichkeit. Gleichzeitig wirken strukturelle Herausforderungen, eine nur leicht unterdurchschnittliche Bewertung und eine relativ hohe Verschuldung als bremsende Faktoren.
Für langfristig orientierte Anleger mit Fokus auf defensive Qualitätstitel, kontinuierliche Ausschüttungen und klassische Dividendenaktien kann die PepsiCo-Aktie dennoch interessant sein – insbesondere als Beimischung in einem breit aufgestellten Depot. Wer hingegen auf starkes Wachstum oder überdurchschnittliche Kurschancen setzt, wird bei wachstumsstärkeren Alternativen eher fündig.

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